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auf, am Aufbau eines Volksstaates mitzuwirken. Während sich Oberbürgermeister Dr. Wild in Fürth bereiterklärte, sein Amt nach Kräften weiterzuführen,173 verkündete Reichskanzler Prinz Max von Baden in Berlin die Abdankung des Kaisers und übergab die Reichskanzlerschaft an Friedrich Ebert (MSPD). Danach erklärte Philipp Scheidemann (MSPD) von einem Fenster des Reichstagsgebäudes, dass die Revolution auf der ganzen Linie gesiegt habe und rief die Republik aus. Am Nachmittag rief Karl Liebknecht (1871-1918), der seit seiner zusammen mit einem weiteren Mitglied der SPDReichstagsfraktion im Dezember 1914 verweigerten Zustimmung zu Kriegskrediten der erste und bekannteste Kriegsgegner gewesen war und dem Spartakusbund als linker Flügel der USPD angehörte, eine sozialistische Republik aus. Am Abend wurde in Berlin ein aus je drei Vertretern der MSPD und der USPD bestehender Rat der Volksbeauftragten gebildet und nach Rücksprache mit Reichskanzler Ebert unterschrieb der Zentrumsabgeordnete Matthias Erzberger, der die Reichstagsresolution zu einem Verständigungsfrieden im Juni 1917 initiiert hatte, am 11. November 1918 in Frankreich ein Waffenstillstandsabkommen mit den Entente-Mächten.174 Einen Tag später, am 12. November 1918 verkündete der Rat der Volksbeauftragten die Einführung eines Achtstundentages und eines Wahlrechts für alle Männer und Frauen. Bei Kriegsende waren in der Stadt Fürth offiziell 1.835 Kriegstote zu verzeichnen, darunter 54 junge Frauen, die als Munitionsarbeiterinnen im April 1917 bei einer Explosion im Pulvermagazin an der Schwabacher Straße 400 ums Leben gekommen waren.175 Gemessen am Bevölkerungsanteil und den reichsweit 800.000 an den Folgen der Mangelernährung Verstorbenen dürften in der Stadt rechnerisch außerdem rund 850 Menschen Opfer der desolaten Ernährungslage geworden sein, was auch am Rückgang der Einwohnerzahl deutlich wird, die im Verlauf des Krieges von 70.795 Personen Ende 1914 auf 68.310 Personen Ende 1918 gesunken war.176 Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges 1918 kam es in der Stadt Fürth mit dem 1919 an der Jahnstraße errichteten Neubau für die 1899 gegründete und im Gebäude Mathildenstraße 9 untergebrachte landwirtschaftliche Winterschule bis zum Ende der Weimarer Republik 1933 lediglich zu einem einzigen Schulgebäudeneubau. Daneben wurde 1928 mit der Fertigstellung der Jahnturnhalle an der Theresienstraße und 1929 mit der Einweihung des auf einer Stiftung beruhenden Hans-Lohnert-Sportplatzes an der Jahnstraße das Schul- und Vereinsportangebot verbessert. Während der infrastrukturelle Ausbau des örtlichen Schulwesens in den zwanziger Jahren weitgehend stagnierte, kam es im allgemeinen Schulwesen zu zahlreichen grundlegenden Veränderungen, die sich auch in der Stadt Fürth niederschlugen und sogleich nach der Revolution im November 1918 begannen.

173Vgl. zu den Ereignissen in Fürth, Emil Ammon, Fürth, Düsseldorf 1984, S. 67 und S.70. Siehe auch:

DGB-Kreisvorstand Fürth (Hrsg.), Die Revolution 1918/19 in Fürth. Erster Weltkrieg, Revolution, Räterepublik, Fürth 1989. 174Vgl. die Chronik in: Gerhard Hirschfeld, Gerd Krummeich. Deutschland im Ersten Weltkrieg, Frankfurt/Main 2013, S.321-323. 175Vgl.: Barbara Ohm, Fürth. Geschichte der Stadt, Fürth 2007, S.276. Siehe auch: Alexander Mayer, Vor 85 Jahren forderte eine Explosion 54 Opfer - Schrecklich tragisch, Gedenkstein von der Äußeren Schwabacher Straße verschwunden, in: Fürther Nachrichten vom 26.04.2002, Lokalteil S.5. 176Vgl.: Stadt Fürth, Amt für Statistik und Wahlen (Hrsg.), Statistisches Jahrbuch 2004 der Stadt Fürth, Stadt Fürth 2005, S.33, Tabelle 3.1, Die Entwicklung des Bevölkerungsstandes nach dem jeweiligen Gebietsstand.

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