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Neben der im Kriegsverlauf weiter steigenden Anzahl von Gefallenen und Verwundeten, einem mit den Materialschlachten erheblich zunehmenden Bedarf an Waffen und Munition, der damit verbundenen Mobilisierung zusätzlicher Arbeitskräfte sowie den vor allem in der Kriegsindustrie nicht gerade einfachen Arbeitsbedingungen (12-Stunden-Schichten sowie Aufhebung der Arbeitszeitbegrenzungen und des Nachtarbeitsverbots für Frauen und Jugendliche seit Kriegsbeginn) war die Zeit des Ersten Weltkrieges auch von einer zunehmenden Teuerung und Verschlechterung der Ernährungssituation geprägt. Trotz Höchstpreisfestsetzungen, die ab November 1914 erstmals für Kartoffeln und Brotgetreide erfolgten und danach auf andere Bereiche ausgedehnt wurden, stiegen die Lebenshaltungskosten von 1914 bis 1918 um 210 %.164 Mit der reichsweiten Einführung von Brotkarten begann im März 1915 auch in Fürth die Lebensmittelrationierung.165 Im Jahr 1916 wurde die Rationierung reichsweit durch die Einführung von Bezugsscheinen für Fette, Butter, Zucker, Fleisch, Kaffee, Tee, Kakao, Bekleidung und Schuhe auf alle wichtigen Güter des täglichen Bedarfs erweitert. Gleichwohl konnte damit nicht verhindert werden, dass im „Steckrübenwinter“ 1916/1917 eine gewaltige Ernährungskrise ausbrach.166 Ab 1917 erfolgten dann weitere Herabsetzungen der Lebensmittelrationen, so dass ein Fürther bei Kriegsende pro Woche nur noch 1.750 g Brot, 150 g Mehl, 3.500 g Kartoffeln, 125 g Zucker, 62,5 g Fett, 1 Ei, 100 g Käse, 200 g Fleisch, 200 g Marmelade und ¼ Liter Milch bekam und kleine Kinder entweder ½ oder ¾ Liter Milch erhielten.167 Infolge der Mangelernährung starben in Deutschland von 1914 bis 1918 insgesamt 800.000 Menschen.168 Die hohen Kriegsverluste, militärische Niederlagen und die desolate Ernährungslage führten schließlich in Russland und Deutschland zu Revolutionen und in ÖsterreichUngarn zu einem Auseinanderfallen der Habsburger Monarchie in selbstständige Staaten mit eigenen Parlamenten. Der Revolutionsprozess begann 1917 in Russland mit der Februarrevolution, als in St. Petersburg am 8. März (gregorianischer Kalender) zahlreiche in der Kriegsindustrie beschäftigte Frauen mit ihren Kindern für Brot und Frieden demonstrierten, der Zar abdankte und die seit 1905 bestehende Duma eine bürgerliche Regierung wählte. Außerdem bildeten sich Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte, die nach der von der Führung der Mehrheit der sozialistischen Partei Russlands (Bolschewiki) und den Parolen „Land und Frieden“ sowie „Alle Macht den Sowjets“ seit April 1917 mit logistischer und finanzieller Unterstützung der deutschen Obersten Heeresleitung vorbereiteten Oktoberrevolution am 7. November 1917 (gregorianischer Kalender) die Macht übernahmen.169 Im März 1918 kam es zwar in Brest-

164Vgl. zum Anstieg der Lebenshaltungskosten: Christoph Sachße, Florian Tennstedt, Geschichte der

Armenfürsorge in Deutschland, Band 2: Fürsorge und Wohlfahrtspflege 1871 bis 1929, Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz 1988, S.47. 165Vgl.: Barbara Ohm, Fürth. Geschichte der Stadt, Fürth 2007, S.275: 166Vgl. dazu den Artikel Steckrübenwinter, in: www.wikipedia.de. 167Vgl.: Barbara Ohm, Fürth. Geschichte der Stadt, Fürth 2007, S.275. 168Vgl. den Artikel Steckrübenwinter, in: www.wikipedia.de. 169Vgl.: Herfried Münkler, Der Große Krieg. Die Welt 1914 bis 1918, Berlin 2013, 4. Aufl. 2014, S.558561. So waren Lenin und ein Teil der anderen Mitglieder der Führung der Mehrheit der sozialistischen Partei Russlands (Bolschewiki) von der deutschen Oberen Heeresleitung im Rahmen einer Politik der „revolutionären Infektion“ im April 1917 in einem verschlossenen Zug quer durch Deutschland vom Schweizer Exil nach Russland transportiert worden. Außerdem erhielten sie von der deutschen Oberste Heeresleitung zum Drucken von Flugblättern und Plakaten oder zur Organisation anderer politischer Aktivitäten bis zum Friedensvertrag von Brest-Litowsk finanzielle Zuwendungen.

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