Lateinschulen, die sich neben dem Elementarunterricht auch den Fächern des Triviums und des Quadriviums widmeten, waren Pfarrschulen generell Lateinschulen, die neben dem Elementarunterricht zumindest die für den Chorgesang, den MinistrantenDienst und zum Lesen der Gebetsbücher notwendigen Lateinkenntnisse („Rudimenta“) oder als „Trivialschulen“ sogar alle drei sprachlichen Fächer des Triviums (Grammatik, Rhetorik, Dialektik) vermittelten.10 „Vermengte Schulen“ waren Schulen in kleineren Städten und Märkten, in denen deutsch und lateinisch unterrichtet und gelehrt wurde.11 Ratsschulen waren Schulen, die wie in Rothenburg von kirchlicher Seite (Deutscher Orden) gegründet, aber später vom Rat übernommen wurden, oder bei denen der Rat, wie bei den vier Lateinschulen in Nürnberg den Rektor bestellte und durch einen Diensteid verpflichtete.12 Hinzu kamen ab Ende des 14. Jahrhunderts (Nürnberg 1384, Rothenburg 1403, Kitzingen 1452, Pottenstein 1453, Schwabach 1500) die „Teutschen Schulen“ der selbstständigen Schreib- und Rechenmeister,13 die wie Handwerksmeister in einer Zunft organisiert sein mussten und in deutscher Sprache unterrichteten.14 Und schließlich gab es in der Reichsstadt Nürnberg ab 1496 auch eine humanistisch ausgerichtete „Poetenschule“, die anhand antiker Texte neben Latein auch Altgriechisch lehrte, aber aufgrund einer von den Dominikanern initiierten Gegenbewegung zu Gunsten der kirchlichen Scholastik 1509 wieder geschlossen wurde.15 Auf Drängen des Patriziers Willibald Pirckheimer beschloss der Rat allerdings, das humanistische Bildungsangebot zumindest in eigens dafür an den Lateinschulen St. Sebald und St. Lorenz eingerichteten Kursen fortzusetzen.16
Verfahren der Vervielfältigung von Büchern und Schriftstücken durch Abschreiben revolutionierte und zu einer massenhaften Verbreitung von Druckerzeugnissen (Flugschriften, Bekanntmachungen, Broschüren und Büchern) führte, wodurch die Lesefähigkeit eine neue Bedeutung gewann. Gleiches galt aufgrund des zunehmenden Handels für das Rechnen mit Maßen und Gewichten sowie für die damals eingeführte kaufmännische Buchführung. 10Vgl.: Ebd., S.152f. und S.206-211. 11Vgl.: Ebd., S.167. 12Vgl.: Ebd., S.153f. Gleichzeitig blieb in allen Stadtschulen „die ursprüngliche Funktion der Schule als Hilfsanstalt der Kirche weiterhin bestehen. Neben dem Unterricht war für Lehrer und Schüler die wichtigste Aufgabe die Hilfe bei der liturgischen Ausgestaltung des Gottesdienstes… Auf die Mitwirkung beim Gottesdienst war auch der gesamte Schulbetrieb ausgerichtet, vor allem der Gesangsunterricht, aber auch das Lernen von Lesen und Schreiben und der Grundelemente des Lateinischen…“ (ebd., S.154). 13Vgl. dazu die Auflistung, in: Ebd., S.143-146. 14Vgl. zu weiteren Einzelheiten den Abschnitt: Schule und Unterricht der Schreib- und Rechenschulen Beispiel Nürnberg, in: Ebd., S.291-296. 15Vgl.: Ebd., S.164. Siehe auch ebd., S.163: „Wie an den Universitäten, so konnte sich auch an den Latein- und Pfarrschulen um 1500 der Humanismus durchsetzen.“ 16Vgl.: Ebd., S.211. Ergänzend anzumerken ist, dass der Humanismus der Renaissance eine Bildungsbewegung war, die sich gegen die kirchliche Scholastik richtete und nach der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen im Jahr 1453 einsetzte, weil danach viele byzantinische Gelehrte mit ihren altgriechischen und hebräischen Quellen und Werken nach Italien flüchteten und das Wissen der Antike im römisch-katholischen Teil Europas wiederentdeckt wurde und sich hier in der Malerei, Bildhauerei, Baukunst und Dichtung niederschlug. Während Michelangelo Buonarroti (1475-1564) zum Protagonisten der Renaissance auf den Gebieten der Malerei, Bildhauerei, Baukunst und Dichtung wurde, avancierte Erasmus von Rotterdam (1466/67/68-1530) zum Wortführer der gegen die kirchliche Scholastik gerichteten humanistischen Bildungsbewegung. Vom Humanismus beeinflusst wurden auch Reformatoren wie Martin Luther (Kritik an den religiösen Dogmen und den Ausschweifungen des Klerus) und Philipp Melanchthon (reformatorische Bildungskonzepte). Vgl. dazu den Artikel Humanismus, in: www.wikipedia.de, hier: Ausdruck vom 04.07.2018.
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