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schule am Tannenplatz die Turnhalle, zwei Klassenräume und die WC-Anlage im Erdgeschoss dem Militär überlassen werden, das dort 250 Soldaten unterbrachte. Die Schulküche wurde in eine Volksküche zur Speisung der Arbeitslosen und der durch die Einberufungen bei der Armenfürsorge bedürftig gewordenen Familienangehörigen umgewandelt.158 Insgesamt wurde der Unterricht damals nicht nur durch die Raumnot, zu deren Beseitigung die Stadt Fürth 1916 auf einer Grundfläche Ecke Schwabacher Straße/Jahnstraße ein Schulpavillon errichtete,159 sondern auch dadurch beeinträchtigt, dass sich die Schüler/innen aller Schulen an Geld- und Materialsammlungen, Siegesfeiern und der Fertigung von „Liebesgaben“ (z.B. Strümpfe, Handschuhe, Pullover) für die Soldaten beteiligen mussten. Daneben gingen Elementarschüler/innen nach Erfüllung der Unterrichtspflicht mit dem 13. Lebensjahr sogleich in die Kriegsindustrie, wo sie ungelernte oder angelernte Tätigkeiten wahrnehmen mussten.160 Mangels Berufsausbildung entwickelten sich die kurz vor Kriegsbeginn durch einen Beschluss des Gemeindekollegiums für verbindlich erklärten Berufsfortbildungsschulen nun zu reinen Volksfortbildungsschulen im Sinne der Kriegspropaganda. Auswirkungen im Sinne der schulischen Kriegspropaganda entwickelte im Ersten Weltkrieg auch die vom Militär betriebene Errichtung eines Flugplatzes auf einem Hochplateau zwischen Unterfarrnbach und Atzenhof, wozu die Stadt Fürth bereits im Mai 1914 und damit noch in Friedenszeiten eine Zusage für einen Zuschuss zum Grunderwerb und zum Bau einer Wasserleitung abgegeben hatte. Nach einer vom Königreich Bayern durchgeführten Enteignung der erforderlichen Grundflächen von 131 ha wurde von 1916 bis September 1917 zunächst eine Eisenbahnverbindung vom Haltepunkt der Hauptstrecke Nürnberg-Würzburg in Unterfürberg über die Hardhöhe bis zum Flugplatz hergestellt und anschließend bis Sommer 1918 eine Flugzeugwerft, Flugzeughallen sowie Mannschafts- und Offiziersgebäude errichtet. Schon während der Bauzeit war der Militärflugplatz in die vaterländische Kriegs- und Durchhaltepropaganda eingebunden worden und wurde im Juli 1917 von der Abschlussklasse der höheren Mädchenschule unter Aufsicht des Direktors besucht. Außerdem wurden 1917 insgesamt 3.000 Schüler/innen aus der Stadt Fürth in eine in Nürnberg stattfindende Kriegs-Luftfahrt-Ausstellung des bayerischen Landesverbandes des Deutschen Luftflottenvereins geschickt. Zum 1. Januar 1918 ließen sich dann die Dörfer Atzenhof und Unterfarrnbach nach Fürth eingemeinden,161 womit nicht nur das Stadtgebiet um 844 ha von 2.462 ha auf 3.306 ha wuchs,162 sondern die Stadt Fürth auch das 1884 errichtete Elementarschulgebäude in Unterfarrnbach übernahm.163 158Vgl.:

Helene-Lange-Gymnasium (Hrsg.), 100 Jahre Helene-Lange-Gymnasium Fürth 1907-2007, Festschrift, Fürth 2007, S.28, 159Vgl.: Adolf Schwammberger, Fürth von A-Z. Ein Geschichtslexikon. Textlich unveränderter Neudruck der Ausgabe von 1968, Neustadt an der Aisch 1988,, S.332. 160Vgl. dazu: Ludwig Preller, Sozialpolitik in der Weimarer Republik. Unveränderter Neudruck des erstmals 1948 erschienenen Werkes, Kronberg/Taunus, Düsseldorf 1978, S.10. „Nicht nur die Körper waren bedroht. Wachsend zeigten sich auch sittliche Schäden der Kriegsarbeit und der Kriegsverhältnisse. Insbesondere wurde die steigende sittliche Verwahrlosung eine ernste Sorge. Schon 1915 begannen hierüber die Klagen. Waren zunächst noch mangelnde häusliche Verhältnisse, ungenügende Beaufsichtigungsmöglichkeiten und die Mängel des Kriegs-Schulbetriebs als Ursachen anzusprechen, so zeigten sich bald auch die Folgen der verstärkten Heranziehung der Jugendlichen für die Kriegsproduktion.“ 161Vgl.: Barbara Ohm u.a., „Fliegen, nur fliegen!“ – Der erste Nürnberg-Fürther Flughafen auf der Atzenhofer Heide. Geschichte – Technik – Erinnerungen, Bamberg, 2. Auflage 2003, S.5-14. 162Vgl.: Stadt Fürth, Amt für Statistik und Wahlen (Hrsg.), Statistisches Jahrbuch 2004 der Stadt Fürth, Stadt Fürth 2005, Tabelle 2.6, Entwicklung des Stadtgebietes. S.25. 163Vgl.: Evangelisch-Lutherisches Pfarramt St. Johannis (Hrsg.), Die Schulen in Burgfarrnbach, Teil 1, Fürth 2003, Zeittafel, S.15.

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