Als Standort für den Neubau der königlichen Realschule wurde ein Grundstück an der Kaiserstraße gewählt, das in unmittelbarer Nähe zu der 1909 fertiggestellten Elementarschule an der Frauenstraße und der 1910 für die in Fürth gewachsene Anzahl katholischer Arbeitskräfte aus der Oberpfalz und als Garnisonskirche für katholische Militärangehörige errichteten Kirche St. Heinrich und damit weitgehend im Grünen lag.137 Das Schulgebäude wurde 1911/12 in einer der zeitgenössischen Architektur und Ausstattung entsprechenden hochmodernen Art gebaut und war mit 22 Klassenräumen, einem Biologiesaal, zwei Chemie-, drei Physik- und drei Zeichensälen bereits für eine Oberrealschule konzipiert,138 die nach den 1900 eingeführten Regelungen eine Unterrichtsdauer von neun Jahren statt einer Unterrichtsdauer von nur sechs Jahren an Realschulen umfasste und deren Abschlusszeugnis zu einem mathematischen, naturwissenschaftlichen oder technischen Studium berechtigte.139 Die von Bürgermeister Kutzer (1864-1948), der in Fürth seit 1901 amtiert hatte und 1914 als Bürgermeister nach Mannheim ging,140 verfolgte Absicht, durch eine bauliche Vorleistung für eine Oberrealschule von der Regierung auch die Genehmigung für den Betrieb zu erhalten, scheiterte allerdings daran, dass der Landtag 1907 beschlossen hatte, in jedem Regierungsbezirk nur eine Oberrealschule zuzulassen und es in Nürnberg bereits eine Kreisoberrealschule gab.141 Parallel zu den Bemühungen um die den Anforderungen der Zeit entsprechende Neubautätigkeiten im Bereich der Elementarschulen (Pestalozzistraße/Schulstraße 1906, Frauenstraße 1909) und der weiterführenden Schulen (Humanistisches Gymnasium 1896, höhere Mädchenschule mit anschließender Frauenschule und angeschlossener Handelsschule für Mädchen 1907/1909, Neubau für die königliche Realschule mit baulicher Ausstattung für eine Oberrealschule 1912) war in Fürth kurz vor der Jahrhundertwende auch die berufliche Bildung wieder in Bewegung geraten, als 1899 eine 137Vgl. zur gewachsenen Anzahl von Katholiken in Fürth, die 1911 an der Kirche St. Heinrich erstmals
in Fürth auch eine Fronleichnamsprozession durchführen dürften: Barbara Ohm, Fürth. Geschichte der Stadt, Fürth 2007, S.178f. 138Vgl.: Hermann Ott, Vom Altstadthaus zum Repräsentationsbau in der Kaiserstraße. Die wechselnden Domizile des Hardenberg-Gymnasiums, in: Fürther Heimatblätter. Nr.4/1983, S.113-129, hier: S.126. 139Vgl. den Artikel Oberrealschule, in: www.wikipedia.de, hier: Ausdruck vom 14.03.2017: Oberrealschulen waren in Preußen bereits ab 1882 eingeführt worden, entsprachen zwar nicht fachbezogen, aber von der Unterrichtsdauer den humanistischen Gymnasien und hingen in einem Zeitalter zunehmender Technologisierung als Vorbildungsinstanzen eng mit der Entwicklung der technischen Hochschulen zusammen. Siehe dazu auch den Artikel Technische Hochschule, in: www.wikipedia.de, hier: Ausdruck vom 07.09.2017: Durch die im Verlauf des 19. Jahrhunderts zunehmende Technologiesierung hatten sich die bis 1850 entstandenen und ursprünglich nur praxisorientierten polytechnischen Schulen immer mehr zu praxis- und forschungsorientierten technischen Hochschulen entwickelt und wurden zwischen 1864 und 1890 auch offiziell zu technischen Hochschulen umbenannt. Ab 1899 erfolgte dann die von den technischen Hochschulen seit längerem geforderte Gleichstellung mit den Universitäten, als Kaiser Wilhelm II den technischen Hochschulen in Preußen das Recht zur Verleihung akademischer Grade (Dipl.-Ing.) und zur Promotion (Dr. Ing.) verlieh. Bis 1901 folgten die übrigen Länder im Deutschen Reich dem Beispiel Preußens und gewährten ihren technischen Hochschulen ebenfalls das Recht zur Promotion. 140Der Wechsel von Bürgermeister Kutzer nach Mannheim im Jahr 1914 hing damit zusammen, dass seine 1912 in einer Denkschrift formulierten Gedanken zu einer Vereinigung von Nürnberg und Fürth von der örtlichen Bevölkerung missbilligt wurden und sich in Fürth ein Freies Bürgerkomitee bildete, das Bürgerversammlungen gegen eine Vereinigung der beiden Städte veranstaltete. Vgl.: Barbara Ohm, Fürth. Geschichte der Stadt, Fürth 2007, S.281: „Der Verwaltungsfachmann betrachtete die Vereinigung nur von praktischen Standpunkten. Die Fürther Empörung war aber so groß, dass Bürgermeister Kutzer sich um einen neuen Posten umsehen musste, und nach Mannheim wechselte.“ 141Vgl.: Hermann Ott, Vom Altstadthaus zum Repräsentationsbau in der Kaiserstraße. Die wechselnden Domizile des Hardenberg-Gymnasiums, in: Fürther Heimatblätter. Nr.4/1983, S.113-129, hier: S.123.
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