straße zu einer Landwirtschaftsschule mit entsprechenden Lehrplänen zur Berufsfortbildung.217 Außerdem war mit Verordnung vom 29. Februar 1921 in Bayern für alle öffentlichen Schultypen sowie für alle Städte und ländlichen Regionen erstmals ein einheitliches Schuljahr festgelegt worden, das jeweils vom 1. Mai bis 30. April dauern sollte.218 Mit Ministerialbekanntmachung vom 22. Mai 1922 wurde dann auch die Vereinheitlichung der Ferienordnungen aller öffentlichen Schultypen sowie zwischen Städten und ländlichen Regionen und eine Gesamtferiendauer einschließlich der in den Ferien liegenden Sonn- und Feiertage auf 85 Kalendertage im Jahr eingeführt. Davon entfielen zum Beispiel 1922 und 1929 jeweils 14 bzw. 16 Tage auf die Weihnachtsferien, 21 bzw. 20 Tage auf die Osterferien (= Schuljahresabschlussferien), 1 Tag bzw. 2 Tage auf die Pfingstferien und 41 bzw. 47 Tage auf die Sommerferien.219 Zwischen der Einführung eines einheitlichen Schuljahres im Februar 1921 und der Einführung einer einheitlichen Ferienordnung im Mai 1922 war der seit 16. März 1920 amtierende Ministerpräsident Ritter von Kahr im September 1921 aus Protest gegen das nach der Ermordung von Matthias Erzberger durch die Organisation Konsul220 von der Reichsregierung erlassene Republikschutzgesetz zurückgetreten, da damit auch die von ihm im März 1920 geschaffenen Einwohnerwehren in Bayern verboten wurden.221 Gleichzeitig wurde die Regierungskoalition aus BVP, DDP und Bauernbund fortgesetzt und Graf von und zu Lerchenfeld (1871-1944, BVP) zum Ministerpräsidenten gewählt. Kultusminister blieb Franz Matt (BVP), der ein Gesetz über Schulpflege, Schulleitung und Schulaufsicht an den Volksschulen einbrachte, welches der Landtag nach heftigen Debatten am 1. August 1922 verabschiedete. Nach dem Gesetzestext sollte in Zukunft für jede Schule wieder eine eigene Schulpflegschaft bestehen mit dem jeweiligen Pfarrer als ständigem Mitglied. Außerdem wurde anstelle der 1919 eingeführten kollektiven Schulleitung die autoritative Schulleitung reaktiviert sowie ein Bezirksschulrat festgelegt, der ausschließlich vom Kultusministerium und ohne Mitwirkung der Lehrer/innen zu bestimmen war.222
217Vgl.: Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 3: Ge-
schichte der Schulen in Bayern. Von 1918 bis 1990, Bad Heilbrunn/Oberbayern 1997, S.66. 218Vgl.: Ebd., S.63. 219Vgl.: Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 4. Ers-
ter Teil: Geschichte der Schulen in Bayern. Epochenübergreifende Spezialuntersuchungen. Zweiter Teil: Geschichte der Universitäten, der Hochschulen, der vorschulischen Einrichtungen und der Erwachsenenbildung in Bayern, Bad Heilbrunn/Oberbayern 1997, S.237. Zuvor waren die Ferienordnungen seit 1802 durch die Regelungen für die Winterschulen in ländlichen Gebieten und die Ganzjahresschulen in Städten im Elementarbereich, zur täglichen Unterrichtsdauer zwischen dem Elementarbereich (in Städten nur vormittags, in ländlichen Regionen während der Winterschule vormittags und nachmittags mit zweistündiger Mittagspause für ein Essen zuhause) und den höheren Schulen (ganzjährig vormittags und nachmittags mit zweistündiger Mittagspause für ein Essen zuhause) sowie zwischen den einzelnen Regierungsbezirken höchst unterschiedlich gewesen. Zu diesen Unterschieden war bereits in einer Ministerialentschließung vom 26. Februar 1914 festgestellt worden, dass die Gesamtdauer der Ferien in den bayerischen Regierungsbezirken zwischen 66 und 82 Kalendertagen im Jahr schwankte (vgl. ebd., S.235f.). 220Die Organisation Konsul war eine Geheimorganisation, die Korvettenkapitäns Hermann Ehrhardt (1871-1971) nach Auflösung seiner am Kapp-Lüttwitz-Putsch beteiligten Marine-Brigade gegründet hatte und deren Mitglieder am 26. August 1921 den Zentrumspolitiker Matthias Erzberger und am 24. Juni 1922 Außenminister Walter Rathenau (DDP) durch Attentate ermordeten. Vgl. den Artikel Herrmann Ehrhardt, in: www.wikipedioa.de, hier: Ausdruck vom 01.06.2018. 221Vgl. den Artikel Gustav von Kahr, in: www.wikipedia.de, hier: Ausdruck vom 01.06.2018. 222Vgl. den Artikel Schulpolitik (Weimarer Republik), in: www.historisches-lexikon-bayern.de, hier: Ausdruck vom 04.05.2018.
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