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RFM Ausstellung Google oder Pinterest zeigt: Ob in Küche oder Garten, in Garage oder Keller – es wird geschraubt und gelötet, gekocht, gestrickt, gebacken und gehäkelt, was das Zeug hält. Zum „Do-it-yourself“ gehören darüber hinaus das Verbessern, Wiederverwenden und Reparieren. Aber lohnt sich Reparieren überhaupt noch? Elektroartikel werden immer mehr zu Wegwerfware, die nicht mehr instandgesetzt werden kann. Das war in der Vergangenheit anders. Das Radio blickt auf eine lange Tradition des Selbermachens zurück: In den 1920er Jahren, in der Anfangszeit des Rundfunks, waren Bauteile teuer und mit dem Selbstbau von Detektorgeräten konnte leicht Geld gespart werden. Auch später gibt es immer wieder Radios der Mar-

ke Eigenbau. Ein Paradebeispiel für einen Radio-Selbstbau ist der Heinzelmann der Firma Grundig, mit dem diese das Verbot der US-amerikanischen Besatzer umging, Radios zu verkaufen. Getarnt als „Bausatz“ und als „Spielzeug“ verkauft, konnte man sich so sein eigenes Radio zusammenbauen. Während manch einer dies aus finanziellen Gründen tat, hatten andere einfach Spaß und Freude daran, Radios selbst zu bauen. Zum Beispiel ein Grundig-Mitarbeiter, der abends in seinem Keller Geräte verschiedenster Hersteller als Modell nachbaute – voll funktionstüchtig versteht sich. Nicht nur das komplett eigene Erschaffen, sondern auch das Wiederverwenden gehört in den Bereich des „Do-itYourself“: Nach dem Zweiten Weltkrieg war es vor allem

der Mangel, der die Menschen dazu animierte. Getreu dem Motto „Not macht erfinderisch“ wurde improvisiert und umgenutzt, beispielsweise wurden in die Gehäuse von Volksempfängern neue Bauteile eingesetzt und der Reichsadler überdeckt. Wiederzuverwenden, nichts zu verschwenden, ist in Zeiten von Nachhaltigkeit neben dem Kostenfaktor ein weiterer Beweggrund, selbst zu bauen, zu reparieren oder upzucyclen. Die neue Ausstellung zeigt verschiedene Geräte der „Marke Eigenbau“; etwa einen Plattenspieler aus einer IKEAArbeitsplatte oder ein Tonbandgerät aus Fischdosen, das drei Zirndorfer gebaut haben. Bis Mai 2020 lädt „Geschraubt. Gelötet. Geleimt“ Besucherinnen und Besucher ein, den Charme des Selbermachens zu entdecken.

Foto: Jana Stadlbauer

Rundfunk & Museum 97 – September 2019

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