5.298
Bearbeitungen
Lotte (Diskussion | Beiträge) (Verlinkung, Lokalberichterstattung, Siehe auch) |
|||
| (6 dazwischenliegende Versionen von 6 Benutzern werden nicht angezeigt) | |||
| Zeile 2: | Zeile 2: | ||
== Namensgebung == | == Namensgebung == | ||
Der Name der neugeschaffenen Brauerei geht auf eine Biermarke der in ihr aufgegangen Brauerei ''Lederer, Nürnberg'' zurück. | Der Name der neugeschaffenen Brauerei geht auf eine Biermarke der in ihr aufgegangen Brauerei ''Lederer, Nürnberg'' zurück. | ||
| Zeile 9: | Zeile 8: | ||
In der Patrizier Bräu gingen ab Gründung die [[Brauerei Humbser-Geismann]] und die [[Brauerei Grüner]] auf, in letztere war die [[Schickedanz]]-Gruppe erst [[1969]] mit 25 % eingestiegen.<ref name="FG">Felix Geismann: Brauwesen in Fürth - Die Geschichte der Brauerei Geismann, 2008</ref> Bis 1974 produzierte die Patrizier Bräu AG weiterhin Biere unter den aufgekauften Namen, ab [[1974]] wurden die ersten Produkte unter den Namen "Patrizier" auf den Markt gebracht. So gab es ab [[1974]] die Marken: Patrizier Pils, Patrizier Edelweizen, Patrizier Bock und Patrizier [[Poculator]]. | In der Patrizier Bräu gingen ab Gründung die [[Brauerei Humbser-Geismann]] und die [[Brauerei Grüner]] auf, in letztere war die [[Schickedanz]]-Gruppe erst [[1969]] mit 25 % eingestiegen.<ref name="FG">Felix Geismann: Brauwesen in Fürth - Die Geschichte der Brauerei Geismann, 2008</ref> Bis 1974 produzierte die Patrizier Bräu AG weiterhin Biere unter den aufgekauften Namen, ab [[1974]] wurden die ersten Produkte unter den Namen "Patrizier" auf den Markt gebracht. So gab es ab [[1974]] die Marken: Patrizier Pils, Patrizier Edelweizen, Patrizier Bock und Patrizier [[Poculator]]. | ||
[[1975]] erlangte die Patrizier Bräu AG die Mehrheitsbeteiligung an der nächsten Fürther Traditionsbrauerei: der [[Bergbräu]]. Die Bergbräu behielt noch ihren Braustandort bis [[1979]]. Am [[30. September]] [[1979]] wurde der letzte Sud gekocht. Anschließend wurde die Brauerei geschlossen und die Marke vom Markt genommen. | [[1975]] erlangte die Patrizier Bräu AG die Mehrheitsbeteiligung an der nächsten Fürther Traditionsbrauerei: der [[Bergbräu]]. Die Bergbräu behielt noch ihren Braustandort bis [[1979]]. Am [[30. September]] [[1979]] wurde der letzte Sud gekocht. Anschließend wurde die Brauerei geschlossen und die Marke vom Markt genommen. | ||
Diese Vorgänge waren der Grund, warum die Gründung der Patrizier Bräu von vielen Fürthern als "Apokalypse des hiesigen Brauwesens" eingestuft wurde.<ref>[[Fürther Bier (Buch)]], S. 144.</ref> | |||
Ab [[1989]] werden von der Patrizier Bräu AG alle kleinen Standorte geschlossen, lediglich die ehem. [[Humbser]] Brauerei in der Südstadt und die Brauerei in Zirndorf werden weiterhin als Braustätte genutzt. Der Ausstoß beträgt zu dieser Zeit etwa 800.000 Hektoliter Bier. | Ab [[1989]] werden von der Patrizier Bräu AG alle kleinen Standorte geschlossen, lediglich die ehem. [[Humbser]] Brauerei in der Südstadt und die Brauerei in Zirndorf werden weiterhin als Braustätte genutzt. Der Ausstoß beträgt zu dieser Zeit etwa 800.000 Hektoliter Bier. | ||
| Zeile 14: | Zeile 14: | ||
== Übernahme, Verkauf und neuer Betrieb == | == Übernahme, Verkauf und neuer Betrieb == | ||
[[Datei:Versammlung 1991 im Fürst wg Patrizier fw.jpg|miniatur|rechts|Aussprache zum Verkauf der Patrizier Immobilien, 1991]] | [[Datei:Versammlung 1991 im Fürst wg Patrizier fw.jpg|miniatur|rechts|Aussprache zum Verkauf der Patrizier Immobilien, 1991]] | ||
Ab [[1991]] beginnt der "Ausverkauf" der Patrizier Bräu AG. Die ersten Brauereien, über 50 Fürther Gaststätten, Immobilien und Grundstücke wurden über Nacht an die Duisburger Firmengruppe Dieter Conle verkauft, mit der Konsequenz, dass die Pachtkosten sofort massiv anstiegen.<ref>Harald Ehm: Die Lichter im "Volksgarten" gehen aus. In: [[Fürther Nachrichten]] vom 4. August 2013 [http://www.nordbayern.de/region/fuerth/die-lichter-im-volksgarten-gehen-aus-1.3055955 - online | Ab [[1991]] beginnt der "Ausverkauf" der Patrizier Bräu AG. Die ersten Brauereien, über 50 Fürther Gaststätten, Immobilien und Grundstücke wurden über Nacht an die Duisburger Firmengruppe Dieter Conle verkauft, mit der Konsequenz, dass die Pachtkosten sofort massiv anstiegen.<ref>Harald Ehm: Die Lichter im "Volksgarten" gehen aus. In: [[Fürther Nachrichten]] vom 4. August 2013 [http://www.nordbayern.de/region/fuerth/die-lichter-im-volksgarten-gehen-aus-1.3055955 - online]</ref> Der Verkauf schien so hektisch verlaufen zu sein, dass viele Mieter der Immobilien vom Verkauf überrascht wurden. Bei einigen Mietern gab es z. B. ab dem 1. Januar 1992 plötzlich keine Telefonanschlüsse mehr, da beim Verkauf vergessen wurde die Telekom zu informieren, so dass die Kosten nicht mehr abgebucht werden konnten.<ref>Matthias Boll: Wasserhausmusik mit kritischen Zwischentönen - Fürth vor 25 Jahren. In: Fürther Nachrichten vom 6. Januar 2017, S. 34</ref> Bedingt durch den Verkauf der Immobilien wurde von vielen Gaststätten- und Kneipenpächtern eilends eine Sondersitzung des Hotel- und Gaststättenverbandes im [[Café Fürst]] einberufen. Der Hotel- und Gaststättenverband versuchte den betroffenen Wirten mehr Informationen zu geben. | ||
[[1994]] erwarb der Münchner Brauerei-Unternehmer Dr. Hans Inselkammer die Aktienmehrheit, fusionierte mit der Nürnberger [[Tucher Bräu|Tucher Bräu AG]]. Dr. Inselkammer gliederte die [[Tucher Bräu]] AG und Augsburger Hasen Bräu aus. Die Marke ''Patrizier'' wurde aufgegeben. | [[1994]] erwarb der Münchner Brauerei-Unternehmer Dr. Hans Inselkammer die Aktienmehrheit, fusionierte mit der Nürnberger [[Tucher Bräu|Tucher Bräu AG]]. Dr. Inselkammer gliederte die [[Tucher Bräu]] AG und Augsburger Hasen Bräu aus. Die Marke ''Patrizier'' wurde aufgegeben. | ||
| Zeile 25: | Zeile 25: | ||
== Akzeptanz und Kritik == | == Akzeptanz und Kritik == | ||
[[Bild:Nieder mit patrizier.jpg|mini|right|"Nieder mit Patrizier" - Erlanger Protestaufkleber.]] | [[Bild:Nieder mit patrizier.jpg|mini|right|"Nieder mit Patrizier" - Erlanger Protestaufkleber.]] | ||
[[Bild:Brauereifreie stadt.jpg|mini|right|"Fürth - Brauereifreie Stadt". Schuld daran war in den Augen vieler der Schritt zum Einheitsgiganten Patrizier. Postkarte von [[Peter Stutzmann]] [[2011]].]] | [[Bild:Brauereifreie stadt.jpg|mini|right|"Fürth - Brauereifreie Stadt". Schuld daran war in den Augen vieler der Schritt zum Einheitsgiganten Patrizier. Postkarte von [[Peter Stutzmann]] [[2011]].]] | ||
| Zeile 37: | Zeile 36: | ||
* [[1974]]: Erste Produkte unter dem neuen Gruppennamen Patrizier kommen auf den Markt: „Patrizier Pils“, „Patrizier Edelweizen“, „Patrizier Bock“ und „Patrizier Poculator“. Schließung des Brauhauses Neumarkt, das schon seit [[1946]] zur [[Brauerei Humbser|Humbser Brauerei]] gehörte. | * [[1974]]: Erste Produkte unter dem neuen Gruppennamen Patrizier kommen auf den Markt: „Patrizier Pils“, „Patrizier Edelweizen“, „Patrizier Bock“ und „Patrizier Poculator“. Schließung des Brauhauses Neumarkt, das schon seit [[1946]] zur [[Brauerei Humbser|Humbser Brauerei]] gehörte. | ||
* [[1975]]: Mehrheitsbeteiligung der Patrizier an der [[Bergbräu|Berg Bräu]] Fürth zum [[1. Januar]] [[1975]]. Patrizier schließt die Betriebsstätten Erichbräu und Henninger-Reifbräu in Erlangen. Die Marken werden fortan in Fürth gebraut. Der Bierausstoß der Gruppe beträgt 1,46 Millionen Hektoliter. | * [[1975]]: Mehrheitsbeteiligung der Patrizier an der [[Bergbräu|Berg Bräu]] Fürth zum [[1. Januar]] [[1975]]. Patrizier schließt die Betriebsstätten Erichbräu und Henninger-Reifbräu in Erlangen. Die Marken werden fortan in Fürth gebraut. Der Bierausstoß der Gruppe beträgt 1,46 Millionen Hektoliter. | ||
* [[1977]]: Schließung der Braustätten Kießling KG Georgensgmünd, Bamberger Hofbräu, Kummert in Schlicht und [[Brauerei Grüner|Grüner]] in Fürth. Die Marken werden in der [[Brauerei Humbser|Humbser Brauerei]] weitergebraut. | * [[1977]]: Schließung der Braustätten [[Emil Kießling|Kießling KG]] Georgensgmünd, Bamberger Hofbräu, Kummert in Schlicht und [[Brauerei Grüner|Grüner]] in Fürth. Die Marken werden in der [[Brauerei Humbser|Humbser Brauerei]] weitergebraut. | ||
* [[1979]]: Letzter Sud der [[Bergbräu|Berg Bräu]] Fürth am [[30. September]] [[1979]], die Braustätte wird geschlossen, die Marke komplett vom Markt genommen. | * [[1979]]: Letzter Sud der [[Bergbräu|Berg Bräu]] Fürth am [[30. September]] [[1979]], die Braustätte wird geschlossen, die Marke komplett vom Markt genommen. | ||
* [[1980]]/[[1981]]: Gebraut wird noch in der [[Brauerei Humbser|Humbser Brauerei]] in Fürth, bei Lederer in Nürnberg, der Bürgerbräu in Würzburg sowie in der Abteilung Zirndorf. Einstellung der meisten Marken und Übergang zu einer Abfüllbezeichnung, zum Beispiel Patrizier Bräu, Braustätte Würzburg. | * [[1980]]/[[1981]]: Gebraut wird noch in der [[Brauerei Humbser|Humbser Brauerei]] in Fürth, bei Lederer in Nürnberg, der Bürgerbräu in Würzburg sowie in der Abteilung Zirndorf. Einstellung der meisten Marken und Übergang zu einer Abfüllbezeichnung, zum Beispiel Patrizier Bräu, Braustätte Würzburg. | ||
| Zeile 50: | Zeile 49: | ||
==Sonstiges== | ==Sonstiges== | ||
* Obwohl die Patrizier Bräu bereits [[1994]] in der [[Tucher Bräu]] AG aufging und als Marke auf dem Markt verschwand, war sie noch von [[1994]] bis [[1996]] Trikotsponsor der [[SpVgg Fürth]] - der letzte vor dem Beitritt der Fußballabteilung des TSV Vestenbergsgreuth. | * Obwohl die Patrizier Bräu bereits [[1994]] in der [[Tucher Bräu]] AG aufging und als Marke auf dem Markt verschwand, war sie noch von [[1994]] bis [[1996]] Trikotsponsor der [[SpVgg Fürth]] - der letzte vor dem Beitritt der Fußballabteilung des TSV Vestenbergsgreuth. | ||
* Ein bekannter Werbespruch der Brauerei lautete: ''"Patrizier Bräu - das tanken wir Franken"'' | * Ein bekannter Werbespruch der Brauerei lautete: ''"Patrizier Bräu - das tanken wir Franken"'' | ||
==Literatur== | ==Literatur== | ||
* Koch/Täubrich: [[Bier in Nürnberg-Fürth (Buch)|Bier in Nürnberg-Fürth]], Hugendubel, [[1987]] | * Koch/Täubrich: [[Bier in Nürnberg-Fürth (Buch)|Bier in Nürnberg-Fürth]], Hugendubel, [[1987]] | ||
* Stefan Städtler-Ley: [[Fürther Bier (Buch)|Fürther Bier]], G&S, 2021, 208 S. | * Stefan Städtler-Ley: [[Fürther Bier (Buch)|Fürther Bier]], G&S, 2021, 208 S. | ||
== Lokalberichterstattung == | |||
* 25. Mai 1977 - [[Fürther Nachrichten]]: ''Die mehrheitlich zum Schickedanz-Konzern gehörende „Patrizier-Bräu AG“ schloss im Rahmen von Rationalisierungsmaßnahmen drei weitere Braustätten. Es handelte sich dabei um die Grüner-Brauerei in Fürth, Kießling in Georgensgmünd und Kummeth in Schlicht. Jetzt verfügte man nur noch über sechs Brauereien.''<ref>Gert Kuntermann: ''[[Seite:Kuntermann 1977.pdf/26|Fürth 1977]]''. Jahreschronik, Städtebilder Verlag, S. 26</ref> | |||
==Siehe auch== | ==Siehe auch== | ||
* [[Brauereien]] | * [[Brauereien]] | ||
* [[Brauerei Grüner]] | * [[Brauerei Grüner]] | ||
* [[Brauerei Humbser]] | * [[Brauerei Humbser]] | ||
* [[Schickedanz]] | * [[Daniel Kießling]] | ||
* [[Emil Kießling]] | |||
* [[Schickedanz]] (Namensklärung) | |||
==Weblinks== | ==Weblinks== | ||
* Lederer in der Patrizier Bräu AG - [http://de.wikipedia.org/wiki/Lederer_Bräu#Lederer_in_der_Patrizier_Bräu_AG Wikipedia] | * Lederer in der Patrizier Bräu AG - [http://de.wikipedia.org/wiki/Lederer_Bräu#Lederer_in_der_Patrizier_Bräu_AG Wikipedia] | ||
* Tucher Bräu - Inselkammer verkauft an Brau und Brunnen - [http://www.ihk-nuernberg.de/de/IHK-Magazin-WiM/WiM-Archiv/WIM-Daten/2003-08/Unternehmen-und-Personen/Inselkammer-verkauft-an-Brau-und-Brunnen.jsp IHK online] | |||
* Tucher Bräu - Inselkammer verkauft an Brau und Brunnen - [http://www.ihk-nuernberg.de/de/IHK-Magazin-WiM/WiM-Archiv/WIM-Daten/2003-08/Unternehmen-und-Personen/Inselkammer-verkauft-an-Brau-und-Brunnen.jsp IHK | |||
==Einzelnachweise== | ==Einzelnachweise== | ||
| Zeile 76: | Zeile 75: | ||
==Bilder== | ==Bilder== | ||
{{Bilder dieses Unternehmens}} | {{Bilder dieses Unternehmens}} | ||
[[Kategorie:Brauereien]] | [[Kategorie:Brauereien]] | ||
[[Kategorie:Unternehmen (ehemals)]] | [[Kategorie:Unternehmen (ehemals)]] | ||
[[Kategorie:Südstadt]] | [[Kategorie:Südstadt]] | ||
Bearbeitungen