und der Theaterstraße erfolgt. Als neuer Stadtteil entwickelte sich dabei seit 1850 das Viertel südlich des Rathauses, das sich von der südlichen Gartenstraße bis zur heutigen Rosen- und Blumenstraße erstreckte und Teil des bisherigen Gartengebietes war.76 Abgesehen von der Wohnbebauung zogen viele, meist kleinere Gewerbebetriebe mit bis zu fünf Beschäftigten, die sich in Hinterhöfen ansiedelten, und einige größere Gewerbebetriebe wie die Spiegelfabrik Bendit (Hirschenstraße/Rosenstraße), die Bilderbuchfabrik Löwensohn (Blumenstraße) oder die Bronzefarbenfabrik Ullmann (Mathildenstraße mit Unternehmervilla Ecke Schwabacher Straße) in das neue Viertel. Bis zur Reichsgründung 1871 entstanden in dem neuen Viertel auch ein in der Stadt Fürth nicht mehr und ein bislang noch nicht vorhandener Schultyp sowie insgesamt vier neue Schulgebäude. Der in der Stadt Fürth noch nicht vorhandene Schultyp war die Israelitische Bürgerschule, deren Unterricht im November 1862 in einem Gebäude Ecke Blumenstraße/Theaterstraße begonnen hatte und die von fünf Männern gegründet worden war, die nach den von Oberrabbiner Dr. Isaak Loewi (1804-1873) ab 1831 durchgeführten baulichen und rituellen Reformen bei der Religionsausübung nach wie vor der traditionellen Form der jüdischen Religionsausübung anhingen.77 Parallel zu den von Oberrabbiner Dr. Loewi 1831 angekündigten und ab 1833 durchgeführten baulichen und rituellen Reformen bei der Religionsausübung waren in Fürth zwischen 1830 und 1835 auch die drei auf Stiftungen beruhenden privaten Talmudschulen („Klaus-Schul“, „Schneiorsche Schul“, „Gabriel-Schul“) von den Behörden geschlossen worden.78 Nach der Schulverordnung von 1813 sollten jüdische Kinder zwar staatliche oder städtische Schulen besuchen und dort einen eigenen Religionsunterricht erhalten, den die jüdischen Gemeinden organisieren sollten, was in Fürth bislang auch geschehen war.79 Doch waren mit staatlicher Genehmigung jederzeit Sonderregelungen möglich, die bei der Gründung der Israelitischen Bürgerschule von den jüdischen Gemeindemitgliedern, die nach wie vor der traditionellen Form der jüdischen Religionsausübung
76Vgl.: Barbara Ohm, Fürth. Geschichte der Stadt, Fürth 2007, S.251. 77Vgl.: Barbara Ohm, Geschichte der Juden in Fürth, Fürth 2014, S.157-164: In seiner Antrittsrede als
Oberrabbiner in Fürth hatte Dr. Isaak Loewi, der 1804 in Adelsdorf geboren und 1827 an der von König Ludwig I.im Jahr 1826 von Landshut nach München verlegten Ludwig-Maximilian-Universität promoviert worden war, am 21. März 1831 angekündigt, dass der Platz an dem die Thora gelesen wird, von der Mitte der Synagoge an den Thoraschrein gerückt, die Bänke zweigeteilt, in Längsrichtung angeordnet und mit einem Mittelgang versehen sowie Emporen in die Synagoge eingebaut werden sollen, damit Frauen, die am Gottesdienst traditionell in einem gesonderten Nebenraum teilgenommen hatten, den Gottesdienst fortan im Hauptraum verfolgen konnten. Neben den baulichen Veränderungen führte Oberrabbiner Loewi auch andere Gebete sowie deutsch statt hebräisch für Gebete und Predigten ein. Außerdem verzichtete er auf den traditionellen Bart und trug als Amtskleidung Barett, Talar und Beffchen. Diese Veränderungen, die im 19. Jahrhundert bei den liberalen Synagogen in ganz Deutschland durchgeführt und in Fürth von einer großen Mehrheit der jüdischen Gemeindemitglieder geteilt wurden, stießen bis 1850 bei einer Minderheit der jüdischen Gemeindemitglieder, die nach wie vor der traditionellen Form der Religionsausübung anhingen, auf erhebliche Proteste, die erst erlahmten, als der oppositionelle zweite Rabbiner die Gemeinde verließ. 78„Den Hintergrund bildeten Bestrebungen zu einer Zentralisierung des bayerischen Unterrichtswesens. Private jüdische Talmundlehranstalten außerhalb der Kontrolle der Behörden passten somit nicht ins Bild.“ So Monika Berthold-Hilpert, „Ihnen fernerweit gönnen ihre Synagogen und anderer Nebenschulen, so viel selbiger benötigt“. Synagogen in Fürth (17. und 18. Jht.), in: nurinst 2002, Beiträge zur deutschen und jüdischen Geschichte, Band 1, Schwerpunktthema: Jüdisches Leben in Fürth (= Jahrbuch des Nürnberger Instituts für NS-Forschung und jüdische Geschichte des 20. Jahrhunderte, hrsg. von Jim G. Tobias und Peter Zinke, Nürnberg 2002, S.97-112, hier: S.103. 79Vgl.: Barbara Ohm, Geschichte der Juden in Fürth, Fürth 2014, S.171.
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