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ausgebrochen,151 mit dem militärische und kriegswirtschaftliche Erfordernisse in den Vordergrund rückten und sich die Lebensverhältnisse der Menschen gewaltig veränderten.152 Vor dem Hintergrund von Pressemeldungen über eine drohende Kriegsgefahr hatte der Magistrat in der Stadt Fürth schon am 30. Juli 1914 beschlossen, zum Kauf von Nahrungsmitteln einen Kredit über 300.000 Mark aufzunehmen, von dem sogleich 100.000 Mark für Mehl, Hülsenfrüchte, Reis, Kartoffeln, Konserven, Teigwaren und Fleisch ausgegeben wurden. Die Vorräte wurden im Rathauskeller und in Kühlräumen gelagert und der Zwangsbewirtschaftung durch kommunale Lebensmittelkarten unterworfen.153 Während sich bei Kriegsausbruch am 1. August 1914 ähnlich wie im gesamten Reich auch in Fürth viele junge Männer, vor allem aus bürgerlichen Schichten, freiwillig zum Kriegsdienst meldeten, wandte sich der seit Januar 1914 amtierende Bürgermeister Dr. Wild (1875-1950), der 1917 vom bayerischen König den Titel Oberbürgermeister erhielt,154 sogleich mit einem Spendenaufruf zu Gunsten der Ehefrauen und Kinder der in den Krieg ziehenden Soldaten an die Bevölkerung.155 Die städtischen Lebensmittelkäufe und der Spendenaufruf dienten vor allem der kommunalen Kriegswohlfahrtspflege und Familienunterstützung, da aufgrund der geringen Besoldung der Soldaten mit einem massiven Armutsproblem zu rechnen war.156 Von den Auswirkungen des Krieges war auch der Schul- und Bildungsbetrieb betroffen, da in Fürth Ende August 1914 die ersten Züge mit insgesamt 700 Verwundeten ankamen und ein Schulgebäude, die in den Schulsport einbezogene Turnhalle des TV Fürth 1860 in der Turnstraße sowie das 1906 für den Volksbildungsverein errichtete Berolzheimerianum zu Heimatlazaretten umgewandelt wurden. Gleichzeitig waren damals in Fürth bei 68.000 Einwohner/innen schon 250 Gefallene zu beklagen, während es im gesamten Krieg 1870/71 bei 24.000 Einwohner/innen nur 14 Gefallene aus Fürth gegeben hatte.157 Außerdem mussten an der höheren Mädchenschule mit Handels-

151Vgl. zum Kriegsausbruch und seiner Vorgeschichte: Christopher Clark, Die Schlafwandler. Wie Eu-

ropa in den Ersten Weltkrieg zog. Aus dem Englischen von Norbert Juraschitz, München 2013 sowie Fritz Fischer, Griff nach der Weltmacht. Die Kriegszielpolitik des kaiserlichen Deutschland 1914/1918, Düsseldorf 1961; Fritz Fischer, Krieg der Illusionen. Die deutsche Politik von 1911 bis 1914, Düsseldorf 1969, Taschenbuchausgabe 1987; Fritz Fischer, Juli 1914. Wir sind nicht hineingeschlittert. Das Staatsgeheimnis um die Riezler-Tagebücher. Eine Streitschrift, Reinbek bei Hamburg 1983. 152Vgl. zu den militärischen und kriegswirtschaftlichen Erfordernissen sowie zum Kriegsverlauf: Gerhard Hirschfeld, Gerd Krumeich, Deutschland im Ersten Weltkrieg, Frankfurt/Main 2013; Herfried Münkler, Der Große Krieg. Die Welt 1914 bis 1918, Berlin 2013, 4. Aufl. 2014. 153Vgl.: Barbara Ohm, Fürth. Geschichte der Stadt, Fürth 2007, S.275. 154Vgl.: Ebd., S.273. 155Vgl.: Ebd., S.274. 156Vgl.: Christoph Sachße, Florian Tennstedt, Geschichte der Armenfürsorge in Deutschland, Band 2: Fürsorge und Wohlfahrtspflege 1871 bis 1929, Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz 1988, S.49-51: Da der Sold bei Kriegsausbruch in der Regel nur 53 Pfennige am Tag betrug, waren die Familienangehörigen, sofern sie nicht über eigene oder andere Einkommen (Löhne, Einnahmen durch Mieten, Zinsen oder die Weiterführung selbstständiger Tätigkeiten) verfügten, nach dem Gesetz betreffend die Unterstützung von Familien in den Dienst eingetretener Mannschaften aus dem Jahr 1888 in der Fassung vom 4. August 1914 auf Leistungen der vom Reich finanzierten und von den Kommunen zu bewilligenden und auszuzahlenden Kriegsfürsorge angewiesen. Anspruchsberechtigt waren Ehefrauen und eheliche Kinder unter 15 Jahren, wobei die monatliche Leistung bei Ehefrauen im Sommer 9 Mark und im Winter 12 Mark und für Kinder unter 15 Jahren generell 6 Mark betrug. Die durch freiwillige Aufwendungen der Gemeinden finanzierte Kriegswohlfahrtspflege umfasste hingegen finanzielle Zuschüsse zur Familienunterstützung, Naturalabgaben von Nahrungsmitteln, Kleidung und Schuhen, Volksküchen und Rehabilitationsmaßnahmen für Kriegsbeschädigte, wobei die Leistungen allerdings nur Bedürftigen im Sinne der Regelungen der Kriegsfürsorge zustanden. 157Vgl.: Emil Ammon, Fürth, Düsseldorf 1984, S.67.

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