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Da die Räume in dem 1864 bezogenen dreigeschossigen, repräsentativen Schulgebäude Ecke Blumenstraße/damalige Julienstraße (heute Hallemannstraße) aufgrund des mit der Ausdehnung der Schuldauer von drei auf sechs Jahre verbundenen Anstiegs der Schülerzahl von 200 auf 400 Personen nicht mehr ausreichten und Fürth aufgrund des Reichsgerichtsverfassungsgesetzes von 1877 ein Amtsgericht bekam, das verwaltungsorganisatorisch aus dem bisher getrennten Stadt- und Landgericht bestand, wurde die königliche Realschule 1879 in das 1868/1869 errichtete dritte Elementarschulgebäude Hirschenstraße/Mathildenstraße verlegt und ihr repräsentatives Schulgebäude Ecke Blumenstraße/damalige Julienstraße (ab 1982 Hallemannstraße) dem neuen Amtsgericht überlassen.100 Danach erhielt die 1862 in einem Gebäude Ecke Blumenstraße/Theaterstraße eingerichtete Israelitische Bürgerschule, für die 1868 auf dem Grundstück Blumenstraße 31 ein eigenes Schulgebäude errichtet worden war, 1883/1884 im Hof ein weiteres Gebäude für eine Elementarschule, so dass die Israelitische Bürgerschule fortan aus einer drei Jahre dauernden Elementarschule und einer sechs Jahre dauernden Realschule bestand, deren Absolventen mit Realschulabschluss („Einjährigen-Berechtigung“) ebenfalls über die Möglichkeit verfügten, die Militärdienstzeit von drei Jahren auf ein Jahr zu verkürzen.101 Nur zu einer kurzen Episode wurde in Fürth der 1874 unternommene Versuch, durch eine Taubstummenklasse behinderte Kinder entgegen der sich seit Einführung der Unterrichtspflicht im Jahr 1802 in Bayern herausgebildeten Entwicklung an einer regulären Elementarschule zu unterrichten.102 In der örtlichen Taubstummenklasse wurden der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht im Königreich Preußen eingeführt. Diese preußische Regelung wurde 1868 auch in Österreich-Ungarn und in Bayern sowie ab 1878 im gesamten Deutschen Reich übernommen. Unabdingbare Voraussetzung war, dass der Anwärter die mittlere Reife („Einjährigen-Berechtigung“) entweder an einem Gymnasium oder an einer Realschule erworben hatte. Zudem konnte eine entsprechende Prüfung auch vor einer militärischen Kommission abgelegt werden. Während ihres Militärdienstes mussten Einjährige-Freiwillige in Friedenszeiten Ausrüstung und Verpflegung selbst bestreiten. Falls ihnen dazu die finanziellen Mittel fehlten, durften Einjährige-Freiwillige ausnahmsweise auch auf Staatskosten verpflegt und bekleidet werden („Königsfreiwillige“). Einjährige-Freiwillige, die nach Ableistung der Grundausbildung von einem halben Jahr das Avancement zum Reserveoffizier wünschten, wurden im zweiten Halbjahr einer Spezialausbildung unterzogen und konnten nach Beendigung des Einjährigen-Dienstes durch Teilnahme an zwei oder drei mehrwöchigen Reserveübungen zum Leutnant bzw. nach weiteren drei bis vier Reserveübungen zum Oberleutnant der Reserve befördert werden. 100Vgl.: Emil Ammon, 400 Jahre Schule in Fürth, in: Stadt Fürth (Hrsg.), Fürth und seine Schulen. Vom Schulmeister zum Schulzentrum, Fürth 1974, S.6-29, hier: S.22. Siehe zu einer ausführlicheren Darstellung auch: Hermann Ott, Vom Altstadthaus zum Repräsentationsbau in der Kaiserstraße. Die wechselnden Domizile des Hardenberg-Gymnasiums, in: Fürther Heimatblätter. Nr.4/1983, S.113129,, S.120-122. Die Räume und der Hof des dritten Elementarschulgebäudes Hirschenstraße/Mathildenstraße mussten anschließend bis 1883 allerdings erst an die baulichen Anforderungen einer Realschule (kleinere Klassenräume, Fachräume und Lagerräume für Sammlungen) angepasst werden. Die Unterbringung des neuen Amtsgerichts im repräsentativen Schulgebäude Blumenstraße 22 hing auch damit zusammen, dass sich auf dem Grundstück des Königreichs Bayern an der Hallstraße, auf dem zwischen 1898 und 1900 schließlich ein großes Gebäude für ein Amtsgericht errichtet wurde, seit 1809 das Gebäude der Königlich Bayerischen Generaldirektion der Zölle und ab 1860 des Königlich Bayerischen Hauptzollamtes befand. Siehe dazu den Artikel Amtsgericht, in: www.fuerthwiki.de, hier: Ausdruck vom 07.12.2018. 101Vgl.: Barbara Ohm, Geschichte der Juden in Fürth, Fürth 2014, S.173f. 102Vgl. dazu: Max Liedtke, 1806-2006. Vom neuen zum modernen Bayern. Schule im Spiegel der Zeit, in: Lehrerinfo. Ein Service des Bayerischen Kultusministeriums für Lehrerinnen und Lehrer,

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