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RFM Vortrag Nipper, ein weißer Terrier-Mischling, ist seit 1899 zum Synonym geworden für das Pla�enlabel „His Masters Voice“. Dass die Verwendung von Tieren in Werbung und Kunst kein Zufall ist – und ob nicht vielleicht alle Kunst vom Tier herkommt – solchen Fragen öffnet sich die Wahl-Nürnbergerin Professor Jessica Ullrich im Rahmen ihrer wissenscha�lichen „Animal Studies“. Am Sonntag (25.2.2018, 14 Uhr) konnte man im Rundfunkmuseum Fürth mehr darüber erfahren. Die Geschichte der Werbeikone Nipper, der bei seinem Herrchen, dem Maler Francis Barraud aufwuchs, verlief, soweit man weiß, ohne Tragik. Andere Kunst mit Hunden thema�siert schärfer unser Verhältnis zum Tier: Der Taiwanese Yun-Fei Tou erlangte als Fotograf Berühmtheit, als er eine eröfSerie von Hundeportraits veröffentlichte, die Straßenhundee kurz eigt. vor ihrer Einschläferung zeigt. chuld Elend und Schmerz, Unschuld hts und Erhabenheit angesichts des Todes sprechen aus seinen Aufnahmen.

tos erscheinen die Hunde … als … Mannequins“, so Jessica Ullrich in ihrem Aufsatz „Jedes Tier ist eine Künstlerin“. Tiere in der Kunst – Kunst von Tieren wird auch innerhalb der „Animal Studies“ thema�siert. Man mag sich fragen: Sind solche „Tierstudien“ etwas Neues, Abgehobenes, das sich etwas übereifrige Tierschützer ausgedacht haben? Doch so einfach darf man es sich nicht machen. Animal Studies sind einerseits ein junges, interdisziplinäres Forschungsfeld. Es geht um die „komplexen und vielfäl�gen Beziehungen zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Tieren“, definiert Wikipedia. Forschung und Lehre stammen aus der Soziologie, der Psychologie, der Geschichtswissenscha�, der Pädagogik, der Philosophie, der

Anthropologie oder der Kulturwissenscha�. Andererseits, so die in Erlangen und Münster lehrende Kunsthistorikerin Jessica Ullrich, hat schon Charles Darwin Entscheidendes vorweggenommen: „Der Vater der Evolu�ons¬theorie bescheinigte im Jahr 1871 auch nicht¬menschlichen Tieren einen Schönheitssinn“, so Ullrich. Auch habe Darwin, mit der Wortwahl von „menschlichen und nichtmenschlichen Tieren“ bereits eine bis heute selbst¬verständlichen Hierarchie zwischen den Spezies herausgenommen.

Die Grundfrage aller Tierschützer, wie es sein kann, dass „man Menschen und Tiere so sehr unterschiedlich behandelt“, steht nicht für alle Wissenscha�ler im Zentrum der Animal Studies. Für die 1969 geborene Jessica Ullrich gehört sie aber ganz wesentlich dazu. „Tiere bes besitzen ein ästhe�sches „Durch Primate Cinema Empfinden. wird en passant das Problem der Das hil� uns

Langeweile bei Zootieren vor Augen geführt. Das gilt mehr noch für Tiere in der Massentierhaltung, die oft nichts Bedeutungsvolles zu tun haben. Dem wird mittlerweile sogar in der Gesetzgebung Rechnung getragen. So müssen Schweine ... Berühmtheit erlangten in der EU Beschäftigungsobjekte angeboten bekommen, auch William Wegmans um ... sie davon abzuhalten, sich gegenseitig vor Frustab 1978 entstandene ration die Schwänze abzubeißen. Dies hat Designer der Polaroids seiner WeiKunsthochschule Utrecht 2011 auf die Idee gebracht, ein maraner Hunde. „In den Computerspiel für Schweine zu konzipieren, das Tiere Fotos lichtet er sorgsam ... zu Akteuren in einem Interspezies-Spiel macht.“ arrangierte, verkleidete Aus Jessica Ullrich: „Animal Agency und Animal Auund in theatralische Bilderdience. Wie man den lebenden Tieren die nde geschichten verwickelte Hunde Bilder erklärt.“ ab. Häufig sind sie als Menschen w. zuoder andere Tiere her- bzw. en Fogerichtet. In diesen populären Rundfunk & Museum 95 – September 2018

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