Josef Hollerbusch: Unterschied zwischen den Versionen

 
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== Verfolgung während der NS-Zeit ==
== Verfolgung während der NS-Zeit ==
Im Juli [[1933]] wurde Dr. Hollerbusch, der mit seinem Sohn in der Wohnung über seiner Praxis in der [[Mathildenstraße 1]] wohnte, von NS-Schergen in einer nächtlichen Aktion schikaniert, bedroht, gedemütigt und anschließend für kurze Zeit verhaftet.<ref>Landesamt für Finanzen Bayern, Landesentschädigungsamt - BLFA - Berta Hollerbusch - BEG 18912, B-Akte, BI.5</ref> In der Folge wurde der Sohn Adolf Hollerbusch zu einer sofortigen Emigration nach Portugal verpflichtet, während Hollerbusch mit seiner Frau weiterhin in Fürth blieb. Als [[Arnulf Streck]] als kommissarischer erster Vorsitzender des ''Ärztlichen Bezirksvereines Fürth und kassenärztlichen Vereins Fürth'' am 28. März 1933 verfügte, dass alle jüdischen Ärzte in Fürth ihres Amtes zu entheben seien, war u.a. auch Hollerbusch von dem Berufsverbot betroffen.<ref>[[Grete Ballin|Ballin-Chronik]] S. 5</ref> Durch den Verlust der Kassenzulassung und dem zunehmenden Boykott der Praxis sah sich Hollerbusch 1937 nun auch gezwungen, seine Heimatstadt bzw. seine Heimat zu verlassen. So floh er zunächst nach Budapest in Ungarn, wo ihm aber keine Aufenthaltsbestätigung ausgeschrieben wurde. Das Ehepaar floh um den 20. April 1937 weiter nach Cakovec ins ehem. Jugoslawien. Dort hielt sich bereits die Tochter Maria mit ihrem Ehemann, dem Kantor [[Bernhard Adler]], auf. Doch auch hier erhielten sie keine entsprechenden Unterlagen, die einen Verbleib sicher hätten stellen können.<ref>Landesamt für Finanzen Bayern, Landesentschädigungsamt - BLFA - Berta Hollerbusch - BayLEA: EG 94605</ref> Dieses Mal folgte die Fluchtroute dem Sohn, der bereits in Portugal wohnte. In Porto kam die Familie zunächst unter, jedoch mussten sie auch hier wieder nach ca. 1 Jahr erneut die Flucht antreten. Im Jahr [[1938]] gelang der Familie nach Chicago (USA), die Tochter war mit ihrem Ehemann bereits vor gereist. Mit der Flucht verlor die Familie Hollerbusch ihren kompletten Besitz, das das NS-Regime die Auswanderung aus dem Deutschen Reich mittels einer sog. Reichsfluchtsteuer und Judenvermögensabgabe sanktionierte.<ref>vgl. Hans Günter Hockerts et al. (Hrsg.): Die Finanzverwaltung und die Verfolgung der Juden in Bayern. München 2004</ref> Die nicht unerheblichen Besitztümer in Fürth waren bereits durch das NS-Regime versteigert worden. Die Einnahmen aus den Versteigerungen gingen im Rahmen der sog. wilden Arisierung in den Privatbesitz einiger NS-Parteifunktionäre wie [[Hans Sandreuter]] oder OB [[Franz Jakob]] über, obwohl das Verfahren vorsah, dass die Einnahmen bei der [[NSDAP]] auf ein Sperrkonto hätten ein bezahlt werden müssen.
Im Juli [[1933]] wurde Dr. Hollerbusch, der mit seinem Sohn in der Wohnung über seiner Praxis in der [[Mathildenstraße 1]] wohnte, von NS-Schergen in einer nächtlichen Aktion schikaniert, bedroht, gedemütigt und anschließend für kurze Zeit verhaftet.<ref>Landesamt für Finanzen Bayern, Landesentschädigungsamt - BLFA - Berta Hollerbusch - BEG 18912, B-Akte, BI.5</ref> In der Folge wurde der Sohn Adolf Hollerbusch zu einer sofortigen Emigration nach Portugal verpflichtet, während Hollerbusch mit seiner Frau weiterhin in Fürth blieb. Als [[Arnulf Streck]] als kommissarischer erster Vorsitzender des ''Ärztlichen Bezirksvereines Fürth und kassenärztlichen Vereins Fürth'' am 28. März 1933 verfügte, dass alle jüdischen Ärzte in Fürth ihres Amtes zu entheben seien, war u.a. auch Hollerbusch von dem Berufsverbot betroffen.<ref>[[Grete Ballin|Ballin-Chronik]] S. 5</ref> Durch den Verlust der Kassenzulassung und dem zunehmenden Boykott der Praxis sah sich Hollerbusch 1937 nun auch gezwungen, seine Heimatstadt bzw. seine Heimat zu verlassen. So floh er zunächst nach Budapest in Ungarn, wo ihm aber keine Aufenthaltsbestätigung ausgeschrieben wurde. Das Ehepaar floh um den 20. April 1937 weiter nach [[wikipedia:Čakovec|Čakovec]] ins ehem. Jugoslawien. Dort hielt sich bereits die Tochter Maria mit ihrem Ehemann, dem ehemaligen Kantor der alten Synagoge in Fürth [[Bernhard Adler]], auf. Doch auch hier erhielten sie keine entsprechenden Unterlagen, die einen Verbleib sicher hätten stellen können.<ref>Landesamt für Finanzen Bayern, Landesentschädigungsamt - BLFA - Berta Hollerbusch - BayLEA: EG 94605</ref> Dieses Mal folgte die Fluchtroute dem Sohn, der bereits in Portugal wohnte. In Porto kam die Familie zunächst unter, jedoch mussten sie auch hier wieder nach ca. 1 Jahr erneut die Flucht antreten. Im Jahr [[1938]] gelang der Familie nach Chicago (USA), die Tochter war mit ihrem Ehemann bereits vor gereist. Mit der Flucht verlor die Familie Hollerbusch ihren kompletten Besitz, das das NS-Regime die Auswanderung aus dem Deutschen Reich mittels einer sog. Reichsfluchtsteuer und Judenvermögensabgabe sanktionierte.<ref>vgl. Hans Günter Hockerts et al. (Hrsg.): Die Finanzverwaltung und die Verfolgung der Juden in Bayern. München 2004</ref> Die nicht unerheblichen Besitztümer in Fürth waren bereits durch das NS-Regime versteigert worden. Die Einnahmen aus den Versteigerungen gingen im Rahmen der sog. wilden Arisierung in den Privatbesitz einiger NS-Parteifunktionäre wie [[Hans Sandreuter]] oder OB [[Franz Jakob]] über, obwohl das Verfahren vorsah, dass die Einnahmen bei der [[NSDAP]] auf ein Sperrkonto hätten ein bezahlt werden müssen.


== Flucht und Vertreibung ==  
== Flucht und Vertreibung ==  
Das Ehepaar Hollerbusch war in der USA nun mittellos. Sie waren auf die Hilfe der Kinder und Freunden angewiesen. Dr. Hollerbusch versuchte trotz seines inzwischen hohen Alters (71 Jahre) erneut als Arzt seinen Lebensunterhalt zu verdienen, allerdings hatte man ihm bereits im Deutschen Reich die Berufserlaubnis entzogen, womit er in den Vereinigten Staaten ebenfalls keine Berufsanerkennung erlangte. Zusätzlich wurde am [[30. April]] [[1941]] durch die Universität Erlangen, durch eine Aufforderung des Reichsministers für Wissenschaft Erziehung und Bildung, die Approbation entzogen.<ref>Universität Erlangen, Erlanger Register zur Matrikel 1843-1893</ref> Zuvor hatte bereits [[wikipedia:Heinrich Himmler|Heinrich Himmler]], Reichsführer-SS und Chef der Deutschen Polizei, bei dem Reichsministerium des Innern ein Verfahren zur Aberkennung der Staatsangehörigkeit "gegen den Juden Dr. med. Josef Hollerbusch" eingeleitet. Am [[18. August]] [[1941]] gab die Hochschule in Erlangen gegenüber dem Bay. Staatsministerium für Unterricht und Kultur bekannt, dass in einem Umlaufverfahren alle Rektoren Josef Hollerbusch den akademischen Titel aberkannt haben. In den Akten wurde bereits am 8. Mai 1941 vermerkt: "Jude - Dr- Titel entzogen".<ref>Universität Erlangen: Dekanat Med. Fakultät, Promotionsbuch 1856/67 - 1899/00</ref>
Das Ehepaar Hollerbusch war in der USA nun mittellos. Sie waren auf die Hilfe der Kinder und Freunden angewiesen. Dr. Hollerbusch versuchte trotz seines inzwischen hohen Alters (71 Jahre) erneut als Arzt seinen Lebensunterhalt zu verdienen, allerdings hatte man ihm bereits im Deutschen Reich die Berufserlaubnis entzogen, womit er in den Vereinigten Staaten ebenfalls keine Berufsanerkennung erlangte. Zusätzlich wurde am [[30. April]] [[1941]] durch die Universität Erlangen, durch eine Aufforderung des Reichsministers für Wissenschaft Erziehung und Bildung, die Approbation entzogen.<ref>Universität Erlangen, Erlanger Register zur Matrikel 1843-1893</ref> Zuvor hatte bereits [[wikipedia:Heinrich Himmler|Heinrich Himmler]], Reichsführer-SS und Chef der Deutschen Polizei, bei dem Reichsministerium des Innern ein Verfahren zur Aberkennung der Staatsangehörigkeit „gegen den Juden Dr. med. Josef Hollerbusch“ eingeleitet. Am [[18. August]] [[1941]] gab die Hochschule in Erlangen gegenüber dem Bay. Staatsministerium für Unterricht und Kultur bekannt, dass in einem Umlaufverfahren alle Rektoren Josef Hollerbusch den akademischen Titel aberkannt haben. In den Akten wurde bereits am 8. Mai 1941 vermerkt: „Jude - Dr- Titel entzogen“.<ref>Universität Erlangen: Dekanat Med. Fakultät, Promotionsbuch 1856/67 - 1899/00</ref>


Von dieser Entscheidung erfuhr Dr. Hollerbusch in Chicago nichts, da die Universität bzw. das Deutsche Reich ihn darüber auch nicht informierten. Am [[26. September]] [[1946]] starb Hollerbusch im Alter von 77 Jahren an einem Schlaganfall in Chicago.  
Von dieser Entscheidung erfuhr Dr. Hollerbusch in Chicago nichts, da die Universität bzw. das Deutsche Reich ihn darüber auch nicht informierten. Am [[26. September]] [[1946]] starb Hollerbusch im Alter von 77 Jahren an einem Schlaganfall in Chicago.


== Auszeichnungen ==
== Auszeichnungen ==
3.941

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