Heinrich Schulz (MSPD) rund 650 Bildungsexperten/innen, darunter Vertreter der Kultusministerien der Länder, der Kirchen, der Reformpädagogik, der Landschulbewegung, der Einheitsschule und der Lehrer/innenverbände eingeladen hatten, alle Reformbestrebungen und Streitpunkte zu Tage getreten, die die bildungspolitische Diskussion zum Teil bis in die Gegenwart prägten: Ein Hauptstreitpunkt war dabei die Dauer der Grundschulzeit (vier oder sechs Jahre). Außerdem trat die MSPD für die kostenlose Einheitsschule auch in höheren Klassen, die Koedukation und eine wissenschaftliche Ausbildung aller Lehrer/innen ein. Die DDP äußerte Bedenken gegen eine Abschaffung des Gymnasiums und das Zentrum plädierte zusammen mit den Kirchen für Konfessionsschulen.212 Während die Reichschulkonferenz in Berlin die bildungspolitischen Differenzen offenbarte, stimmte der Stadtrat in Fürth, in dem seit der auch auf kommunaler Ebene erstmals nach allgemeinem Wahlrecht für alle Männer und Frauen ab dem 21. Lebensjahr durchgeführten Stadtratswahl vom 15. Juni 1919 die MSPD über 14 Sitze, die USPD und die DDP über jeweils 10 Sitze, die BVP über 3 Sitze, der Verein zur Wahrung der Interessen der Stadt Fürth über 2 Sitze sowie die Beamtenliste über 1 Sitz verfügte und auch drei Frauen (zwei von der MSPD und eine von der DDP) vertreten waren,213 am 8. Juli 1920 dem Antrag der Leitung der städtischen höheren Mädchenschule am Tannenplatz zu, Realgymnasialkurse einzuführen und der Schule eine Realabteilung anzugliedern.214 Gleichzeitig wurde mit Schuljahresbeginn 1920/21 die Handelsschule für Mädchen am Tannenplatz für Knaben geöffnet.215 Daneben erhielt die 1877 aus der Gewerbeschule mit Handelsabteilung hervorgegangene und sechs Jahrgangsstufen umfassende Realschule für Knaben, deren 1912 an der Kaiserstraße eröffneter Neubau bereits für eine Oberrealschule konzipiert worden war, 1920 die staatliche Genehmigung als Oberrealschule mit neun Jahrgangsstufen, womit dort ebenfalls eine Hochschulreife angestrebt werden konnte.216 Durch eine Verordnung des Kultusministeriums zur Umbenennung von landwirtschaftlichen Winterschulen in landwirtschaftliche Schulen wurde 1921 auch die landwirtschaftliche Winterschule in Fürth in ihrem 1919 fertiggestellten Neubau an der Jahn-
212Vgl. den Artikel Reichsschulkonferenz 1920, in: www.wikepedia.de, hier: Ausdruck vom 08.05.2018. 213Vgl.: DGB-Kreisvorstand Fürth (Hrsg.), Die Revolution 1918/19 in Fürth. Erster Weltkrieg, Revolution,
Räterepublik, Fürth 1989., S.45. Helene-Lange-Gymnasium Hrsg.), 100 Jahre Helene-Lange-Gymnasium Fürth 1907-2007, Festschrift, Fürth 2007, S.28. Siehe auch: Max Liedtke (Hg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 2: Geschichte der Schule in Bayern von 1800 bis 1918, Heilbrunn 1993, S.439. An höheren Mädchenschulen gab es die Möglichkeit, ab der 7. Jahrgangsstufe realistische oder humanistische Gymnasialkurse einzuführen, sofern ein besonderes Bedürfnis bestand und die Schule räumlich und personell den Anforderungen entsprach. 215Vgl.: Adolf Schwammberger, Fürth von A-Z. Ein Geschichtslexikon. Textlich unveränderter Neudruck der Ausgabe von 1968, Neustadt an der Aisch 1988, S 162. 216Vgl.: Hermann Ott, Vom Altstadthaus zum Repräsentationsbau in der Kaiserstraße, Die wechselnden Domizile des Hardenberg-Gymnasiums, in: Fürther Heimatblätter. Nr.4/1983, S.113-129, hier: S.123. Ergänzend anzumerken ist, dass die Umwandlung der königlichen Realschule an der Kaiserstraße zur Oberrealschule abgesehen von den bereits erfüllten baulichen Voraussetzungen auch darauf zurückzuführen war, dass sich die in Bayern seit 1908 bestehenden und auf die Regierungsbezirke verteilten neun Kreisoberrealschulen aufgrund der mittlerweile verdreifachten Schülerzahl zu Mammutanstalten entwickelt hatten und zur Entlastung weitere Oberrealschulen für erforderlich erachtet wurden. Siehe dazu: Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 3: Geschichte der Schulen in Bayern. Von 1918 bis 1990, Bad Heilbrunn/Oberbayern 1997, S.37. 214Vgl.:
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