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nach Absolvierung der sechsjährigen Elementarschulpflicht besucht werden konnte und 1822 in eine höhere Bürgerschule umgewandelt wurde, deren Unterricht die Fächer Deutsch, Latein, Französisch, Rechnen, Geometrie, Technologie, Geschichte, Geografie, Naturgeschichte, Naturlehre, Zeichnen und Singen umfasste.52 Mit der Fertigstellung der ersten katholischen Kirche Zu Unserer Lieben Frau im Jahr 1828 entstand in Fürth für sechs- bis unter zwölfjährige Kinder im Elementarbereich auch eine katholische Bekenntnisschule, die aus einem Lehrer bestand, der neben der Lehrtätigkeit auch Organisten- und Mesner-Dienste wahrnehmen musste und alle Kinder in einer einzigen Klasse unterrichtete.53 Die Verknüpfung der katholischen Kirche mit einer katholischen Bekenntnisschule im Elementarbereich war möglich, weil es in Bayern trotz der 1802 eingeführten Unterrichtspflicht mit staatlicher Schulaufsicht eine Reihe kirchlicher Sonderrechte gab. So blieb beispielweise die örtliche Schulaufsicht im Volksschulbereich in Bayern bis zur Revolution von 1918/19 noch überwiegend in der Hand von Ortsgeistlichen. Daneben blieb der konfessionelle Charakter des Unterrichts und der Lehrerausbildung im bayerischen Elementarschulbereich sogar bis zu einer Verfassungsänderung im Jahr 1968 erhalten.54 Im Gegensatz zu der 1802 in Bayern für Kinder vom vollendeten 6. bis zum vollendeten 12. Lebensjahr eingeführten Unterrichtspflicht war die 1803 für Kinder und Jugendliche vom vollendeten zwölften bis zum vollendeten achtzehnten Lebensjahr eingeführte Sonn- und Feiertagsschulpflicht weniger mit räumlichen, sondern vor allem mit Akzeptanzproblemen konfrontiert. Da die Sonntagsschulpflicht neben der religiösen Belehrung auch der Wiederholung und Vertiefung der in der Elementarschule erworbenen Kenntnisse im Lesen, Schreiben und Rechnen dienen sollte, wurde der an Sonnund Feiertagen nachmittags stattfindende Unterricht gemeinhin durch Elementarlehrer in den Elementarschulen erteilt. In Fürth waren dazu 1810 jeweils zwei Sonn- und Feiertagsschulklassen für Jungen und für Mädchen ab dem zwölften Lebensjahr gebildet worden. „Doch dem Magistrat gelang es nicht, die Öffentlichkeit vom Nutzen dieser Einrichtung zu überzeugen. Schüler, Eltern und Lehrherren zeigten kein Verständnis für einen Schulzwang bis zum 18. Lebensjahr.“55 Dabei war das fehlende Verständnis der Schülerinnen und Schüler, der Eltern und Lehrherren für eine Schulpflicht bis zum achtzehnten Lebensjahr nicht zuletzt auf die Umstände der Zeit zurückzuführen, die von den mit den napoleonischen Kriegen verbundenen Teuerungen 52Vgl.: Emil Ammon, 400 Jahre Schule in Fürth, in: Stadt Fürth (Hrsg.), Fürth und seine Schulen. Vom

Schulmeister zum Schulzentrum, Fürth 1974, S.6-29, hier: S.25. 53Vgl.: Ebd., S.15. Siehe zur Errichtung der katholischen Kirche Zu Unserer Lieben Frau und der katho-

lischen Bekenntnisschule im Elementarbereich auch: Barbara Ohm, Fürth, Geschichte der Stadt, Fürth 2007, S.175-179. Die relativ wenigen Katholiken in Fürth (1818 = 314 von 12.755 Einwohner/innen), deren Anzahl aber mit der zunehmenden Einwohnerzahl wuchs, hatten bereits seit längerem eine katholische Kirche gefordert. Zur Unterstützung der Finanzierung hatten die Protestanten bereits 1820 eine Sammlung durchgeführt, die 1.352 Gulden erbrachte. Außerdem hatte die jüdische Gemeinde 300 Gulden für den Unterhalt des katholischen Geistlichen gestiftet und die bayerische Regierung der katholischen Gemeinde ein Grundstück für den Kirchenbau an der Königstraße überlassen. Die ersten Baupläne lagen 1822 vor, der Baubeginn war 1824. Im Jahr 1826 stiftete der evangelische Kaufmann Johann Leonhard Büttner, der in einer Lotterie 130.000 Gulden gewonnen hatte und diesen Gewinn größtenteils für Stiftungen und Spenden verwendete, der katholischen Kirche noch eine der drei Glocken. 54Vgl.: Max Liedtke, 1806 2006. Vom neuen zum modernen Bayern. Schule im Spiegel der Zeit, in: Lehrerinfo. Ein Service des Bayerischen Kultusministeriums für Lehrerinnen und Lehrer, Nr.2/2006, S.5-12, hier: S.6. 55Emil Ammon, 400 Jahre Schule in Fürth, in: Stadt Fürth (Hrsg.), Fürth und seine Schulen. Vom Schulmeister zum Schulzentrum, Fürth 1974, S.6-29, hier: S.25.

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