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Die Stimmenanteile der ehemals linksliberalen DDP/DStP, der mittelständischen Wirtschaftspartei und der nationalliberalen DVP, die im Mai 1928 zusammen 15,7 % (Fürth) bzw. 18,1 % (Reich) betragen hatten, verringerten sich im September 1930 auf 10,8 % (Fürth) bzw. 12,2 % (Reich) und bildeten im Juli und November 1932 nur noch Restgrößen von 2,0 % (Fürth) und 2,6 % (Reich) bzw. 2,6 % (Fürth) und 3,2 % (Reich).
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Die Stimmenanteile der BVP blieben bei allen vier Reichstagswahlen in Fürth (5,4 %, 5,7 %, 5,9 % und 5,4 %) ebenso wie die Stimmenanteile von BVP und Zentrum im Reich (15,2 %, 14,6 %, 15,6 % und 15,0 %) relativ konstant.
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Die Stimmenanteile von SPD und KPD, die im Mai 1928 zusammen 56,0 % (Fürth) bzw. 34,4 % (Reich) betragen hatten, verringerten sich im September 1930 in Fürth auf 51,3 %, während sie im Reich mit 37,6 % geringfügig stiegen, und verblieben im Juli und November 1932 in Fürth mit 49,2% und 49,4 % bzw. im Reich mit 35,9 % und 37,3 % ungefähr auf diesem Niveau, wobei es verglichen mit den Stimmenanteilen im Mai 1928 allerdings zu immer größer werdenden Verschiebungen zu Lasten der SPD und zu Gunsten der KPD kam.
Während die NSDAP in Fürth mit ihren Wahlkampfaktivitäten vor den Reichstagswahlen im September 1930 und im Juli 1932 die Wahlkampfaktivitäten aller anderen Parteien übertroffen hatte,319 waren die örtlichen Zeitungen, Druckereien und Wirte mit den Wahlkampfaktivitäten vor der Reichstagswahl im November 1932 nicht zufrieden, da alle Parteien an Geldmangel litten und nur ein sehr bescheidener Wahlkampf geführt wurde. „Der letzte Wahlkampf des Jahres 1932 war in Fürth auch der ruhigste. Abgesehen von der Störung einer DNVP-Versammlung durch die Nationalsozialisten am 3. November verlief der Wahlkampf in Fürth ohne Störungen.“320 Dagegen war es bei den vorangegangenen Wahlkämpfen im Jahr 1932 noch zu etwas heftigeren Auseinandersetzungen und Protestäußerungen gekommen. So sprengten Angehörige der Eisernen Front und der KPD im Wahlkampf zur Reichspräsidentenwahl im Frühjahr 1932 einen öffentlichen Sprechabend der NSDAP, der daraufhin von der Polizei aufgelöst wurde.321 Im Wahlkampf zur Reichstagswahl im Juli 1932 kam es dann bei einem Propagandamarsch der SA durch das Arbeiterviertel in der Leyher Straße am 16. Juli 1932 zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Nationalsozialisten und ihren Gegnern, die von der Polizei relativ schnell unterbunden werden konnten.322 Danach wurde am frühen Abend des 30. Juli 1932 die Kraftwagenkolonne Streichers, von der Hitler am Flugplatz Nürnberg-Fürth in Atzenhof zu einer abschließenden Wahlkampfveranstaltung der NSDAP im Nürnberger Stadion abgeholt werden sollte, durch eine am Grünen Markt und in der unteren Königstraße versammelte Menschenmenge mit Steinen, Kartoffeln und faulem Obst beworfen. Ob dabei auch ein Schuss von außen auf die Wagenkolonne abgegeben wurde oder sich bei einem Wageninsassen von selbst löste, konnte auch durch die anschließenden polizeilichen Ermittlungen nicht geklärt werden.323 319 Vgl.: Heinrich Strauß, Fürth in der Weltwirtschaftskrise und nationalsozialistischen Machtergreifung.
Studien zur politischen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung einer deutschen Industriestadt 1928 bis 1933, Nürnberg 1980, S.391 und S.397. 320Ebd., S.409. 321Vgl.: Ebd., S,394. 322Vgl.: Ebd., S.402. 323Vgl.: Ebd., S.403.
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