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In der Stadt Fürth, wo bereits im Zuge des Wirtschaftsaufschwungs bis Mitte der 1960er Jahre eine gewerbliche und eine kaufmännische Berufsaufbauschule eingerichtet und das Berufsschulwesen durch zwei Neubauten auf den modernsten Stand gebracht worden war, bildeten eine Fachoberschule und eine Berufsoberschule schon deshalb wichtige Qualifikationsebenen, weil sich seit 1947/48 mit den Firmen Grundig, Metz, Hertel, GAMA und Neuhierl/CARRERA äußerst innovative sowie verkaufs- und beschäftigungswirksame Zweige der Elektro-, Metall- und Spielwarenindustrie herausgebildet hatten und sich das ebenfalls verkaufs- und beschäftigungswirksame sowie modernste Bestell- und Versandtechniken nutzende Versandhaus Quelle bis 1964 zum größten Versandhaus Europas entwickelt hatte, womit es vor Ort großen Bedarf an qualifizierten und jetzt noch besser zu qualifizierenden Arbeitskräften im gewerblichen und kaufmännischen Sektor gab. Vor dem Hintergrund eines allgemein wachsenden Bildungs- und Qualifikationsinteresses richtete die Volkshochschule 1970 in Räumen des Anwesens Nürnberger Straße 84, das 1882 erbaut und in den 1950er Jahren als Filiale der Stadtsparkasse genutzt worden war, mit finanzieller Förderung des Bundes für die Erwachsenenbildung ein Bildungs- und Informationszentrum (BIZ) ein und gewann dadurch eine zusätzliche Anlaufstelle für Tageskurse und Wochenendseminare.717 Außerdem erfolgte im Volksschulbereich am 19. November 1970 die Einweihung des Erweiterungsbaus der Volksschule an der Soldnerstraße. Einige Tage später zogen dort fünfzehn Klassen vom bisherigen Schulgebäude, das fortan mit der Hauptschule belegt war, in den Erweiterungsbau, der fortan als Grundschule fungierte.718 Auf übergeordneter Ebene beteiligte sich mittlerweile auch der Bund an der von der Ministerpräsidentenkonferenz der Länder im Oktober 1964 mit der Unterzeichnung des Hamburger Abkommens zur Vereinheitlichung des Schulwesens eingeleiteten Bildungsoffensive. Die Große Koalition hatte dazu durch eine Grundgesetzänderung (Finanzreformgesetz vom 12. Mai 1969) den Aus- und Neubau wissenschaftlicher Hochschulen, die Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur sowie die Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes zu Gemeinschaftsaufgaben von Bund und Ländern erklärt und den Ländern eine Kostenübernahme in Höhe der Hälfte der Ausgaben durch den Bund zugesichert.719 Nach der Bundestagswahl am 28. September 1969, bei der CDU und CSU 46,1 %, die SPD 42,7 % und die FDP 5,8 % der gültigen Stimmen erhalten und SPD und FDP eine sozialliberale Koalition gebildet hatten, äußerte Bundeskanzler Willy Brandt in der Regierungserklärung am 28. Oktober 1969,720 dass Bildung und Ausbildung, Wissenschaft und Forschung an der

717Vgl.: Volkshochschule Fürth e.V., 40 Jahre VHS 1946-1986, Fürth 1986, S.12 und S.30. Siehe auch

den Artikel Nürnberger Straße 84, in: www.fürthwiki.de, hier: Ausdruck vom 03.12.2020. 718Vgl.: Winfried Roschmann, Udo Sponsel, Bernd Jesussek, Die Fürther Hardhöhe. Aufmarschfeld,

Hardsiedlung, Industrieflughafen, Trabantenstadt, Fürth 1999, 2. Aufl. 2009, S.137. 719Vgl.: Einundzwanzigstes Gesetz zur Änderung des Grundgesetzes (Finanzreformgesetz) vom 12.

Mai 1969, in: Bundesgesetzblatt 1969, Nr.17, S.359-362, hier: S.359. 720Vgl.: Arnulf Baring, Machtwechsel. Die Ära Brandt-Scheel. In Zusammenarbeit mit Manfred Görtema-

ker, Stuttgart, 4. Auflage 1983, S.165-194. Willy Brandt (1913-1992) war unter seinem Geburtsnamen Herbert Frahm in Lübeck 1930 Mitglied der SPD geworden. Im Herbst 1931 schloss er sich der von sechs SPD-Reichstagsabgeordneten aus Protest gegen die Tolerierung des Präsidialkabinetts Brüning gegründeten Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands an und emigrierte nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler anstelle eines bereits verhafteten prominenten-SAPD-Funktionärs unter dem Decknamen Willy Brandt 1933 über Dänemark nach Norwegen, um von dort aus den antifaschistischen Widerstand der SAPD zu organisieren.

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