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und die 1707 von Oberrabbiner Benjamin Fränkel für einen Gelehrten und sechs Talmudschüler gestiftete „Klaus-Schul“.
Zwei der fünf Talmudschulen waren dagegen in privaten Anwesen untergebracht, und zwar: -
die 1687/88 vom Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Salomon Fromm, genannt Schneior gegründete „Schneiorsche Schul“, Königsplatz 5 und die auf eine Stiftung von Gabriel Fränkel aus dem Jahr 1706 für zwei oder drei Talmundschüler zurückgehende und 1710 im zweiten Obergeschoss des Nebenhauses Königstraße 57 eingerichtete „Gabriel-Schul“.35
Als der Markgraf von Ansbach und Bayreuth, Christian Friedrich Carl Alexander (17361806) mangels eigener Nachkommen seine Herrschaftsrechte seinem preußischen Vetter Friedrich Wilhelm II. (1744-1797) übertrug, abdankte und nach Großbritannien ging,36 begann in Fürth ab 1792 ein preußisches Intermezzo, das bis Ende 1805 dauerte. Obwohl der König von Preußen nur die Rechte von Ansbach übernommen hatte, beanspruchte Karl August Freiherr von Hardenberg (1750-1822) als oberster Repräsentant in den ehemaligen markgräflichen Gebieten die Hoheit über das gesamte Fürther Territorium und ließ 1796 das Wappen am dompröpsteilichen Amtshaus durch den preußischen Adler ersetzen. Gleichzeitig wurde das 1627 entstandene markgräfliche Geleitshaus am Marktplatz 1796 abgebrochen und bis 1797 durch einen Neubau ersetzt. Als die preußische Verwaltung in Fürth 1798 ihre Arbeit aufnahm, wurden bis 1800 die in der Gemeindeordnung vorgesehenen Rechte (Bürgermeisterwahl, Abhalten von Gemeindeversammlungen) eingeschränkt und schließlich ganz abgeschafft.37 Mit diesem Vorgehen wurde das Ziel verfolgt, Fürth durch Gründung eines Magistrats und eines Stadtgerichtes zur Stadt zu erheben, da der Marktflecken der wirtschaftlich wichtigste und bevölkerungsreichste Ort in den neuen fränkischen Gebieten Preußens war.38 In der Tat hatte sich Fürth bereits seit Mitte des 18. Jahrhunderts aufgrund des fehlenden Zunftzwanges von einem einst eher bäuerlich geprägten zu einem von Gewerbe und Handel dominierten Ort gewandelt.39 Das preußische Intermezzo in Fürth endete, als Preußen die 1792 übernommenen ehemaligen markgräflichen Gebiete Ansbach und Bayreuth Ende 1805 in einem Vertrag mit Napoleon I. (1769-1821) gegen die Gebiete des Königreichs Hannover tauschte und der seit 1799 regierende bayerische Kurfürst Maximilian IV. Joseph 35Vgl.: Monika Berthold-Hilpert, „Ihnen fernerweit gönnen ihre Synagogen und anderer Nebenschulen,
so viel selbiger benötigt“. Synagogen in Fürth (17. und 18. Jht.), in: nurinst 2002, Beiträge zur deutschen und jüdischen Geschichte, Band 1, Schwerpunktthema: Jüdisches Leben in Fürth (= Jahrbuch des Nürnberger Instituts für NS-Forschung und jüdische Geschichte des 20. Jahrhunderte, hrsg. von Jim G. Tobias und Peter Zinke, Nürnberg 2002, S.97-112. Der erste Satz des Aufsatztitels bezieht sich auf das 1719 zwischen der jüdischen Gemeinde und dem Dompropst von Bamberg ausgehandelte Reglement für die Juden in Fürth und das darin enthaltene Recht zum Bau von Synagogen und zur Einrichtung von Talmudschulen. 36Vgl. den Artikel Fürstentum Ansbach und den Artikel Karl Alexander (Brandenburg-Ansbach-Bayreuth), in: www.wikipedia.de, hier: Ausdrucke vom 11.07.2017. 37Vgl.: Barbara Ohm, Fürth. Geschichte der Stadt, Fürth 2007, S.141-143 und S.149. 38Vgl.: Ebd., S.144f. 39Vgl.: Ebd., S.105: „Im Jahr 1799 erschien in Weimar ein ‚Fabriken- und Manufactur-Adress-Lexikon von Teutschland‘, in dem auch Fürth angeführt war. ‚Der größte Teil der Einwohner besteht aus Kaufleuten, Künstlern, Manufacturisten und Handwerkern.‘ Unter Künstlern verstand man damals zum Beispiel folgende Berufe: Apotheker, Chemiker, Buchdrucker, Geometer, Graveur, Kupferstecher, Medailleur, Bildhauer, Steinschneider, Tanzmeister.“
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