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NACHRUF Rock das Jenseits, Walter! Nachruf auf Carl-Walter Popp (8. Oktober 1955 – 5. Mai 2019) von Dr. Karin Falkenberg

Als Walter Popp und ich uns das erste Mal nach langen Jahren wiedergesehen haben, kämpfte er sich gerade durch eine der größten Wendezeiten seines Lebens. Seine Frau hatte sich von ihm getrennt und er war arbeitslos, denn der Sebald-Verlag, für den er jahrelang tätig gewesen war, hatte Konkurs anmelden müssen. Das war im Jahr 2007. Walter Popp verteilte seine Bewerbungen in dieser Zeit flächendeckend – als Musikforscher und aktiver Musiker natürlich auch im Rundfunkmuseum. Der Nebenjob im Rundfunkmuseum klappte, kurze Zeit später hatte Walter auch wieder eine Vollzeitstelle bei der Bundesagentur für Arbeit und wiederum einige Zeit später saßen Walter und ich, wie in den Folgejahren sehr oft, abends beisammen und er erzählte: „Ich hätte nie gedacht, dass es mir nach der Trennung mal wieder gut gehen würde! Ich hab‘ in meinem Leben schon so viel erleben dürfen, Karin! Ich will keinen einzigen Tag missen!“ Der eltoffene Walter, meist im

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Rundfunk & Museum 97 – September 2019

coolen T-Shirt und in Jeans, manchmal aber auch Aufsehen erregend elegant im Anzug und mit glänzenden Schuhen, verwirrte auf seine freche und ehrliche Art schmunzelnd so manche fränkische Schönheit. Wenn ich an Walter denke, läuft oft ein Film vor meinem inneren Auge ab. Ich sitze mit ihm, Brigitte Holl, Gerd Walther, Moritz Hauk und Klaus Haarbrücker im Museumscafé, später in der Amm’schen Wirtschaft oder im Landbierparadies und wir reden und lachen und lachen und reden. Walters fränkische Verschmitztheit und sein atemberaubendes Wissen über die Musikszene, insbesondere über fränkische Rockmusik, setzt dabei alle Schachmatt. Gerd Walther hatte eines Tages ein Quizspiel vorgeschlagen: „Alle gegen Walter“ sollte es heißen und von vorneherein war klar: Walter Popp würde mit seinem Musikwissen ohnehin alle Herausforderer schlagen. Er kannte die Songgeschichten, intonierte spontan Rocksongs und rezitierte strophenlang ihre Texte. Oder ich sehe Walter mit seiner Gitarre im Kinderraum des Rundfunkmuseums bei der Riesenveranstaltung „American Dreams“ für über 1.000 Gäste konzentriert spielen, die Terrassentür steht offen, Biggi und Tschabo im Hintergrund, Walter mitten in der Tür