Schuljahresbeginn 1947/48 erstmals wieder zwei Klassensprecher je Klasse und zwei Schülersprecher, die die Interessen der Schüler gegenüber der Schulleitung vertreten sollten, sowie am 27. November 1947 ein Elternbeirat gewählt worden.556 Auf übergeordneter Ebene hatten Amerikaner und Briten schon Ende 1946 die unterschiedliche Wirtschaftsstruktur ihrer Besatzungszonen zum Anlass genommen, zur Verbesserung der Versorgungslage ab Januar 1947 ein Vereinigtes Wirtschaftsgebiet (Bizone) zu bilden.557 Der überaus harte Winter 1946/47 und die damit verbundene Nahrungsmittelknappheit in Europa veranlassten den amerikanischen Präsidenten Harry S. Truman (1884-1972) und seine Regierung außerdem, sich Gedanken über eine Stabilisierung und Erholung der durch die Kriegseinwirkungen und die nationalsozialistische Besatzungspolitik ruinierten europäischen Wirtschaft zu machen. die der amerikanische Außenminister Goerge C. Marshall (1880-1959) am 5. Juni 1947 in einer Rede vor Studenten an der Harvard-Universität erstmals öffentlich andeutete, als er etwas sybillinisch davon sprach, dass die Initiative für ein Programm zur wirtschaftlichen Wiederaufrichtung Europas von den Europäern ausgehen müsse, die USA die gemeinsame Programmentwicklung freundschaftlich fördern und das Programm später unterstützen könnten. Das Programm wurde aber bereits seit Mai 1947 im amerikanischen Außenministerium entwickelt und nach einer Reihe inneramerikanischer Diskussionen im April 1948 vom Kongress als „Marshallplan-Gesetz“ verabschiedet. Danach luden die USA alle europäischen Staaten zu einer Konferenz ein, um ihnen die Konditionen zu erläutern, bei der sich am 16. April 1948 sechszehn europäische Staaten in der Organisation für europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit (OEEC, ab 1961 OECD) zusammenschlossen und von den USA bis 1952 finanzielle Unterstützung in Höhe von 13,12 Mrd. US-Dollar (bei einem damaligen Wechselkurs von 4,20 DM/$) garantiert bekamen, während die Sowjetunion und die unter ihrem Einfluss stehenden mittel- und osteuropäischen Staaten auf eine Teilnahme verzichteten.558 Parallel zur Verabschiedung und Umsetzung des Marshallplanes hatten sich die Außenminister der USA, Großbritanniens, Frankreichs, Luxemburgs, Belgiens und der Niederlande im Februar 1948 zu einer Sechsmächte-Konferenz in London getroffen, 556Vgl.: Heinrich-Schliemann-Gymnasium (Hrsg.), 100 Jahre Heinrich-Schliemann-Gymnasium. Fest-
jahresbericht, Fürth 1996, S.38. 557Vgl. dazu den Artikel Bizone, in: www.wikipedia.de, hier: Ausdruck vom 04.06.2020. Während in der
britischen Zone die großen Grundstoff- und Industriegebiete des Rheinlandes, des Ruhrgebietes und Westfallens lagen, gab es in der amerikanischen Zone große landwirtschaftliche Gebiete und einen beträchtlichen Teil der verarbeitenden Industrie. Trotz des Angebotes der USA, sich an einer wirtschaftlichen Vereinigung zu beteiligen, hatten die Sowjetunion und Frankreich 1946 auf eine Beteiligung verzichtet und auf die bei der Potsdamer Konferenz 1945 vereinbarte komplette Eigenverwaltung der jeweiligen Zone durch die zuständige Besatzungsmacht bestanden. 558Vgl. dazu den Artikel Marschallplan, in: www.wikipedia.de, hier: Ausdruck vom 03.06.2020. Die von den Amerikanern bis 1952 garantierten Finanzhilfen waren zu zwei Dritteln Subventionen und zu einem Drittel Darlehen und bedingte Hilfen. Für die in Dollar geleisteten Subventionen konnten Waren und Investitionsgüter importiert werden. Zudem musste der Gegenwert der Dollarsubventionen von den Empfängerstaaten in Landeswährung in einen Gegenwertfonds eingezahlt werden. Die Gegenwertfonds sollten zu 95 Prozent der Förderung des nationalen Wiederaufbaus der Wirtschaft dienen. In Westdeutschland, das die Subventionen überwiegend in Form von Nahrungsmitteln, Treibstoffen und Medikamenten erhielt, entstand zur Kreditvergabe für die Förderung des wirtschaftlichen Wiederaufbaus aus dem nationalen Gegenwertfonds die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in Frankfurt/Main, die am 16. Dezember 1948 den Betrieb aufnahm und bis in die Gegenwart immer wieder Kredite aus den zwischen 1948 und 1952 durch die Marshallplan-Subventionen gebildeten Gegenwertfonds vergab und vergibt. Insofern war der Marshallplan nicht nur eine kurzfristige Nothilfe, sondern zugleich ein langfristig angelegtes Programm zur Förderung und Modernisierung der Wirtschaft durch die Schaffung von Kreditfonds in den Empfängerstaaten.
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