TV-Geschichte Ein Ar�kel für die Zeitschri� Rundfunk & Museum ist für mich immer eine Herausforderung. Ein paar bunte Bilder von Fernsehgeräten mit etwas Marke�ngsprache würde die technisch interessierten Leser sicherlich en�äuschen. Schreibt man einen in die Tiefe gehenden Fachar�kel, werden manche Leser diesen vielleicht überblä�ern. Deswegen möchte ich versuchen, sowohl für technisch Interessierte als auch für fernsehtechnische Laien die Aspekte einer LCD-TV Geräteentwicklung aufzuzeigen. Heutzutage sind auf der Interna�onalen Funkausstellung in Berlin die großen Hallen der Consumer Electronic Hersteller zur Häl�e mit Espressomaschinen, Healthcare Produkten, Bügelautomaten, Kühlschränken, Saugrobotern und sons�gen Haushaltsgeräten vollgestop�. Das Innenleben einer Waschmaschine wird von den Besuchern mehr bestaunt als der Prototyp eines Fernsehgerätes der zukün�igen UHD 2 (8k; 3842 x 4320 Pixel) Genera�on. Dies spricht nun nicht gerade für eine Wertschätzung für Spitzenprodukte der Fernsehtechnik. Deswegen mein Versuch am Beispiel des ersten Grundig LCD-TV Gerätes, den Entwicklungsprozess von der Idee bis zum Produkt aufzuzeigen und am Beispiel einiger Detailprobleme die große Komplexität eines Flachbildschirmfernsehgerätes darzustellen. Also, liebe Leserin, lieber Leser bi�e nicht gleich weiterblä�ern. Im August 2001 war die Geburtsstunde des ersten Grundig LCD-TV Konzeptes und zwar im Bespre-
chungszimmer 2 des Innova�on Centers in Nürnberg Langwasser. Die Entwicklungsabteilung war Ende 1999 in das frisch renovierte Gebäude des früheren Grundig Tonbandgerätewerks (Werk 11) umgezogen. Sieben Entwicklungsingenieure und die Entwicklungsleitung saßen um den Besprechungs�sch. Thema der Besprechung: „Zukün�iges skalierbares Signalverarbeitungskonzept für LCD- und Plasma-TVs.“ Zunächst wurde über die zur Verfügung stehenden Integrierten Schaltkreise und deren technische Daten disku�ert. Gefolgt von einer heißen Deba�e über mögliche Schaltungskonzepte, Entwicklungsaufwand und Entwicklungszeiten. Ich denke zum Verständnis muss ich nun aber erst einmal auf den Stand der Technik von Flachbildschirmen vor siebzehn Jahren und deren Vorgeschichte kurz eingehen. Bis 2001 stellten Röhrenfernsehgeräte den Großteil der Produktpale�e von Grundig dar. Grundig 42 Zoll Plasmafernsehgeräte mit VGA Auflösung (640 x 480) und W-VGA (16:9; 852 x 480) gab es schon einige Jahre, aber die Produk�onsstückzahlen waren sehr überschaubar. Asia�sche Hersteller stellten um 2001 die ersten fernsehtauglichen LCD-TV Displays vor. Die europäischen Bildröhrenhersteller wie z.B. Philips und Videocolor (früher Thomson) inves�erten aber zu diesem Zeitpunkt nicht in die Flachbildschirmtechnologie. Die Kosten für eine LCD Flatpanelfer�gung bedeuten eine Milliardeninves��on. In etwa vergleichbar mit einer Halbleiterfer�gung, da im Gegensatz zur
Bildröhrenfer�gung Reinraumbedingungen erforderlich sind. In den USA ha�e die Firma RCA, die die Grundlagenentwicklung für Liquid Cristal Displays (LCD) durchgeführt ha�e, die Weiterentwicklung dieser Technik nach der Realisierung von Anzeigen für Uhren und weiteren Anzeigeprodukten der Elektronikindustrie eingestellt. Die Anzeigen waren zu langsam für die Erfordernisse der Bewegtbildwiedergabe beim Fernsehen. Und wie in so vielen anderen Fällen waren es asia�sche Hersteller, in diesem Fall z.B. Sharp, LG, Samsung, NEC und Toshiba die in jahrelanger Detailarbeit LCD Panels für die Bildwiedergabe entwickelten und auch in entsprechende Fer�gungsanlagen inves�erten, ohne einen kurzfris�gen „Return on Invest“ zu erwarten. Sie verfolgten also eine Langfriststrategie. Und so kam es, dass tatsächlich LCD Flachbildschirme entstanden, die als PC-Monitore tauglich waren. Allerdings handelte es sich bei dieser Anwendung vorwiegend um die Darstellung sta�scher oder sehr langsam wechselnder Bilder. Für die schnellen Bildwechsel beim Fernsehen (PAL 50 Halbbilder pro Sekunde, also 20 ms oder 0,020 Sekunden pro Halbbild) reichte dies noch nicht aus. Die physikalische Erklärung dafür ist die zu lange Response Time. Darunter versteht man wie schnell eine einzelne Flüssigkristallzelle, also ein Pixel, im Helligkeitswert verändert werden kann. Im Zeitraum 2001/2002 konnten die Hersteller diese Response Time auf unter 20 ms drücken. Damit war es schon möglich, eine passable Bewegungswiedergabe mit Fernsehsignalen zu erreichen, wenngleich Bildröhren und Plasmabildschirme
Rundfunk & Museum 95 – September 2018
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