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1932 auf einen Indexwert von 64 und damit unter den niedrigsten Indexwert (74) seit der Währungsreform von 1924.268 Neben den Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise und den sozial-, tarif- und abgeschwächt preispolitischen Eingriffen durch das Präsidialkabinett Brüning gab es in Deutschland bereits seit Mitte der zwanziger Jahre eine massive Agrarkrise, die auf eine durch die Mechanisierung der Landwirtschaft in den USA, Kanada, Australien und Argentinien hervorgerufene Überproduktion zurückzuführen war und zu einem Preisverfall führte.269 Um dem Preisverfall entgegenzuwirken, war es seit 1925 zu Schutzzöllen und seit 1928 zu Agrarsubventionen für die ostelbischen Großagrarier (Gutsund Rittergutsbesitzer), die seit 1921 im Reichslandbund zusammengeschlossen waren, durch die „Osthilfe“ gekommen,270 während die meisten der in der Landwirtschaft tätigen 2,2 Millionen Selbstständigen und 4,5 Millionen mithelfenden Familienangehörigen allenfalls von Schutzzöllen profitierten, aber keine Agrarsubventionen erhielten. In Schleswig-Holstein hatte sich deshalb bereits 1928 eine „Landvolkbewegung“ gebildet,271 die aus Protest gegen Zwangsversteigerungen überschuldeter Bauernhöfe ab 1929 Brandanschläge auf öffentliche Gebäude und am 1. September 1929 auch einen Brandschlag auf den Reichstag verübte.272 Trotz der begonnenen Radikalisierung der Bauern wurde die einseitige Begünstigung der ostelbischen Großagrarier vom Präsidialkabinett Brüning mit dem Agrarprogramm vom April 1930 noch weiter ausgebaut.273 Durch eine Bankenkrise, die in Deutschland nach dem Zusammenbruch der Österreichischen Creditanstalt im Mai 1931 und dem Abzug kurzfristig kündbarer ausländischer Kredite sowie der Verlagerung inländischer Geldvermögen ins Ausland am 13. Juni 1931 ausbrach, als die Darmstädter und Nationalbank (Danat-Bank) als damals größte und infolge des Bankrotts des Textilkonzerns Nordwolle erhebliche Verluste verzeichnende Bank ihre Illiquidität bekanntgab und auch die Filialen der Dresdner Bank und der Rheinischen Landesbank wegen akuter Liquiditätsprobleme geschlossen blieben, wurde das seit der Währungsreform 1923/24 wiedergewonnene Vertrauen der Bevölkerung in die Währung schwer erschüttert. Trotz einer von der Reichsregierung verkündeten Einlagengarantie für die Danat-Bank erfolgte ein reichsweiter Ansturm auf alle Banken und Sparkassen durch Kunden, die ihre angesammelten Ersparnisse abheben wollten. Um den Ansturm einzudämmen, wurden per Notverordnung für den 14. und 15. Juni 1931 zwei „Bankfeiertage“ verkündet, an denen alle

268Vgl.: Ebd., S.158. 269Vgl.: Heinrich August Winkler, Der Schein der Normalität. Arbeiter und Arbeiterbewegung in der Wei-

marer Republik 1924 bis 1930, Berlin, Bonn 1985, S.42: „1927 schlug die Agrarkrise mit dem Sturz der Schweinepreise in Deutschland voll durch.“ Siehe zu der nach dem Ersten Weltkrieg betriebenen Mechanisierung der Landwirtschaft in Übersee und dem ab 1925 beginnenden weltweiten Preisverfall auch: Ebd., S.734. 270Vgl.: Ebd., S.755-759. 271Vgl.: Ebd., S.742: „In dem auf Veredelungsprodukte spezialisierten Schleswig-Holstein wirkte sich die Agrarkrise alsbald auch politisch aus: Die Radikalisierung der ländlichen Bevölkerung setzte einige Jahre vor dem Rechtsschwenk der Städte ein – nämlich schon bei der Reichstagswahl vom Mai 1928.“ 272Vgl.: Ebd., S.734. 273Vgl.: Heinrich August Winkler, Der Weg in die Katastrophe. Arbeiter und Arbeiterbewegung in der Weimarer Republik 1930 bis 1933, 2. vollständig durchgesehene und korrigierte Auflage, Berlin 1990, S.129. Siehe auch: Ebd., S.177: „In geradezu verschwenderischer Fülle flossen Gelder an die ostelbischen Rittergutsbesitzer, ohne dass diese ihre Wettbewerbsfähigkeit auch nur im Geringsten gesteigert hätten.“

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