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die ebenfalls auf einer Stiftung beruhende und 1912 eröffnete KrautheimerKrippe.126
Die 1907 am Tannenplatz eröffnete höhere Mädchenschule war auf einen siebenjährigen Besuch nach dreijähriger Elementarschulzeit ausgerichtet und hatte im ersten Schuljahr bereits 358 Schülerinnen, weil zwei Privatschulen in ihr aufgingen, die 1848 und 1889 gegründet worden waren.127 Nach einer 1911 erlassenen Schulordnung, mit der das höhere Mädchenbildungswesen in Bayern erstmals organisatorisch geregelt wurde,128 erhielt die höhere Mädchenschule am Tannenplatz eine Schuldauer von sechs Jahren nach vierjähriger Elementarschulzeit und durch Ministerialentschließung vom 15. Mai 1912 die Bezeichnung Konfessionell gemischte städtische höhere Mädchenschule mit anschließender Frauenschule und angeschlossener Handelsschule für Mädchen.129 Der Unterricht bestand nach der Schulordnung von 1911 in allen sechs Schuljahren aus den Pflichtfächern Religion, Deutsch, Französisch, Geschichte, Erdkunde, Rechnen und Raumlehre, Zeichnen, Handarbeit, Turnen und Gesang, in den ersten beiden Schuljahren auch aus dem Pflichtfach Schreiben und insgesamt aus folgenden Wahlfächern: Englisch in den letzten drei Schuljahren, Stenographie in den letzten zwei Schuljahren und Schulküche im letzten Schuljahr.130 Die mit der Schulordnung von 1911 an höheren Mädchenschulen für die letzten zwei Schuljahre oder das letzte Schuljahr eingeführte Frauenschule sollte die Schülerinnen auf die späteren kulturellen und sozialen Aufgaben der Frau vorbereiten.131 Nach dem Schulabschluss und einer weiteren Ausbildung konnten die Mädchen beispielweise als Erzieherinnen oder Elementarschullehrerinnen tätig werden. Alternativ konnten sie in
126Vgl.: Barbara Ohm, Fürth. Geschichte der Stadt, Fürth 2007, S.224f. (Volksbildungsverein und Be-
rolzheimerianum), S.222f. (Nathan-Stift), S.223 (Krautheimer Krippe) und S.285 (Höhere Mädchenschule). 127Vgl.: Emil Ammon, 400 Jahre Schule in Fürth, in: Stadt Fürth (Hrsg.), Fürth und seine Schulen. Vom Schulmeister zum Schulzentrum, Fürth 1974, S.6-29, hier: S.24. 128Durch die Schulordnung von 1911 ergab sich für die Mädchenbildung in Bayern folgende Struktur: Gliederung des höheren Mädchenschulwesens in Bayern nach der Schulordnung von 1911 Lebensjahr 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 Schuljahr 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 Allg. und berufl. Elementarunterricht in Volksschule Fortbildungsschule Real- Frauena) Höhere Mädchenschule Elementaruntericht abt. schule (Volksschule oder privat) Gymnasiale bzw. realgymnasiale Kurse b) Präparandenkurse Seminarkurse c) Handelsschule a) Anschließend Erzieherinnenprüfung. b) Anschließend Absolutorium (Abiturprüfung). Vgl.: Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 4. Erster Teil: Geschichte der Schulen in Bayern. Epochenübergreifende Spezialuntersuchungen. Zweiter Teil: Geschichte der Universitäten, der Hochschulen, der vorschulischen Einrichtungen und der Erwachsenenbildung in Bayern, Bad Heilbrunn/Oberbayern 1997, S.28. 129Vgl.: Helene-Lange-Gymnasium (Hrsg.), 100 Jahre Helene-Lange-Gymnasium Fürth 1907-2007, Festschrift, Fürth 2007, S.28. 130Vgl.: Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 4. Erster Teil: Geschichte der Schulen in Bayern. Epochenübergreifende Spezialuntersuchungen. Zweiter Teil: Geschichte der Universitäten, der Hochschulen, der vorschulischen Einrichtungen und der Erwachsenenbildung in Bayern, Bad Heilbrunn/Oberbayern 1997, S.30 131Vgl.: Ebd., S.35f.
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