denen mindestens die Hälfte Frauen sein sollten, und einen berechtigenden Abschluss (Absolutorium), der von Eltern und Frauenvereinen seit 1911 und vor allem nach Kriegsende gefordert worden war.234 Durch den berechtigenden Abschluss des Mädchenlyzeums wurden die Schülerinnen nun mit den seit 1877 an Knabenrealschulen bestehenden Abschlüssen gleichgestellt. Außerdem erhielten sie die Möglichkeit, nach Abschluss des Mädchenlyzeums entweder eine Frauenschule oder eine Mädchenoberrealschule zu besuchen. Daneben bestanden durch den Besuch eines Mädchenlyzeums die Möglichkeiten, nach dem einschließlich der vierjährigen Elementarschulzeit insgesamt siebten Schuljahr in eine progymnasiale Abteilung, ein Mädchenrealgymnasium oder ein humanistisches Mädchengymnasium zu wechseln,235 die es allerdings in Fürth nicht gab und die selbst in Bayern nach der Einführung im Jahr 1927 bis zum Ende der Weimarer Republik nur in sehr bescheidenem Umfang vorhanden waren.236 Nach der bayerischen Landtagswahl im April und Mai 1924, bei der die BVP 32,8 %, die SPD 17,7 %, der als Sammelliste von Tarnorganisation der nach dem Hitler-Putsch vom November 1923 verbotenen NSDAP fungierende Völkische Block 17,1 %, die DNVP 9,4 %, die KPD 8,3 %, der Bauernbund 7,1 %, die DDP 3,3 % und die DVP 1,0 % der Stimmen erhalten hatte,237 bildeten BVP und Bauernbund eine Regierungskoalition. Zum Ministerpräsidenten wurde im Juni 1924 der bisherige Fraktionsvorsitzende der BVP, Heinrich Held (1868-1938) gewählt. Kultusminister blieb Franz Matt (BVP).
234Vgl.: Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 4. Ers-
ter Teil: Geschichte der Schulen in Bayern. Epochenübergreifende Spezialuntersuchungen. Zweiter Teil: Geschichte der Universitäten, der Hochschulen, der vorschulischen Einrichtungen und der Erwachsenenbildung in Bayern, Bad Heilbrunn/Oberbayern 1997, S.32. 235Vgl. ebd., S.35, Gliederung des höheren Mädchenschulwesens nach den Änderungen 1923/24: Lebensjahr 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 Schuljahr 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 BerufsfortbildungsVolkshauptschule schule seit 1913 Handelsschule mit Grundschule und Oberstufe Mädchenmittelschule Höhere Mädchenschule Fraua) (eine Pflichtfremdsprache) enschule a) Mädchenlyzeum Progymnasiale (zwei Pflichtfremdsprachen plus wisAbteilung senschaftlich ausMädchenoberb) Grundschule gebildete Lehrerrealschule innen und Lehrer) Mädchenrealgymnasium b) Humanistisches Mädchengymnasium b) Grundständiges Mädchenrealgymnasium b) Grundständiges Humanistisches Mädchengymnasium b) a) Anschließend mittlere und höhere Fachschulen/Technische Seminare. b) Einführung dieser Schulformen 1927. Anschließend Universitäten oder andere Hochschulen. 236Vgl. Ebd., 36: In Bayern gab es 1930 lediglich vier Mädchenoberrealschulen, sechs realprogymnasiale Abteilungen, elf Mädchenreformrealgymnasien, fünf humanistische Mädchenreformgymnasien und fünf grundständige humanistische Realgymnasien für Mädchen. Dabei hatten Realgymnasien die Sprachfolge Latein, Englisch, Französisch und Reformrealgymnasien die Sprachfolge Englisch, Latein, Französisch. Vgl.: Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 3: Geschichte der Schulen in Bayern. Von 1918 bis 1990, Bad Heilbrunn/Oberbayern 1997, S.71. 237Vgl. den Artikel Landtagswahlen in Bayern in: www.wikipedia.de, hier: Ausdruck vom 01.06.2018.
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