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Außerdem begann mit der durch das Reichsbankgesetz und den Dawes-Plan im August 1924 abgeschlossenen Währungsreform eine Phase der wirtschaftlichen Stabilisierung, in der die Industrieproduktion und das Nettoreallohnniveau bis 1928 wieder den Vorkriegsstand des Jahres 1913 von 100 % erreichten. Zugleich kam es, gestützt auf amerikanische Kredite und Beteiligungen an oder Übernahmen von Firmen in Deutschland, zu einem Modernisierungs- und Rationalisierungsprozess,238 durch den die Arbeitsproduktivität stieg und die Preise sanken, aber auch strukturelle Arbeitslosigkeit und neue Qualifikationsanforderungen entstanden. Da sich neue Qualifikationsanforderungen zudem aus der zunehmenden Verbreitung des zivilen Luftverkehrs, der Automobile, des Fernmelde- und Rundfunkwesens sowie der landwirtschaftlichen Kraftmaschinen (Elektromotoren und Traktoren) ergaben, wurde nun das Schul- und Unterrichtswesen ebenfalls einem Modernisierungsprozess unterzogen. Der schulische Modernisierungsprozess zeigte sich in Fürth zunächst daran, dass das städtische Mädchenlyzeum mit Handelsschule am Tannenplatz durch Vermittlung des Schulamtes am 24. April 1925 zwei Projektionsapparate erhielt und ein Lehrer rund 2.000 Ausschnitte aus illustrierten Blättern, Bildpostkarten und Ansichten als geografisches Anschauungsmaterial zusammenstellte.239 Daneben wurde das humanistische Gymnasium in der Königstraße bis 1928 mit elektrischem Strom und einer Spülklosett-Anlage im Kellergeschoss ausgestattet, so dass fortan die außerhalb des Schulgebäudes liegenden Trockenaborte nicht mehr benutzt werden mussten240 sowie der Einsatz moderner Unterrichtsmittel wie Lichtbildprojektoren möglich wurde. Zugleich kam ein 1920 eingeleiteter gesamtbayerischer Modernisierungsprozess der Volksschulen zum Abschluss, der sich auch auf Fürth auswirkte, als kurz nach dem gesundheitsbedingten Ausscheiden von Kultusminister Matt im Oktober 1926 sein im November 1926 ernannter Nachfolger, Franz Xaver Goldenberger (1867-1948, BVP),

238Vgl.: Ludwig Preller, Sozialpolitik in der Weimarer Republik. Unveränderter Neudruck des erstmals

1948 erschienenen Werkes, Kronberg/Taunus, Düsseldorf 1978, S.106 (Industrieproduktion), S.158 (Nettoreallöhne) und S.126-137 (Ausführungen zu der von Frederick Winslow Taylor in den USA entwickelten und 1911 in seinem gleichnamigen Hauptwerk Scientific Management veröffentlichten wissenschaftlichen Betriebsführung, zur Rationalisierung durch Typisierung und Standarisierung der Produkte, zu Fließarbeit und vollautomatischen Fließbändern, zur Konzentration des Verkaufs durch Waren- und Versandhäuser sowie zur verstärkten Berücksichtigung psychologischer Verkaufsmethoden). 239Vgl.: Helene-Lange-Gymnasium (Hrsg.), 100 Jahre Helene-Lange-Gymnasium Fürth 1907-2007, Festschrift, Fürth 2007, S.29. Siehe auch: Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 4. Erster Teil: Geschichte der Schulen in Bayern. Epochenübergreifende Spezialuntersuchungen. Zweiter Teil: Geschichte der Universitäten, der Hochschulen, der vorschulischen Einrichtungen und der Erwachsenenbildung in Bayern, Bad Heilbrunn/Oberbayern 1997, S.363f.: Gemäß dem pädagogischen Grundsatz, Anschauung ist das Fundament der Erkenntnis, waren bereits in der zweiten Hälfte des 19, Jahrhunderts im Unterricht Fotografien verwendet worden. Diese konnten aufgrund der technischen Entwicklung sowie der 1920 erfolgten Gründung eines vom Kultusministerium am 18. September 1921 staatlich anerkannten Bayerischen Verbandes zur Förderung des Lichtbildwesens in Unterricht und Erziehung nun durch die Präsentation stehender oder laufender Lichtbilder ergänzt werden. Eine Hauptschwierigkeit bestand allerdings darin, dass viele Schulen noch nicht mit elektrischem Strom ausgestattet waren. Eine andere Hauptschwierigkeit lag darin, dass laufende Bilder aufgrund des damaligen 35-mm-Filmformats nur in Lichtspieltheatern und nicht an Schulen gezeigt werden konnten, was sich erst änderte, als Ende der zwanziger Jahre ein 16-mm-Schmalfilmformat zur Verfügung stand und neben der Bayerischen Lichtbildstelle in München 1929 die Bayerische Lichtbildbühne gegründet wurde. 240Vgl.: Heinrich-Schliemann-Gymnasium (Hrsg.), 100 Jahre Heinrich-Schliemann-Gymnasium. Festjahresbericht, Fürth 1996, S.31.

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