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eine zusammenfassende Darstellung ihrer Ziele und Aufgaben einzureichen.544 Mit ihrer Aufforderung stießen sie in Bayern nun auf den neuen Kultusminister Alois Hundhammer (1900-1974, CSU), da die CSU bei der zusammen mit der Volksabstimmung über die Verfassung am 1. Dezember 1946 stattgefundenen Landtagswahl erneut die absolute Mehrheit der Stimmen (CSU 52,3 %, SPD 28,6 %, WAV 7,4 %, KPD 6,1 % und FDP 5,7 %) erzielt und trotz der absoluten Mehrheit wegen interner Meinungsverschiedenheiten über die Person des Ministerpräsidenten eine Koalition mit der SPD und der WAV gebildet hatte, die nicht den CSU-Parteivorsitzenden Josef Müller (18981979), sondern Hans Ehard (1887-1980, CSU) zum Ministerpräsidenten wählte.545 Am 31. März 1947 legte Kultusminister Hundhammer der Militärregierung einen Erziehungsplan auf weite Sicht vor, in dem das in der Verfassung geforderte Primat der christlichen Erziehung zum Bildungsziel aller Schulen erklärt, am gegliederten Schulsystem festgehalten, die von den Amerikanern gewünschte Erweiterung der Schulpflicht nach oben (bis zum 18. Lebensjahr) und nach unten (vorschulische Pflichtkindergärten) abgelehnt sowie für die Lehrerausbildung ein auf der 7. Klasse der Volksschule aufbauender und die Hochschulreife vermittelnder siebenjähriger Lehrgang an besonderen Bildungsanstalten vorgeschlagen wurde.546 Der Erziehungsplan von Kultusminister Hundhammer führte zu einer bildungspolitischen Auseinandersetzung mit der amerikanischen Militärregierung, in die auch Eltern mit zahlreichen Bittschriften eingriffen, die bestehenden Gymnasien und Oberrealschulen nicht abzuschaffen.547

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Liedtke (Hrsg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 3: Geschichte der Schulen in Bayern. Von 1918 bis 1990, Bad Heilbrunn/Oberbayern 1997, S.528. 545Vgl.: Ebd., S.567. Siehe auch die Artikel Alois Hundhammer und Hans Ehard, in: www.wikipedia.de, hier: Ausdrucke vom 28.05.2020: Alois Hundhammer (1900-1974) hatte nach dem Besuch des humanistischen Dom-Gymnasiums in Freising an der Ludwig-Maximilian-Universität München und der Universität Budapest studiert und war 1923 mit einer Dissertation über die Geschichte des Bayerischen Bauernbundes zum Dr. phil. und 1925 mit einer Dissertation über die landwirtschaftliche Berufsvertretung in Bayern zum Dr. oec. publ. promoviert worden. Außerdem war Hundhammer von 1923 bis 1927 Referent bei der Kreisbauernkammer Oberbayern und von 1927 bis 1933 stellvertretender Generalsekretär des Bayerischen Christlichen Bauernvereins und wurde 1932 für die BVP in den Landtag gewählt. Wegen seiner Reden und Veröffentlichungen gegen die „braune Gefahr“ wurde er am 21. Juni 1933 verhaftet und acht Tage später bis 22. Juli 1933 in das KZ Dachau überstellt. Danach erhielt er Berufs- und Redeverbot. Zur Bestreitung des Lebensunterhalts eröffnete er nach einer Fachkundeprüfung in München 1934 ein Schuhgeschäft, dem 1938 ein zweites Geschäft folgte. Nach Einberufung zum Verwaltungsdienst in der Wehrnacht und amerikanischer Kriegsgefangenschaft in Marseille war er Ende 1945 Mitbegründer der CSU, 1946 Mitglied der verfassungsgebenden Landesversammlung, von 1946 bis 1970 Landtagsabgeordneter, von 1946 bis 1950 bayerischer Kultusminister und von 1957 bis 1969 bayerischer Landwirtschaftsminister. Hans Ehard (1887-1980) hatte nach dem Abitur ab 1907 Rechtswissenschaften in München studiert, war 1912 zum Dr. jur. promoviert worden und während des Ersten Weltkrieges bei der bayerischen Militärjustiz gewesen. 1919 schloss er sich der BVP an und trat in das bayerische Justizministerium ein. Ab 1923 arbeite er als Staatsanwalt beim Landgericht München, ab 1926 als Landgerichtsrat, ab 1928 als Oberregierungsrat und ab 1931 als Ministerialrat im bayerischen Justizministerium. 1933 wurde er Präsident des Zivilsenats beim Oberlandesgericht München, 1937 zusätzlich Vorsitzender des Erbgerichtshofs München sowie ab 1941 Vorsitzender des Deutschen Ärztegerichtshofs München, der auf persönlichen Wunsch Hitlers als Revisionsinstanz gegen Urteile der ärztlichen Berufsgerichte bei Verstößen gegen die Meldepflicht von Erbkrankheiten geschaffen worden war. 1945 wurde Ehard Justizminister im Kabinett des von den Amerikanern eingesetzten bayerischen Ministerpräsidenten Fritz Schäffer und Mitglied der CSU. 546Vgl. Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 3: Geschichte der Schulen in Bayern. Von 1918 bis 1990, Bad Heilbrunn/Oberbayern 1997, S.570. 547Vgl.: Ebd., S.531.

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