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Technik-Geschichte Das Diktiergerät tat sein übriges zu dieser Entwicklung. In der Werbung wurde es als Ersatz für die Stenographie angeboten. Damit wurde diese Qualifikation, mit der sich eine höhere Entlohnung erzielen lassen konnte, ebenfalls entbehrlich. Auch machte das Diktiergerät die zeitliche Trennung von Diktat und Schreiben möglich. Es entstanden die sogenannten Schreibpools. Und damit kam es in der Folge zu einer geschlechterbezogenen Arbeitsaufteilung. Entscheiden, Planen, Texte verfassen wurde hauptsächlich zur Aufgabe von Männern. Tippen, Kopieren, Sortieren, Ablegen übernahmen die Frauen. So verschwanden Männer zunehmend aus den Büros. Begriffe wie „Maschinenschreiberin“, „Schreibkraft“ und „Tippse“ kamen auf und es entstand das Vorzimmer mit der Chefsekretärin, das allein auf den Mann ausgerichtet ist und den Zugang zu ihm erschwert. Im 20. Jahrhundert verschoben sich mit der Weiterentwicklung von Computer, Bürosoftware und Infrastruktur (Internet, Vernetzung, Cloud) die Aufgaben der klassischen Sekretärin im mittleren Management zunehmend direkt zum Chef. „Do It Yourself“ wurde die Parole der Arbeitswelt 4.0. Freiwillig oder verordnet. Die Sekretärin im höheren Management wurde zur Assistentin. Nur noch ca. 30 Prozent der Sekretärinnen arbeiten heute für eine Führungskraft. Die Sekretärin im mittleren Management wird zur Teamassistentin, ist für ganze Abteilungen zuständig und sitzt zumeist im Großraumbüro.

5. Und was bringt die Zukunft? Gibt es eine Renaissance für die Schreibmaschine? Im Zeitalter der Cypersicherheit erstellen die Abteilungen der Geheimdienste vertrauliche Schriftstücke nicht mehr über den Computer, sondern zunehmend wieder mit Schreibmaschinen. Die Tokioter Nakajima All Co. Ltd. ist der letzte große Hersteller von Schreibmaschinen in der Welt. Die Kundenliste ist lang und geheim. Und auch mit dem Schreibmaschinenbereich von Triumph-Adler geht es weiter. Die Bandermann GmbH in Kaarst bei Düsseldorf hatte 2004 die Schreibmaschinenproduktion gekauft, neu ausgerichtet und produziert jetzt in Asien. Heute setzt die Firma rund 10.000 Maschinen im Jahr ab. Aber heißt diese Renaissance auch wieder „Bitte zum Diktat“ mit Stenographie und Schreibmaschine? Oder sieht das mit dem Fräulein Roboter doch anders aus? Werfen wir doch einen Blick auf die Entwicklung im Bereich der humanoiden (menschenähnlichen) Roboter. 1928 - mit Eric fing alles an. Er war der erste klassische Roboter der Technikgeschichte, gebaut in England von Captain William Richards und dem Ingenieur Alan Reffell. Er sollte die Ausstellung der Society of Model Engineers in London eröffnen. Er stand von seinem Stuhl auf, verbeugte sich und hielt eine vierminütige Eröffnungsrede. Eric wurde von zwei Personen ferngesteuert. Seine Stimme erhielt er live per Funkübertragung. Er konnte aber noch nicht laufen.

1939 baute die Firma Westinghouse den Roboter Elektro für die Weltausstellung in New York und ein Jahr später seinen Begleiter, den Roboterhund Sparko. Elektro war ca. 2,20 Meter groß und mittels einer Telefonverbindung steuerbar. Er konnte sich bewegen. An seinen Fingern zählte er bis zehn und rauchte Zigarren. Er konnte ein Gespräch simulieren, da er über einen Sprachschatz

Literatur Finsterbusch, Stephan 14.07.2014: Kauft Schreibmaschinen Frankfurter Allgemeine Zeitung Küppers, Udo E. W. 2018: Die humanoide Herausforderung 1. Auflage. Springer Fachmedien Wiesbaden Lorentz, Ellen : „Qualifiziert, kompetent, jedoch nicht immer hochgeschätzt“, Zur Arbeit von Frauen im Büro: gestern - heute - morgen Heft 05. Sekretärinnen: Die Lara Croft des Büros ZEIT ONLINE 06.04.2012

Internetquellen 1928 - Eric Robot: http://cyberneticzoo.com/robots/1928-eric-robotcapt-richards-english/ Humanoider Roboter, Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Humanoider_Roboter Mark Adams, Henry Mill’s patent for “Impressing Writing on Parchment“ 2018 http://type-writer.org Parlograph, Wikipedia: https:// de.wikipedia.org/wiki/Parlograph Sophia, Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Sophia_(Roboter)

Rundfunk & Museum 97 – September 2019

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