Als Folge des mit der Hochindustrialisierung verbundenen Bevölkerungszuwachses wurde das 1868/1869 errichtete dritte Elementarschulgebäude Hirschenstraße/Mathildenstraße 1878 um einen Ostflügel in der Ottostraße erweitert.95 Außerdem war vor der Erweiterung des dritten Elementarschulgebäudes Hirschenstraße/Mathildenstraße um einen Ostflügel in der Ottostraße die königliche Gewerbe- und Handelsschule Ecke Blumenstraße/damalige Julienstraße (ab 1982 Hallemannstraße) 1873 in königliche Gewerbeschule mit Handelsabteilung und 1877 in königliche Realschule umbenannt worden. Als Realschule verfügte sie jetzt nicht mehr über eine dreijährige Schuldauer, die an eine sechs- bzw. seit 1838 siebenjährige Elementarschuldauer anschloss, sondern über eine sechsjährige Schuldauer nach dreijährigem Elementarschulbesuch.96 Durch die Umwandlung der seit 1822 und 1833 als Ergänzungsschulen an eine abgeschlossene Elementarbildung anknüpfenden höheren Bürger- und Gewerbeschulen in Realschulen wurde in Bayern parallel zur Umbenennung der Polytechnischen Zentralschule in München in eine Technische Hochschule 1877 ein neuer Schultyp geschaffen,97 mit dem ähnlich wie schon 1874 bei den humanistischen Gymnasien die Elementarschuldauer zu Gunsten der höheren Bildung verkürzt wurde. Anders als die humanistischen Gymnasien, die seit 1874 eine Schuldauer von neun statt zuvor acht Jahren hatten,98 verfügten Realschulen allerdings nur über eine Schuldauer von sechs Jahren und verblieben damit jenseits der Elementar- sowie der allgemeinen und beruflichen Fortbildungsschulen auf einem mittleren Bildungsniveau. Mit dem Realschulabschluss („Einjährigen-Berechtigung“) erhielten die Absolventen zugleich die Möglichkeit, die Militärdienstzeit von drei Jahren auf ein Jahr zu verkürzen.99
engste mit der wirtschaftlichen Entwicklung zusammen… Fortbildungsschulen sollten nicht die Meisterlehre ersetzen, sondern ergänzen… Ihre Aufgabe war die Ausbildung von Lehrlingen und Gesellen, die keine Gewerbeschule besuchten.“ Der Unterricht in den allgemeinen Fortbildungsklassen bestand aus Religionslehre, Deutsche Sprache (Stilübungen, Geschäftsaufsatz), Rechnen und Zeichnen. Daneben bestand der Unterricht in den Fachklassen der beruflichen Fortbildungsschule aus Zeichnen in seinen verschiedenen Zweigen, Bossieren (Werksteine bearbeiten) und Modellieren (Ton, Gips, Wachs), Arithmetik mit ihren Anwendungen auf das gewerbliche Geschäftsleben, Geometrie, Naturlehre, Chemie, Gewerbematerialkunde, gewerbliche Buchführung, praktische Übungen für einzelne Gewerbe. 95Vgl. Emil Ammon, 400 Jahre Schule in Fürth, in: Stadt Fürth (Hrsg.), Fürth und seine Schulen. Vom Schulmeister zum Schulzentrum, Fürth 1974, S.6-29, hier: S.22. 96Vgl.; Ebd., S.22. 97Vgl.: Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 2, Geschichte der Schule in Bayern von 1800 bis 1918, Heilbrunn 1993, S.642: „Die Polytechnische Schule München wurde 1870 erwartungsgemäß in Polytechnische Hochschule und schließlich 1877 in Technische Hochschule umbenannt…. Dies hatte Auswirkungen auf die Industrieschule. Eine erste Reform ersetzte die dreijährigen Gewerbeschulen durch sechsjährige Realschulen …“ 98Nach der von den Kultusministern der Länder 1874 vereinbarten reichseinheitlichen Regelung der Voraussetzungen für ein Studium entfielen von der nun neunjährigen Schulbesuchsdauer fünf Jahre auf den Besuch einer Lateinschule und vier Jahre auf den Besuch eines humanistischen Gymnasiums als Oberstufe der Lateinschulen mit Unterricht in Altgriechisch, die entweder durch den fünfjährigen Besuch einer isolierten Lateinschule und den anschließenden vierjährigen Besuch eines humanistischen Gymnasiums oder durch den neunjährigen Besuch eines humanistischen Gymnasiums als Vollanstalt zurückgelegt werden konnten. Vgl.: Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch zur Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 2: Geschichte der Schule in Bayern von 1800 bis 1918, Heilbrunn 1993, S.425. 99Vgl. zum „Einjährigen“ den Artikel Einjährige Freiwillige, in: www.wikipedia.de. hier: Ausdruck vom 11.09.2017. Die Möglichkeit zum Dienst als Freiwilliger, der sich selbst einkleiden und verpflegen musste, wurde erstmals auf Vorschlag von General Gerhard von Scharnhorst im Februar 1813 bei
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