Gewerbeschule überschnitt, wurde die höhere Bürgerschule 1833 aufgelöst. Personen, die Latein lernen wollten oder gar ein Studium an einer Universität anstrebten, mussten sich in Fürth jetzt entweder an eine örtliche Privatschule wie die 1836 von Dr. Brentano gegründete Privat-Lehranstalt für Knaben oder die 1852 entstandene Privat-Lateinschule wenden - die allerdings mit zwei Jahren Elementarunterricht und einem Jahr Latein nicht über den Charakter von Präparandenschulen hinauskamen63 - und anschließend oder von Anfang eine Lateinschule und ein humanistisches Gymnasium an einem anderen Ort besuchen, da es in Fürth bis 1863 keine vollständige Lateinschule sowie bis 1896 kein humanistisches Gymnasium mit der Fächerkombination Latein und Altgriechisch gab,64 dessen „Maturitätsprüfung“ (Abschluss, Abitur) nach traditionellem Bildungsverständnis - das von protestantischen Reformatoren wie Melanchthon (1497-1560), Bildungsreformern wie Wilhelm Humboldt (1767-1835) und Monarchen wie König Ludwig I in Bayern (1786-1868) uneingeschränkt geteilt wurde - Voraussetzung für ein Universitätsstudium war.65 Nachdem seit Einführung der vom vollendeten 6. bis zum vollendete 12. Lebensjahr geltenden sechsjährigen Unterrichtspflicht evangelische Eltern ihre Kinder bis zur Konfirmation - die bis 1831 im 14. Lebensjahr und danach für Mädchen im 13. und für Jungen im 14. Lebensjahr stattfand - in die Werktagsschule schicken wollten und sich mit Unterstützung evangelischer Pfarrer, die in protestantischen Orten für die Schulaufsicht zuständig waren, eine entsprechende Praxis herausgebildet hatte, wurde die Unterrichtspflicht im Elementarschulbereich in protestantischen Städten und Gemeinden 1838 offiziell auf sieben Jahre verlängert, wodurch sich die Sonn- und Feiertagsschulpflicht von sechs auf fünf Jahre verkürzte. 1856 wurde dann die Elementarschulzeit in ganz Bayern generell auf sieben Jahre verlängert und die Sonn- und Feiertagsschulpflicht auf drei Jahre verkürzt,66 so dass es nun statt einer insgesamt zwölfjährigen nur noch eine insgesamt zehnjährige Schulpflichtdauer gab.
63Vgl.: Heinrich-Schliemann-Gymnasium (Hrsg.), 100 Jahre Heinrich-Schliemann-Gymnasium. Festjah-
resbericht, Fürth 1996, S.20f. 64Vgl.: Emil Ammon, 400 Jahre Schule in Fürth, in: Stadt Fürth (Hrsg.), Fürth und seine Schulen. Vom
Schulmeister zum Schulzentrum, Fürth 1974, S.6-29, hier: S.25. 65Vgl. den Artikel Abitur, in: www.wikipedia.de, hier: Ausdruck vom 07.09.2017, S.4: „Ab 1904 wurde
das Monopol des Gymnasiums auf ein Studium aller Fächer aufgehoben (Ausnahme: altsprachliche Kenntnisse für Studien der Theologie und der Altphilologie).“ Bis dahin hing das Monopol der humanistischen Gymnasien auf eine „Maturitätsprüfung“ zur Studienberechtigung für alle Fächer damit zusammen, dass die ersten Universitäten in Europa, die ab dem 11./12. Jahrhundert zuerst von der Kirche und später auch von Landesherrschern gegründet worden waren, lange Zeit als Lehrsprache ausschließlich Latein verwendeten. Hinzu kam ab der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts Altgriechisch, da im Zeitalter der Renaissance antike Literatur und Gestaltungsformen anhand der überlieferten Texte in Westeuropa wieder aufgegriffen wurden. Außerdem bestanden die Universitäten bis ins 19. Jahrhundert in der Regel nur aus vier Fakultäten: einer allgemein bildenden Philosophischen Fakultät (einschließlich Mathematik) sowie drei auf bestimmte Berufsfelder bezogene Fakultäten für Theologie, Jurisprudenz und Medizin. Erst in den 1880er Jahren begann an den Universitäten eine Neuordnung der Fakultäten, bei der zumeist aus den Philosophischen Fakultäten eigene natur-, staats-, geistes- oder wirtschaftswissenschaftliche Fakultäten entstanden (vgl. den Artikel Geschichte der Universität, in: www.wikipedia.de, hier: Ausdruck vom 07.09.2017). Gleichzeitig führte die mit der französischen Revolution 1789 begonnene Herausbildung der Nationalstaaten im 19. Jahrhundert dazu, dass Latein als traditionell kirchliche und universelle Sprache der Wissenschaft sukzessive an Bedeutung verlor und an den Universitäten zunehmend durch die jeweilige Nationalsprache ersetzt wurde. 66Vgl.: Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch zur Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 2: Geschichte der Schule in Bayern von 1800 bis 1918, Heilbrunn 1993, S.57.
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