Seite:Zur Entstehung und Entwicklung der Schulen in Fuerth seit der Erhebung zur Stadt Erster Klasse 1.pdf/187

Version vom 5. Juni 2024, 20:39 Uhr von Red Rooster (Diskussion | Beiträge) (→‎Nicht korrekturgelesen: Die Seite wurde neu angelegt: „und Bayreuth) sowie an drei Berufsoberschulen (Altötting, Kempten und Regensburg) erprobt.832 Außerdem waren in Bayern aufgrund einer zunehmenden Anzahl hier…“)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Diese Seite wurde noch nicht korrekturgelesen.

und Bayreuth) sowie an drei Berufsoberschulen (Altötting, Kempten und Regensburg) erprobt.832 Außerdem waren in Bayern aufgrund einer zunehmenden Anzahl hier geborener und aufgewachsener Kinder mit ausländischer Staatsangehörigkeit seit 1976 auch Fortschritte bei deren Beschulung gemacht worden. „Wurden anfangs fast 50 % der Ausländerkinder in zweisprachigen Klassen unterrichtet, waren es im Schuljahr 1989/90 nur noch 24 %.“833 In der Stadt Fürth war zu diesem Zeitpunkt mit dem dritten und letzten Bauabschnitt des Schulzentrums am Tannenplatz (Dreifachturnhalle) begonnen worden, wozu der Stadtrat nach Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts im Herbst 1978 am 24. Mai 1982 einen Planungsauftrag beschlossen hatte. Nach der Kommunalwahl am 18. März 1984 war das Projekt dann von Oberbürgermeister Uwe Lichtenberg aufgegriffen und politisch durchgesetzt worden. Die Fertigstellung der Dreifachturnhalle erfolgte im Herbst 1990.834 Parallel zum Baubeginn der Dreifachturnhalle für das Schulzentrum am Tannenplatz zeigten sich in Fürth im Jahr 1988 die ersten Auswirkungen der von Michail Gorbatschow in der Sowjetunion 1986 unter den Stichworten Perestroika (Umgestaltung) und Glasnost (Offenheit) eingeleiteten Veränderungen,835 als die von der Sowjetunion bis dahin immer wieder abgelehnte Ausreise von deutschstämmigen Aussiedler/innen, ihren Ehepartner/innen und minderjährigen Kindern einsetzte,836 die nach der Ankunft in der Bundesrepublik gemäß dem „Königsteiner Schlüssel“ auf die

832Vgl.: Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 3: Ge-

schichte der Schulen in Bayern. Von 1918 bis 1990, Bad Heilbrunn/Oberbayern 1997, S.987f. 833Ebd., S.1049. 834Vgl.:

Helene-Lange-Gymnasium (Hrsg.), 100 Jahre Helene-Lange-Gymnasium Fürth 1907-2007, Festschrift, Fürth 2007, S.44. 835Michail Gorbatschow (geb. 1931) wurde 1985 zum Generalsekretär der KPdSU gewählt. 1986 leitete er einen wirtschaftlichen und politischen Transformationsprozess in der Sowjetunion sowie eine Wiederaufnahme der internationalen Abrüstungsgespräche ein, da die Zuwachsraten des Bruttosozialprodukts und des Volkseinkommens seit 1970 von einem Fünfjahresplan zum nächsten gesunken waren und sich die Sowjetunion durch eine nach dem NATO-Nachrüstungsbeschluss vom Dezember 1979 mit der Entsendung von Soldaten erfolgte militärische Unterstützung der kommunistischen Regierung in Afghanistan gegen aufständische Mudschahidin (Kämpfer), die von den USA mit modernen Waffensystemen beliefert wurden, in eine ähnlich fatale Situation wie die USA in den 1960er Jahren in Vietnam gebracht hatte. Unter Gorbatschow zog die Sowjetunion ihre Truppen von Mitte Mai 1988 bis Mitte Februar 1989 aus Afghanistan ab und verzichtete 1989 auch erstmals auf einen zentralen Fünfjahresplan, da die Wirtschaft eigenständig von den Betrieben und den Regionen gesteuert werden sollte. Danach zerfiel dann ab Sommer 1989 der gesamte Ostblock, da die kommunistischen Parteien in Polen, der Tschechoslowakei, in Ungarn, Bulgarien, Rumänien und der DDR ihre Machtpositionen verloren. Vgl.: Eric Hobsbawm, Das Zeitalter der Extreme. Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts. Übersetzt von Yvonne Badal, München 1995, Kapitel Das Ende des Sozialismus, S.572-617, hier: S.583-614. 836Waren im Gesamtzeitraum von 1951 bis 1987 insgesamt 1,4 Millionen Aussiedler/innen, die meisten davon aus Polen und Rumänien, in die Bundesrepublik gekommen, stieg die Zuwanderung von Aussiedler/innen ab 1988 an und umfasste 1990 fast 400.000 Personen. Zuvor waren es allenfalls in einer Dekade so viele Aussiedler/innen (438.255 Personen von 1951 bis 1959, 221.561 Personen von 1960 bis 1969 und 355.381 Personen von 1970 bis 1979) gewesen wie im Jahr 1990, weshalb nun in der Bundesrepublik ein förmliches Aufnahmeverfahren eingeführt wurde, bei dem die Einreisewilligen bereits im Herkunftsland die Aufnahmekriterien nachweisen mussten, zu denen ab 1995 auch ein Sprachnachweis zählte. Außerdem wurde der Begriff Aussiedler/in ab 1993 durch den Begriff Spätaussiedler/in ersetzt. Insgesamt kamen von 1950 bis 2005 als Aussiedler/innen und Spätaussiedler/innen 2.334.000 Personen aus der Sowjetunion oder den Nachfolgestaaten, 1.445.000 Personen aus Polen, 430.000 Personen aus Rumänien, 105.000 Personen aus der Tschechoslowakei und 90.000 Personen aus Jugoslawien oder den Nachfolgestaaten in die Bundesrepublik. Vgl. den Artikel Aussiedler und Spätaussiedler, in: www.wikipedia.de, hier: Ausdruck vom 21.06.2021.

187