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besuchen mussten, bezogen auf den Schulweg eine kaum weitere als die bisher zu Fuß zurückzulegende Entfernung mit sich gebracht.114 An den Einrichtungen zum Milchtrinken während der großen Pause, dem Schul-Brausebad und der Schulterrasse im 1906 errichteten Elementarschulgebäude Pestalozzistraße/Schulstraße zeigte sich, dass die nach der Jahrhundertwende zunehmende öffentliche Gesundheitsfürsorge - die im Sinne der bakteriologischen und sozialen Hygiene weniger kurativ, sondern vor allem prophylaktisch und diagnostisch orientiert war - auch in Fürth den Schulbereich erfasst hatte. Ab 1908 gab es dann eine Schulspeisung und ab 1909 auch einen Schularzt, der den Nährwert der Schulspeisung mit 600 bis 700 Kalorien sogleich als zu niedrig bemängelte. Außerdem untersuchte der Schularzt fortan alle Schulanfänger/innen und hielt in jedem Schuljahr alle zwei Wochen eine Sprechstunde ab.115 Mit dem 1909 fertiggestellten Elementarschulgebäude an der Frauenstraße,116 das über eine ähnliche architektonische Gestaltung und Lage im Grünen wie die Elementarschule Pestalozzistraße/Schulstraße und zugleich in einem Anbau über ein öffentliches Brause- und Wannenbad verfügte, gab es in Fürth nun insgesamt 12 Elementarschulen. Die Elementarschule an der Frauenstraße diente damals der Beschulung von Kindern, die entweder in den Arbeiterwohnungen des „Glasscherbenviertels“ um die Waldstraße wohnten,117 das unmittelbar an die über 1.000 Beschäftigte verfügende Spiegelfabrik Wiederer angrenzte, oder in den 1899/1900 an der Kaiserstraße, Frauenstraße, Dr.-Beeg-Straße als vier- bis fünfgeschossiger Blockrandbebauung errichteten günstigen Mietwohnungen des 1898 gegründeten Mieter- und Hausbauvereins (ab 1939 Bauverein Fürth) lebten.118 Neben der Arbeiterbewegung, die die Entwicklung des Schulwesens in Fürth im Elementarbereich schon bei der Einführung der Gemeinschaftsschulen und bei der Abschaffung des Schulgeldes Ende der 1860er/Anfang der 1870er Jahre beeinflusst und 114Das 1888 in Poppenreuth errichtete Elementarschulhaus hinter der Kirche wurde nach der Eröffnung

der Pestalozzischule im Jahr 1906 noch weiter genutzt, und zwar entsprechend der Kirchensprengelzuordnung für Kinder der Gemeinden Höfles, Schnepfenreuth, Sack, Braunsbach, Bislohe und Ronhof. „Dies änderte sich erst mit der Eingemeindung von Höfles und Schnepfenreuth 1926 in die Stadt Nürnberg, Ronhof in die Stadt Fürth 1927 und dem Schulhausbau in Sack von 1930.“ Vgl.: Pestalozzischule Fürth (Hrsg.), 100 Jahre Pestalozzischule 1906-2006, Fürth 2006, S.35. 115Vgl.: Barbara Ohm, Fürth. Geschichte der Stadt, Fürth 2007, S.221f. Durch eine Spende des Weberfabrikanten Christian Heinrich Hornschuch (1838-1912) gab es in Fürth ab 1907 sogar eine Schulzahnklinik, wobei allerdings nicht klar ist, ob diese nur prophylaktisch und diagnostisch oder auch kurativ orientiert war. Vgl. zur Erwähnung ohne weitere Erläuterungen: Adolf Schwammberger, Fürth von A-Z. Ein Geschichtslexikon. Textlich unveränderter Neudruck der Ausgabe von 1968, Neustadt an der Aisch 1988, S.180 und S.333. 116Vgl.: Emil Ammon, 400 Jahre Schule in Fürth, in: Stadt Fürth (Hrsg.), Fürth und seine Schulen. Vom Schulmeister zum Schulzentrum, Fürth 1974, S.6-29, hier: S.27. 117Vgl. zur Beschäftigtenzahl der Spiegelfabrik Wiederer als größter örtlicher Fabrik im Jahr 1913: Barbara Ohm, Fürth. Geschichte der Stadt, Fürth 2007, S.203. 118Da die Südstadt damals nur im Gebiet zwischen Karolinenstraße, nördliche Amalienstraße und Karlstraße sowie entlang der Schwacher Straße und der Ludwigstraße bis zur Holzstraße und im Gebiet um die Waldstraße relativ flächendeckend, aber ansonsten eher punktuell wie entlang der Kaiserstraße und der Flößaustraße westlich der Schwabacher Straße mit Wohngebäuden bebaut war, dürfte das Raumprogramm der 1909 fertiggestellten Elementarschule an der Frauenstraße auch bereits für weitere Wohnbebauungen ausgelegt worden sein, die in der Südstadt perspektivisch zu erwarten waren. Vgl. zum Stand der Bebauung in der Südstadt: Gerd Walther, Hartmut Beck, Bild und Erinnerung. Fürther Luftaufnahmen 1916 bis 1945, Nürnberg 1998, S.52f. (Luftbild Paulskirche vor 1922) und S.58f. (Luftbild Heinrichskirche um 1930).

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