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TV-GESCHICHTE den Farbdifferenzsignale U und V in digitaler paralleler Form zur Verfügung. Im Halbbildspeicher wurde dann das jeweilige eingelesene Kamerahalbbild (50 Hz entsprechend 20msec) mit doppelter Geschwindigkeit ausgelesen, sodass die Dauer halbiert wurde (100 Hz entsprechend 10msec). Diese quasi in der Norm gewandelten digitalen 100 Hz Y, U, V Signale wurden dann im Block D/A Konverter (DAC) in analoge 100 Hz Y, U, V Signale gewandelt. Ein dreipoliger elektronischer Umschalter wählte nun, (in der Prinzipskizze Abb.3 nur einpolig gezeichnet), das für die Sequenz der 100 Hz Wiedergabe erforderliche Halbbild in der Reihenfolge AR AL BR BL aus dem D/A Ausgangssignal Rechts und dem D/A Ausgangssignal Links aus (Abb.4 Zeitdiagramm). Wie aus dem Zeitdiagramm auch zu ersehen ist, konnte das Auslesen des 100 Hz Halbbildes A und B jeweils erst 10msec nach dem Beginn des Einlesens des 50 Hz Halbbildes A und B erfolgen. Dies war prinzipiell bedingt, da andernfalls sich noch Teile des vorhergehenden Halbbildes im Speicher befunden hätten und fälschlicher Weise ausgelesen worden wären. Die Sequenz am Ausgang des Umschalters wurde an den Schaltkreis für die Bildröhrenansteuerung weitergeleitet, der mit seiner Matrix die 100 Hz R, G, B Signale generierte und die RGB-Endstufen ansteuerte, die die Bildröhrenkathoden mit Signal versorgten. Der Block „Vollbilderkennung und Displaysteu-

erung“ konnte in der praktischen Realisierung entfallen, denn die Signale zur Steuerung des Displayumschalters und der Shutterbrille konnten aus vorhandenen Signalen der Feature Box gewonnen werden. Durch die Fortschritte in der Halbleitertechnik konnte auch bei 100 Hz TV-Geräten die digitale Signalverarbeitung erweitert werden, sodass in den 100 Hz Digital Reference Serien (ab 1995) alle störenden, systembedingten Artefakte des 1967 eingeführten PAL-Standards eliminiert werden konnten. Das waren Großflächenflimmern, Zeilenflimmern, Cross Color und Cross Luminanz. Dies kam natürlich auch den 3DTV Entwicklungen zugute. In Abb.5 ist die Zeitschiene der Grundig 3D-TV Entwicklungsarbeiten dargestellt. In der Kurzfassung dieses Essays kann nicht auf alle 3D-TV Entwicklungen eingegangen werden. Bei Interesse haben Sie die Möglichkeit die Langfassung unter der angegebenen Internetadresse nachzulesen. 5. Zusammenfassung und Ausblick Wie wir gesehen haben, hat sich die Grundig Fernsehentwicklung frühzeitig mit der räumlichen Bildwiedergabe beschäftigt. Im zweiten Teil „3D-Bildwiedergabe in der Ära der LCD Flachbildschirme von 2002-2008“ wird das brillenlose 3D-Verfahren für Flachbildschirme beschrieben. Es bleibt zu hoffen, dass die Vorarbeiten sich letzten Endes gelohnt

Unser Autor Konrad L. Maul war 37 Jahre in der Fernsehentwicklung tätig, davon 30 Jahre in leitender Position. Als Gruppenleiter war er für das erste Grundig 100 Hertz-TV-Gerät verantwortlich. Von 2001 bis 2008 leitete er die Fernsehentwicklung der Grundig AG und in der Nachfolge der Grundig Intermedia AG. Damit ist er einer der erfahrensten und profiliertesten TV-Entwickler Deutschlands. Heute arbeitet er als Berater für Einzelne, Gruppen und Organisationen in technischen, wirtschaftlichen und sozialen Handlungsfeldern. www.m2counselling.de

Rundfunk & Museum 91 – August 2016

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