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Trotz der in protestantischen Städten und Gemeinden bereits 1838 erfolgten offiziellen Verlängerung der Elementarschulzeit und der damit nominal höheren Schuler/innenzahl konnte die seit 1833 im Gasthaus Rotes Ross an der Königsstraße/Waagplatz untergebrachte königliche Landwirtschafts- und Gewerbeschule 1844 ausreichende Räume im 1823/24 errichteten Schulgebäude für Knaben am Kirchenplatz beziehen, die durch den Umzug des Stadtmagistrats in das im ersten Bauabschnitt an der Königstraße fertiggestellte Rathaus frei geworden waren.67 Mit der Fertigstellung des zur Unterbringung der Stadtsparkasse und eines Leihhauses geplanten Ostflügels des Rathauses mit drittem Tor und einem aus Proportionsgründen höherem Rathausturm an der Brandenburger Straße konnte 1850 auch die Stadtsparkasse das zweite Schulgebäude am Kirchenplatz verlassen.68 Durch die freigewordenen Räume am Kirchenplatz konnte zudem die nach Abschluss der Elementarschule beginnende Schulzeit der königlichen Landwirtschafts- und Gewerbeschule ab 1845 von zwei auf drei Jahre verlängert werden, womit die Absolventen die Voraussetzungen für eine Ausbildung an weiterführenden höheren landwirtschaftlichen oder polytechnischen Fachschulen erfüllten.69 Inzwischen war auch der 1829 von König Ludwig I. zur finanziellen Unterstützung von Gewerbeschulen für nötig erachtete polytechnische Verein entstanden, als 1843 der Industrie- und Gewerbeverein gegründet wurde, der sich 1849 in Gewerbeverein umbenannte und als Ziel die Hebung von Industrie und Gewerbe in Fürth verfolgte, wozu der Verein bei Gewerbetreibenden auch für die Unterstützung der Gewerbeschule warb, die Beschaffung von Lehrmitteln für finanziell schwache Schüler übernahm und Preise für tüchtige Schüler aussetzte sowie auf eigene Kosten eine Schulbibliothek anschaffte. 70 Im Zuge der aufkommenden Industrialisierung durch Fabriken, Dampfkraft und zunehmendem Maschineneinsatz - die in Fürth durch den aus England importierten Dampfwagen der Ludwigseisenbahn 1835 begonnen hatte und durch die von Johann Wilhelm Engelhardt 1841 gegründete Maschinenfabrik fortgesetzt wurde, die 1842 zunächst eine Dampfmaschine für den eigenen Betrieb herstellte und danach die örtlichen Fabriken mit Dampfmaschinen belieferte71 - konzentrierte sich das Schulwesen

67Vgl.: Emil Ammon, 400 Jahre Schule in Fürth, in: Stadt Fürth (Hrsg.), Fürth und seine Schulen. Vom

Schulmeister zum Schulzentrum, Fürth 1974, S.6-29, hier:S.20. 68Vgl. zur Entstehung des Rathauses: Barbara Ohm, Fürth. Geschichte der Stadt, Fürth 2007, S.166f. 69Weiterführende landwirtschaftliche Schulen gab es damals in Schleißheim und Triesdorf, eine weiter-

führende forstwirtschaftliche Schule in Aschaffenburg und weiterführende polytechnische Schulen in München, Nürnberg und Augsburg. Vgl.: Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch zur Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 2, Geschichte der Schule in Bayern von 1800 bis 1918, Heilbrunn 1993, S.59 und S.640. Nach Umwandlung der Landwirtschafts- und Gewerbeschule in eine Gewerbe- und Handelsschule im Jahr 1849 konnten die Absolventen aus Fürth zwar nicht mehr eine weiterführende landwirtschaftliche Schule, aber zum Beispiel neben der polytechnischen Schule in Nürnberg auch die dort als einzige Schule dieser Art in Bayern vorhandene Handelsschule besuchen. 70Vgl.: Emil Ammon, 400 Jahre Schule in Fürth, in: Stadt Fürth (Hrsg.), Fürth und seine Schulen. Vom Schulmeister zum Schulzentrum, Fürth 1974, S.6-29, hier:S.20. 71Johann Wilhelm Engelhardt (1816-1878) verfügte nach dem Besuch der Elementarschule in Fürth, der Lateinschule in Bayreuth, der höheren Bürgerschule und der polytechnischen Schule in Nürnberg über eine polytechnische Ausbildung, die die Fächer Analysis, Trigonometrie, Differenzial- und Integralrechnung, Geometrie, Physik und Chemie umfasste, und erhielt nach einem entsprechenden Antrag 1841 eine Konzession für eine Maschinenfabrik, die er auf einem Gelände an der heutigen Nürnberger Straße errichtete, das bis zur heutigen Hornschuchpromenade reichte. Nach der 1842 erfolgten Herstellung einer ersten Dampfmaschine für den eigenen Betrieb lieferte er fortan kostengünstigere, weil nicht importierte und mit Zöllen belegte Dampfmaschinen an andere örtliche Fabriken, so dass nach einer zeitgenössischen Auflistung 1866 bereits 18 Fabriken in Fürth über Dampfmaschinen verfügten,

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