Seite:Zur Entstehung und Entwicklung der Schulen in Fuerth seit der Erhebung zur Stadt Erster Klasse 1.pdf/23

Version vom 5. Juni 2024, 20:24 Uhr von Red Rooster (Diskussion | Beiträge) (→‎Nicht korrekturgelesen: Die Seite wurde neu angelegt: „Außerdem war in Fürth inzwischen im Bereich der Elementarbildung auch die Aufhebung des Schulgeldes beschlossen worden, die auf einen Antrag des sozialdemokr…“)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Diese Seite wurde noch nicht korrekturgelesen.

Außerdem war in Fürth inzwischen im Bereich der Elementarbildung auch die Aufhebung des Schulgeldes beschlossen worden, die auf einen Antrag des sozialdemokratischen Magistratsrates Gabriel Löwenstein aus dem Jahr 1872 zurückging.88 Der Antrag war zunächst von einer Prüfungskommission eingehend beraten und schließlich mit einer Mehrheit von acht zu sechs Stimmen beschlossen worden, das Schulgeld an Elementarschulen ab 1. April 1873 in widerruflicher Weise aufzuheben.89 Die Einführung der konfessionell übergreifenden Gemeinschaftsschulen in den Jahren 1867 bis 1875 und die Abschaffung des Schulgeldes im Elementarbereich in Fürth fielen in eine Zeit, in der mit der Reichsgründung 1871 in Deutschland die Hochindustrialisierung begonnen und Wilhelm Liebknecht (1826-1900) als einer der Gründer der sozialdemokratischen Bewegung 1872 die Auffassung propagiert hatte, „Wissen ist Macht – Macht ist Wissen“, die vor allem in der Arbeiterbewegung populär wurde.90 Gleichzeitig wurde das in Fürth in den 1860er Jahren zwischen Linksliberalen und Sozialdemokraten entstandene Bündnis - bei dem beide Wert auf Bildung, Qualifizierung, politische Emanzipation und Demokratisierung legten, aber die soziale Emanzipation entweder als gleichrangig ansahen (Sozialdemokraten) oder durch Bildung, Qualifizierung und Wahlrecht als weitgehend abgedeckt betrachteten (Linksliberale) - zu einem Charakteristikum der Fürther Kommunalpolitik, das bei allen Gemeindewahlen bis 1904 fortbestand und sich zum Beispiel Ende des 19. Jahrhunderts auch für die Abschaffung der Gebühren zur Erlangung des Bürger- und Wahlrechts einsetzte.91 Hatte

88Gabriel Löwenstein (1825-1911) wurde in Fürth geboren, erlernte das Weberhandwerk und war als

selbstständiger Bortenmacher tätig. 1863 wurde er Mitglied des von Linksliberalen in Fürth gegründeten Arbeiterbildungsvereins und gründete mit ihnen 1865 auch den demokratischen Volksverein. Nach dem Austritt einer Gruppe von Handwerksgesellen aus dem linksliberalen Arbeiterbildungs- und dem Volksverein gründete Löwenstein in Fürth 1868 den Arbeiterverein Zukunft, der sich mit anderen Arbeitervereinen aus ganz Deutschland auf dem fünften Vereinstag in Nürnberg den Statuten der 1865 in London gegründeten Internationalen Arbeiterassoziation anschloss. Im Jahr 1869 gründeten diese Arbeitervereine dann in Eisennach die Sozialdemokratische Arbeiterpartei, wobei August Bebel (18401913) zum ersten und Gabriel Löwenstein zum zweiten Vorsitzenden gewählt wurden. In Fürth kam Gabriel Löwenstein 1869 durch eine gemeinsame Wahlliste des von ihm 1868 gegründeten Bürgerbundes und der linksliberalen Volkspartei in das Gemeindekollegium. Durch eine erneute gemeinsame Wahlliste von Bürgerbund und linksliberaler Volkspartei bei der Gemeindewahl 1872 wurde er anschließend sogar in den Stadtmagistrat gewählt. Gleichzeitig konnte der Arbeiterverein Zukunft erst nach Aufhebung des nach dem Vereinsgesetz bestehenden Kontakt- und Zusammenschlussverbots mit anderen Vereinen 1872 offiziell als Sozialdemokratischer Arbeiterverein angemeldet werden. Vgl.: Walter Fischer, Die Fürther Arbeiterbewegung von ihren Anfängen bis 1870, Dissertation Universität Erlangen-Nürnberg 1965. S.135-137. Die gemeinsame Wahlliste aus Bürgerbund und linksliberaler Volkspartei hatte 1869 auch die Einführung von Gemeinschaftsschulen im Elementarbereich unterstützt und im Vorfeld der Volksabstimmung für eine Zustimmung geworben. Vgl. ebd., S.178. 89Vgl.: Emil Ammon, 400 Jahre Schule in Fürth, in: Stadt Fürth (Hrsg.), Fürth und seine Schulen. Vom Schulmeister zum Schulzentrum, Fürth 1974, S.6-29, hier: S.17. Die Aufhebung des Schulgeldes galt allerdings nur für ortansässige Kinder und nicht für Kinder aus anderen Gemeinden, die in Fürth eine Elementarschule besuchten. 90Vgl. dazu den Artikel Wissen ist Macht, in: www.wikipedia.de, hier: Ausdruck vom 14.11.2017. 91Vgl.: Oliver Bender, Die Entwicklung der fränkischen Industriestadt Fürth im 19. Jahrhundert (18001914). Aufbau und Interpretation eines geographischen Informationssystems am Beispiel der Hausgrundstücke, Dissertation Universität Bamberg 1999, S.91: „In München waren nur etwa 4-5% der Bevölkerung Inhaber des großen Bürgerrechts (…). Allein das sozialdemokratisch-linksliberal regierte Fürth sowie Schwabach verzichteten seit Ende des 19. Jhs. beim Erwerb des Bürgerrechts auf die Einnahme von Gebühren (…). Demzufolge waren 1906 in Fürth 15 % der Einwohnerschaft ‚Bürger‘.“ Ergänzend anzumerken ist, dass das Bürger- und damit Wahlrecht damals nur von Männern ab dem

23