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und dreißig Gemeindebevollmächtigen, darunter zehn Kaufleute, sieben Fabrikanten, drei Gastwirte, drei Apotheker, zwei Brauereibesitzer, ein Wundarzt, ein Advokat, ein Buch- und ein Mehlhändler sowie ein Seifensieder.49
Danach geriet das örtliche Schulwesen bis zur Fertigstellung und Einweihung des Rathauses 1850/51 in den Strudel der Unterbringung der städtischen Verwaltungsgremien, für die vorläufig zwei Räume in der Armen- und Waisenschule Königstraße 76 und Räume in dem während des preußischen Intermezzos 1797 errichteten Neubaus des Geleitshauses am Grünen Markt genutzt wurden. Zur Umsetzung der 1813 von der Regierung angeordneten räumlichen Trennung von Schülerinnen und Schülern nach Geschlechtern und zur Behebung des Schulraummangels - der 1821 sogar zu Überlegungen führte, etwa 271 Kinder jüdischer Konfession von den christlich dominierten Gemeinschaftsschulen zu nehmen, wogegen die jüdische Gemeinde mit Erfolg protestierte - wurde zunächst ein zweiter Schulhausneubau am bisherigen Standort der nürnbergischen Schule am Kirchenplatz beschlossen und 1823/24 fertiggestellt. Da der Stadtmagistrat allerdings die neben den beiden in der Armen- und Waisenschule genutzten Räume die im Geleitshaus genutzten Räume zu Gunsten des Stadtgerichtes räumen musste, zog er bis zur Fertigstellung des 1823 beschlossenen Rathausbaus ebenfalls in das zweite Schulgebäude am Kirchenplatz, das fortan als Knabenschule diente, während das 1816/17 errichtete erste Schulgebäude am Kirchenplatz zur Mädchenschule wurde.50 Neben dem Stadtmagistrat wurde im Zimmer 6 des zweiten Schulgebäudes am Kirchenplatz ab Februar 1827 auch die neu gegründete Stadtsparkasse untergebracht.51 Um den Ansprüchen an eine über den Elementarunterricht in den Fächern Religion, Lesen, Schreiben und Rechnen hinausgehenden Bildung gerecht zu werden, war nach dem Schulentwicklungsplan aus dem Jahr 1810 in Anlehnung an die bis 1790 an der Armen- und Waisenschule eingeführten ergänzenden Fächer wie Latein, Französisch, Zeichnen, allgemeine Weltgeschichte und Naturlehre in Fürth auch eine „Supplementär-Schule“ (Ergänzungsschule) mit zweijähriger Schuldauer eingerichtet worden, die 49Vgl.: Ebd., S.159: „Sie repräsentierten aber nur die besitzende Schicht, da nach einem strengen Zen-
suswahlrecht gewählt wurde. Die Geringverdiener wie auch die Frauen durften ihre Stimme nicht abgeben und selbst die jüdische Bevölkerung, die so lange mitbestimmen konnte, hatte im Königreich Bayern kein Wahlrecht. Sie bekam es erst durch die Revolution 1848/49 zugesprochen.“ Siehe zur Biografie von Franz Joseph Bäumen auch ebd., S.161-162. Da Franz Joseph Bäumen nach der Wahl zum Ersten Bürgermeister der Stadt mit eigener Verwaltung im Jahr 1818 bei allen folgenden Wahlen vom Gemeindekollegium wiedergewählt wurde, blieb er bis 1857 im Amt und schied erst im Alter von 73 Jahren auf eigenem Wunsch aus. Mit einer Amtszeit von 39 Jahren verfügt er bis heute über die längste Amtsdauer aller nachfolgenden Ersten Bürgermeister bzw. Oberbürgermeister der Stadt Fürth. Im Jahr 1859 und damit zwei Jahre vor seinem Tod 1861 wurde die östlich des in der Silvesternacht 1850/51 eingeweihten Rathauses liegende Altneugasse in Bäumenstraße umbenannt. 50Vgl: Emil Ammon, 400 Jahre Schule in Fürth, in: Stadt Fürth (Hrsg.), Fürth und seine Schulen. Vom Schulmeister zum Schulzentrum, Fürth 1974, S.6-29, hier: S.15. Siehe auch: Barbara Ohm, Fürth. Geschichte der Stadt, Fürth 2007, S.164. „Mit dem zweiten 1824 erbauten Schulhaus wurden Mädchen und Buben getrennt. Die Mädchen benutzten das alte, die Buben das neue Schulhaus, das 27.000 Gulden kostete.“ 51Vgl.: Stadtsparkasse Fürth, 160 Jahre Stadtsparkasse Fürth. Geschichte und Leistung, in: Sonderausgabe der Stadtsparkasse aktuell zum 160. Geschäftsjahr, Fürth 1987, S.2. In den Statuten der Stadtsparkasse aus dem Jahr 1827 wurde die „Beförderung weiser Sparsamkeit“ als Aufgabe und Ziel genannt. „Dieser Appell richtete sich zwar an ‚Jedermann‘, doch sind gleich anschließend jene Zielgruppen ausdrücklich benannt, die zum Sparen ermuntert und als Sparer gewonnen werden sollten: Handwerker, Tagelöhner, Dienstboten, Kinder und andere minder bemittelte Personen. Es war jener Kreis und zugleich die Masse der ‚kleinen Leute‘, die ‚ihre wenigen Kreuzer und Gulden gesichert und mit Vorteil anlegen sollten, als Vorsorge für den Fall der Not‘.“
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