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und die massiven Ausschreitungen nationalsozialistischer und kommunistischer Aktivisten beim Berliner Verkehrsarbeiterstreik führten innerhalb des Präsidialregimes zur Überprüfung der eigenen Machtposition. Wie ein im Kabinett am 2. Dezember 1932 vorgestelltes Planspiel der Reichswehr über die Einsatzfähigkeit bei größeren Unruhen ergab, reichten die Ordnungskräfte des Reiches und der Länder nicht aus, um die verfassungsmäßige Ordnung gegenüber Nationalsozialisten und Kommunisten aufrechtzuerhalten und gleichzeitig die Grenzen zu schützen.307 -

Während sich das Präsidialregime fortan um eine Massenberuhigung kümmerte, indem Reichskanzler von Schleicher in seiner am 15. Dezember 1932 über Rundfunk abgegebenen Regierungserklärung als einzigen Punkt „Arbeit schaffen“ nannte und Reichspräsident von Hindenburg mit einer Notverordnung zur Sicherung des inneren Friedens am 19. Dezember 1932 die im August geschaffenen Sonderstrafregelungen und Sondergerichte für politisch motivierte Delikte wieder aufhob, 308 gelang Franz von Papen am 4. Januar 1933 der entscheidende Brückenschlag zu Hitler, als er sich in der Villa des Kölner Bankiers Kurt von Schroeter mit dem Führer der NSDAP traf und dort ein Wiederaufleben der „Harzburger Front“ vorschlug.309

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Dass das Präsidialsystem nach dem von Reichspräsident von Hindenburg im Mai 1932 ausgelösten Rücktritt von Reichskanzler Brüning und der Bildung eines „Kabinetts der Barone“ durch Reichskanzler von Papen nicht mehr haltbar war, wurde auch deutlich, als Reichskanzler von Schleicher in der Kabinettsitzung am 16. Januar 1933 ausführte, dass in Deutschland auf Dauer nicht regiert werden könne, wenn man nicht eine breite Stimmung in der Bevölkerung hinter sich habe.310 Außerdem geriet die seit 1930 von den Präsidialkabinetten praktizierte massive Subventionierung ostelbsicher Guts- und Rittergutsbesitzer kurz danach in ein skandalträchtiges Fahrwasser, da der Zentrumabgeordnete Joseph Ersing (1882-1956) im Haushaltsausschuss am 19. Januar 1933 Einzelheiten des „Osthilfeskandals“ enthüllte und forderte, dass sich der Reichstag damit befassen und eine Rückzahlung verlangen müsse, wenn öffentliche Gelder nicht zur Abdeckung von Schulden, sondern zum Ankauf von Luxusautos und Rennpferden und zu Reisen an die Rivera verwendet wurden.311 Von dem skandalträchtigen Fahrwasser blieb auch Reichspräsident von Hindenburg nicht verschont, als bekannt wurde, dass er für das Gut Neudeck in Ostpreußen, das er 1927 zu seinem 80. Geburtstag von der deutschen Wirtschaft geschenkt bekommen hatte, seinen Sohn Oskar von Hindenburg (1883-1960) als Eigentümer eintragen ließ, um ihm eines Tages die Erbschaftssteuer zu ersparen.312

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In dieser Situation wurden in der Düsseldorfer Villa des am 1. Mai 1932 der NSDAP beigetretenen Sektkaufmanns Joachim von Ribbentrop (1893-1946) - wo sich

307Vgl.: Ebd., S.799 und S.801. 308Vgl.: Ebd., S.819f. (Regierungserklärung von Reichskanzler von Schleicher am 15. Dezember 1932)

und S.826 (Notverordnung des Reichspräsidenten zur Sicherung des inneren Friedens vom 19. Dezember 1932). 309Vgl.: Ebd., S.828. Die „Harzburger Front“ war erstmals auf Initiative des ehemaligen Finanzmanagers des Kruppkonzerns, dem Pressemagnaten der Weimarer Republik und DNVP-Vorsitzenden, Alfred Hugenberg (1865-1951) durch ein Treffen von DNVP, Stahlhelm, NSDAP und DVP in Bad Harzburg am 11. Oktober 1931 zustande gekommen. Siehe dazu: Ebd., S.432. 310Vgl.: Ebd., S.838. 311Vgl.: Ebd., S.843. 312Vgl.: Ebd., S.844.

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