In Fürth waren die Auswirkungen der Hyperinflation im Sommer 2023 ebenfalls spürbar zu Tage getreten. „Die Arbeiter bekamen täglich ihren Lohn, der sofort ausgegeben werden musste, weil das Inflationsgeld mit jeder Minute an Wert verlor.“227 Gleichzeitig brachten Geschäftsleute ihre Tageseinnahmen in Wäschekörben zur Stadtsparkasse, die ihr Personal von sechs auf siebzig Bedienstete erhöhen musste, die zeitweise im achtstündigen Turnus, Tag und Nacht, Scheine sortierten und zählten.228 Mit der Währungsreform im Herbst 1923 wurden auch in Fürth alle Sparguthaben und Kriegsanleihen ebenso wertlos wie die vielen Kapitalstiftungen für wohltätige und schulische Zwecke. Daneben gerieten zahlreiche selbstständige Kaufleute und Handwerker in finanzielle Notlagen und mussten Konkurs anmelden.229 Parallel zur Währungsreform erfolgte am 3. Dezember 1923 die Eingemeindung von Burgfarrnbach, mit der die Stadt Fürth das 1878 errichtete Schulgebäude Lehenstraße 15 und das 1903/04 errichtete Schulgebäude Zehentweg 5 übernahm230 und das Stadtgebiet um 884 ha von 3.306 ha auf 4.190 ha wuchs.231 Als nach der Währungsreform in Bayern mit Bekanntmachung vom 3. April 1924 die bisherigen höheren Mädchenschulen in Mädchenlyzeen, die bisherigen sechs Jahrgangsstufen umfassenden Mädchenmittelschulen in höhere Mädchenschulen und die 1916 eingeführten und drei Jahrgangsstufen ohne Fremdsprache umfassenden Mädchenschulen in Mädchenmittelschulen umbenannt wurden,232 beschloss der Stadtrat in Fürth am 17. April 1924 die städtische höhere Mädchenschule am Tannenplatz, die seit dem Schuljahr 1920/21 auch über Realgymnasialkurse und eine Realabteilung verfügte, in ein Mädchenlyzeum umzuwandeln. Durch ministerielle Zustimmung am 25. April 1924 wurde die Schule zum Städtischen Mädchenlyzeum mit Handelsschule in Fürth umbenannt.233 Verglichen mit den höheren Mädchenschulen nach der Schulordnung von 1911 gab es an Mädchenlyzeen ab 1924 statt einer Pflichtfremdsprache nun zwei Pflichtfremdsprachen (Englisch und Französisch), wissenschaftlich ausgebildete Lehrkräfte, von Jahre danach jeweils 2,5 Mrd. RM betragen sollten). Die Amerikaner hatten dabei auf die Schaffung einer von der Regierung unabhängigen Reichsbank bestanden, deren Grundkapital zu 80 % durch amerikanische Anleihen und zu 20 % durch die Reichsregierung aufgebracht werden sollte. Vgl. den Artikel Dawes-Plan, in: www.wickipedia.de, Ausdruck vom 28.02.2019. 227Vgl.: Barbara Ohm, Fürth. Geschichte der Stadt, Fürth 2007, S.279. 228Vgl.: Stadtsparkasse Fürth, 160 Jahre Stadtsparkasse Fürth. Geschichte und Leistung, in: Sonderausgabe der Stadtsparkasse aktuell zum 160. Geschäftsjahr, Fürth 1987, S.4. 229Vgl. zu den Folgen der Währungsreform: Ebd., S.4: Die Einlagen der Sparkasse, die vor dem Krieg fast 9 Millionen Mark umfasst hatten, reduzierten sich auf 2.284 Reichsmark. Siehe auch: Barbara Ohm, Fürth. Geschichte der Stadt, Fürth 2007, S.279, wo als Beispiele für den Konkurs eines selbstständigen Kaufmanns der Textilwarenhändler Wilhelm Erhard (Vater von Ludwig Erhard) und für den Untergang einer der zahlreichen Stiftungen Heinrich Morgenstern genannt werden. 230Vgl.: Evangelisch-Lutherisches Pfarramt St. Johannis (Hrsg.), Die Schulen in Burgfarrnbach, Teil 1, Fürth 2003, Zeittafel. Danach ist die Existenz eines Schulmeisters in Burgfarrnbach bereits für das Jahr 1504 nachweisbar (ebd., S.11). 1768 entstand in Burgfarrnbach dann ein Schulhausneubau an der heutigen Würzburger Straße 481 und 1825 ein Schulgebäude im alten Wehrkirchhof, das 1867 aufgestockt wurde, bevor 1878 der Schulhausneubau Lehenstraße 15 errichtet wurde, dem 1903/04 der zweite Schulhausneubau am Zehentweg 5 folgte (vgl. ebd., S.13-15). 231Vgl.: Stadt Fürth, Amt für Statistik und Wahlen (Hrsg.), Statistisches Jahrbuch 2004 der Stadt Fürth, Stadt Fürth 2005, Tabelle 2.6, Entwicklung des Stadtgebietes, S.25. 232Vgl.: Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 3: Geschichte der Schulen in Bayern. Von 1918 bis 1990, Bad Heilbrunn/Oberbayern 1997, S.69. 233Vgl.: Helene-Lange-Gymnasium (Hrsg.), 100 Jahre Helene-Lange-Gymnasium Fürth 1907-2007, Festschrift, Fürth 2007, S.29.
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