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Bedingungen verbundene Rückgang der Spiegelproduktion und der Spiegelrahmenherstellung hatte in Fürth auch Auswirkungen auf das Schulwesen, da die 1911 auf Anregung des Gewerbevereins gegründete und 1912 mit einem eigenen Gebäude in der Turnstraße versehene Handwerkerschule für die Holzindustrie zur Schreinerund Holzbildhauerausbildung mangels Nachfrage 1930 den Betrieb einstellte.254 Zu diesem Zeitpunkt waren bereits die Auswirkungen der nach dem New Yorker Börsenkrach Ende Oktober 1929 beginnenden Weltwirtschaftskrise deutlich spürbar, mit der in Deutschland eine im Winter 1928/29 einsetzende Wirtschaftskrise erheblich verschärft wurde und zu massiv steigender Arbeitslosigkeit und weit verbreiteter Kurzarbeit führte.255 In Fürth stieg die Anzahl der Arbeitslosen von 4:777 Personen Ende 1928 auf 7.008 Personen Ende 1929, 9.758 Personen Ende 1930, 13.713 Personen Ende 1931 und 14.007 Personen im März 1932.256 Vor diesem Hintergrund wurden am städtischen Mädchenlyzeum mit Handelsschule am Tannenplatz im Rahmen eines kommunalen Programms im Mai 1931 zur Verbesserung der Beschäftigungschancen von arbeitslosen Jugendlichen fünf Klassen umfassende Kurse für fremde Sprachen und zwei Klassen umfassende Kurse für Kurzschrift eingerichtet, bei denen die Lehrkräfte den Unterricht in ihrer Freizeit erteilten.257 Außerdem war es nach dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise in Deutschland zu einer politischen Entmachtung des Reichstages gekommen, als die nach der Reichstagswahl 1928 aus SPD, Zentrum, BVP, DDP und DVP unter Reichskanzler Hermann Müller (1876-1931, SPD) gebildete Große Koalition im März 1930 auseinanderbrach und durch ein Präsidialkabinett aus Zentrum, BVP, DDP, DVP und DNVP unter Reichskanzler Heinrich Brüning (1885-1970, Zentrum) ersetzt wurde,258 das fortan über von durch den Erwerb von drei Brauereien (Gräflich-Pückler-Limpurgische Brauerei Burgfarrnbach, Brauhaus Neumarkt/Oberpfalz, Adler Brauerei Feuchtwangen) und investierte in eine vollautomatische Flaschenabfüllanlage. Die Brauerei Grüner erwarb die Brauerei AG Zirndorf und errichtete 1928 ein zweites Sudhaus auf neustem Niveau. Während die Brauerei Geismann ebenfalls ihren Betrieb modernisierte, wurde die Brauerei Evora & Meyer vom Brauhaus Nürnberg übernommen. 254Vgl.: Adolf Schwammberger, Fürth von A-Z. Ein Geschichtslexikon. Textlich unveränderter Neudruck der Ausgabe von 1968, Neustadt an der Aisch 1988, S.162. 255Vgl.: Heinrich Strauß, Fürth in der Weltwirtschaftskrise und nationalsozialistischen Machtergreifung. Studien zur politischen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung einer deutschen Industriestadt 1928 bis 1933, Nürnberg 1980, S.202, Tabelle der bei den Arbeitsämtern in Deutschland in den Jahren 1928 bis 1932 gemeldete Arbeitslosen: Dies waren im Jahr 1928 = 1,353 Millionen, im Jahr 1929 = 1,882 Millionen, im Jahr 1930 = 3,076 Millionen, im Jahr 1931 = 4,520 Millionen, und im Jahr1932 = 5,575 Millionen. „Den Höhepunkt erreichte die Arbeitslosigkeit im Februar 1932 mit 6,13 Millionen registrierten Arbeitslosen. Dazu kam noch eine größere Zahl von nicht registrierten, ‚unsichtbaren‘ Arbeitslosen, die auch keine Wohlfahrtsunterstützung mehr erhielten, so dass die tatsächliche Arbeitslosenziffer 1932 7 bis 8 Millionen erreichte. Von den rund 12,7 Millionen Menschen, die noch einen Arbeitsplatz hatten, war außerdem fast ein Viertel (22,6 %) Kurzarbeiter.“ 256Gleichzeitig war in Fürth im März 1932 die höchste Arbeitslosigkeit in ganz Bayern zu verzeichnen, da auf 1.000 Einwohner 175,3 Arbeitslose entfielen, während es in Nürnberg 134,5, in München 112, in Augsburg 101,1 und im gesamtbayerischen Durchschnitt 72,4 Arbeitslose waren. Vgl.: Barbara Ohm, Fürth. Geschichte der Stadt, Fürth 2007, S.296. 257Vg.: Helene-Lange-Gymnasium (Hrsg.), 100 Jahre Helene-Lange-Gymnasium Fürth 1907-2007, Festschrift, Fürth 2007, S.30. 258Vgl.: Heinrich August Winkler, Der Schein der Normalität. Arbeiter und Arbeiterbewegung in der Weimarer Republik 1924 bis 1930, Berlin, Bonn 1985, S.736-815. Als Vorsitzender der Reichstagsfraktion des Zentrums hatte Heinrich Brüning schon im Dezember 1929 von General Kurt von Schleicher (1882-1934), der 1929 Chef des neu geschaffenen Ministeramtes im Reichswehrministerium geworden war, sowie von Hindenburgs Staatssekretär Meissner erfahren, dass der Reichspräident unter keinen Umständen gewillt sei, nach Verabschiedung des Young-Plans das Kabinett Müller im Amt zu belassen. „Der neue Kanzler solle, sofern es nach Hindenburg und seinen Beratern ging, Heinrich

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