Fürth nach drei Jahren höherer Mädchenschule auch an die Handelsschule für Mädchen wechseln und danach kaufmännische oder administrative Berufstätigkeiten ausüben.132 Die organisatorisch an die höhere Mädchenschule angeschlossene kaufmännische Handelsschule für Mädchen, die seit 1909 wegen des starken Andrangs über ein eigenes Gebäude verfügte,133 hatte zunächst eine Schuldauer von zwei Jahren und erhielt 1910 für den Unterricht im Maschinenschreiben einen Raum mit 15 Schreibmaschinen und ein Übungskontor für den praktischen kaufmännischen Unterricht. Mit der 1911 erlassenen Schulordnung über das höhere Mädchenschulwesen in Bayern wurde die Schuldauer dann auf drei Jahre ausgedehnt,134 womit die Handelsschule zu einer Fachschule wurde,135 die von Mädchen entweder nach vier Jahren Elementarschule und drei Jahren an der höheren Mädchenschule oder nach der erfolgreichen Absolvierung der siebenjährigen Elementarschulzeit besucht werden konnte. Aufgrund der nach der Jahrhundertwende allgemein zunehmenden kaufmännischen Verwaltungs- und Vertriebstätigkeiten war die Schule in einer expandierenden Gewerbe- und Handelsstadt wie Fürth für die Ausbildung von Fachpersonal sicherlich von besonderer Bedeutung. Nach Fertigstellung der Gebäude für die höhere Mädchenschule und die Handelsschule für Mädchen am Tannenplatz in den Jahren 1907 und 1909 erhielt auch die seit 1879 im Elementarschulgebäude Hirschenstraße untergebrachte königliche Realschule 1912 ein neues Gebäude an der Kaiserstraße. Trotz der bis 1883 durchgeführten räumlichen Anpassungen waren Schulleitung, Lehrer und Schüler mit dem Standort an der Hirschenstraße nie so richtig zufrieden gewesen, weil der Lärm umliegender Gewerbebetriebe wie das rhythmische Stampfen einer Bronzepulverfabrik und der Lärm des mit dem Bevölkerungswachstum zunehmenden Verkehrs als störend empfunden wurden. Ab 1897 hatte sich deshalb der von 1894 bis 1909 amtierende Rektor Dr. Heinrich Langhans (1844-1921) immer wieder an den Magistrat gewandt, um einen Neubau an einem anderen Standort zu erwirken. Als aufgrund des Bevölkerungszuwachses auch noch die Schülerzahl auf 452 Personen im Schuljahr 1903/04 stieg und in den Folgejahren weiter zunahm, wurden die Planungen zu einem Neubau aufgenommen, denen die städtischen Gremien 1909 zustimmten.136
132Vgl.: Ebd., S.31: „1913 hielt das Ministerium in einer Veröffentlichung die beruflichen Möglichkeiten
für Mädchen nach einem Besuch der höheren Mädchenschule fest. Neben verschiedenen Tätigkeiten als Lehrerin für Elementarunterricht, Handarbeit, Turnen, Zeichnen, Musik, Stenographie konnten die Mädchen sich für die Arbeit als Büroassistentinnen bei Verwaltungen, Post und Eisenbahn entscheiden.“ 133Vgl.: Emil Ammon, 400 Jahre Schule in Fürth, in: Stadt Fürth (Hrsg.), Fürth und seine Schulen. Vom Schulmeister zum Schulzentrum, Fürth 1974, S.6-29, hier: S.25. 134Vgl.: Hans-Böckler-Schule, städtische Real- und Wirtschaftsschule (Hrsg.), Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum, Fürth, 2009, S.15f. 135Vgl. dazu: Max Liedtke (Hg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 2, Geschichte der Schule in Bayern von 1800 bis 1918, Heilbrunn 1993, S.442: Städtische Handelsschulen „waren ein weiterer Zweig der Fachschulen, die aufgrund der neuen wirtschaftlichen Gegebenheiten, die vom Agrarstaat wegführten, notwendig wurden… Sie wurden über drei Kurse geführt… Als Besonderheit hatte München die städtische Riemenschmid’sche Handelsschule für Mädchen, die 1900/01 von 461 Schülerinnen besucht wurde (…). 1901/02 kam eine ebensolche mit 286 Mädchen in Nürnberg hinzu.“ 136Vgl.: Hermann Ott, Vom Altstadthaus zum Repräsentationsbau in der Kaiserstraße. Die wechselnden Domizile des Hardenberg-Gymnasiums, in: Fürther Heimatblätter. Nr.4/1983, S.113-129, hier: S.122f.
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