TV Geschichte Ausblick: Grundig 100 Hz Weiterentwicklungen bis zum 100 Hz LCD-TV Im Rahmen der Weiterentwicklung der Halbleitertechnologie konnten aufgrund der nun möglichen kleineren Strukturen der Integrierten Schaltkreise (Large Scale Integration) immer mehr Funktionen in die ICs integriert werden. So konnten in den folgenden Jahren alle noch bestehenden Störeffekte (Artefakte) des PAL-Systems unter Beibehaltung des analogen Übertragungsstandards im Fernsehgerät durch digitale Signalverarbeitung beseitigt werden. Den zeitlichen Verlauf der weiteren empfängerseitigen Bildverbesserungen in Grundig High-End-Farbfernsehgeräten kann man bei Interesse unter www.gisela-und-konradmaul.de nachlesen. Und was ist heute im Zeitalter von Flachbildschirmen und digitaler Übertragungstechnik für HDTV von der 100 Hz Tech-
nik noch geblieben? Das digitale Übertragungsverfahren für HDTV hat die eingangs aufgeführten Schwachstellen des PAL-Systems nicht. Aber Flachbildschirme in LCD- und OLED-Technik haben bei all ihren Vorteilen doch einen Schwachpunkt gegenüber der guten alten Bildröhre. Aufgrund ihres technischen Prinzips können diese Flachbildschirme Bewegung schlechter wiedergeben. Um diesen Effekt zu vermindern kommt die 100 Hz Technik wieder zu Ehren. Es werden durch digitale Signalverarbeitung empfängerseitig zusätzliche Bilder berechnet. Bei den HDTV Standards 720p/50 (ARD, ZDF) und 1080p/50 werden zum Beispiel zu den vom Sender übertragenen 50 Bildern pro Sekunde weitere 50 berechnet. Besonders hochwertige LCD-TVGeräte arbeiten sogar mit 200 Hz. Hier kann nicht im Detail auf das Prinzip eingegangen werden aber bei Interesse kann unter http://
www.gisela-und-konrad-maul. de/HV07_Essay.pdf ein TechnikEssay des Autors „Die rafÏnierten Tricks der Bildverbesserer“ nachgelesen werden, in dem das Prinzip der Verbesserung der Bewegungswiedergabe von LC-Displays erklärt wird. Und selbst bei UHD1-Phase1, dem neuen Ultra High Definition TV-System mit der Auflösung von 3840 x 2160 Bildpunkten, wird die empfängerseitige Berechnung von Zwischenbildern (100 Hz Technik) zur Verbesserung der Bewegungswiedergabe empfohlen (siehe [8] Sachstand: UHDTV des Instituts für Rundfunktechnik IRT). Erst bei UHD1-Phase 2 ist dann eine senderseitige (native) Übertragung in HFR (High Frame Rate) also 100 bzw. 120 Bildern pro Sekunde (100 bzw. 120 Hz) vorgesehen um die Bewegungswiedergabe vor allem bei Sportübertragungen zu verbessern.
Konrad L. Maul, Dipl.-Ing. (FH) Certified Counsellor Konrad L. Maul war 37 Jahre in der Fernsehentwicklung tätig, davon 30 Jahre in leitender Position. Von 1977 bis Anfang der 80er war er als Teamleiter Vorentwicklung und Digitale Signalverarbeitung auch mit der Entwicklung mikroprozessorgesteuerter Videospiele betraut. Als Gruppenleiter war er für das erste Grundig 100 Hertz-TV-Gerät verantwortlich. Von 2001 bis 2008 leitete er die Fernsehentwicklung der Grundig AG und in der Nachfolge der Grundig Intermedia AG. Heute arbeitet er als Berater für Einzelne, Gruppen und Organisationen in technischen, wirtschaftlichen und sozialen Handlungsfeldern. http://www.m2counselling.de
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Rundfunk & Museum 97 – September 2019