Dagegen gab es in Fürth - wie der von 1970 bis 1983 amtierende Stadtarchivar Emil Ammon (1921-2001) im Jahr 1974 vermerkte17 - als einem Ort, der das ganze Mittelalter hindurch im Schatten der Reichsstadt Nürnberg Marktflecken geblieben war, lange Zeit weder eine Klosterschule noch eine weltliche Stadtschule. Selbst im 16. Jahrhundert waren Lesen und Schreiben im eher bäuerlich geprägten Fürth „eine seltene Kunst, die nicht einmal die Bürgermeister beherrschten“.18 Durch eine Bürgermeisterrechnung ist zumindest für das Jahr 1574 erstmals die Existenz eines Schulmeisters in Fürth nachweisbar, der damals von der Gemeinde ein Entgelt von zwei Gulden im Jahr erhielt. Welche Aufgaben dieser Schulmeister in welchem Umfang und wo wahrnahm, ist hingegen nicht bekannt.19 Wichtige Impulse zur Verbreitung von Bildung hatte zu diesem Zeitpunkt bereits die Reformation gegeben, als Martin Luther (1483-1546) in der 1524 erschienenen Schrift „An die Ratsherren aller Städte deutschen Landes“ dazu aufrief, christliche Schulen zu errichten und zu halten, die in evangelischen Landesteilen und Reichsstädten durchaus Gehör fand.20 Dies galt im Gebiet des heutigen Frankens vor allem für die Reichsstädte Nürnberg, Rothenburg, Schweinfurt, Weißenburg und Windsheim sowie die Markgrafschaften Ansbach und Kulmbach-Bayreuth, die evangelisch-lutherisch wurden.21 In der Reichsstadt Nürnberg, die 1517 dem Bamberger Dompropst mit Zustimmung des Papstes die Kirchenrechte in Fürth abgekauft und sich 1525 der Reformation angeschlossen hatte, wurde im Jahr 1526 mit Unterstützung von Philipp Melanchthon (1497-1560)22 die Lateinschule St. Egidien in eine „obere Schule“ umgewandelt und zugleich ein neuer Schultyp mit höheren Anforderungen (z.B. Einführung von Mathematik als Schulfach) als an den scholastisch ausgerichteten Lateinschulen geschaffen.23 Auch in der Markgrafschaft Ansbach, die sich 1528 der Reformation anschloss und im selben Jahr in Ansbach eine protestantische Lateinschule errichtete, auf der gelehrte Leute zu Geistlichen und Beamten für das ganze Land herangezogen werden
In Nürnberg gehörte Willibald Pirckheimer (1470-1530) - der von 1488 bis 1495 an den Universitäten Padua und Pavia die „artes liberales“ und Jurisprudenz studiert und dabei umfassende Kenntnisse im klassischen Griechisch und ein enzyklopädisches Wissen erworben hatte sowie briefliche Kontakte zu Erasmus von Rotterdam unterhielt - neben Conrad Celtis (1459.1508) und Albrecht Dürer (1471-1528) zu den Mitgliedern des örtlichen Humanisten-Kreises. 17Vgl. zur Biografie den Artikel Emil Ammon, in: www.fuerthwiki.de, hier: Ausdruck vom 06.07.2017. 18Emil Ammon, 400 Jahre Schule in Fürth, in: Stadt Fürth (Hrsg.), Fürth und seine Schulen. Vom Schulmeister zum Schulzentrum, Fürth 1974, S.6-29, hier: S.6. 19Vgl.: Ebd., S.6. 20Vgl. dazu den Artikel Schulpflicht Deutschland, Abschnitt Geschichte, in: www.wikipedia.de, hier: Ausdruck vom 12.07.2017. Neben der Gründung von Schulen in evangelischen Landesteilen wurde im zunächst lutherisch und später durch die reformierte Kirche (Zwingli) geprägten Herzogtum PfalzZweibrücken 1592 erstmals eine allgemeine Schulpflicht für Jungen und Mädchen eingeführt. 21Vgl.: Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 1: Geschichte der Schule in Bayern. Von den Anfängen bis 1800, Bad Heilbrunn/Oberbayern 1991, S.395. 22 Vgl. den Artikel Philipp Melanchthon, Abschnitt Wirken und Einfluss, in: www.wikipedia.de. Philipp Melanchthon war ab 1518 neben Martin Luther als Professor an der 1502 gegründeten Universität Wittenberg tätig und ein argumentations- und tatkräftiger Unterstützer der Reformation. Aufgrund seiner Grammatiken für Griechisch und Latein sowie seiner Lehrbücher zu Fächern wie Rhetorik, Ethik, Physik, Geschichte, Geografie und Astronomie wurde er schon zu Lebzeiten als Lehrer Deutschlands bezeichnet. 23Vgl.: Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 1, Geschichte der Schule in Bayern. Von den Anfängen bis 1800, Bad Heilbrunn/Oberbayern 1991, S.395f. Ergänzend anzumerken ist, dass die 1526 in Nürnberg entstandene „obere Schule“ St. Egidien heute an einen anderen Standort als Melanchthon-Gymnasium weitergeführt wird.
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