Siebert (1874-1942) zum Ministerpräsidenten ernannte.332 Kultusminister wurde Hans Schemm (1891-1935 durch einen Flugzeugabsturz), der als ausgebildeter Lehrer und Gauleiter von Oberfranken im Jahr 1929 den nationalsozialistischen Lehrerbund (NSLB) mit Sitz in Bayreuth gegründet hatte.333 In Fürth, wo im September 1923 erstmals eine Ortsgruppe der NDAP gegründet und nach Aufhebung des nach dem Hitler-Putsch erlassenen generellen NSDAP-Verbots im Februar 1925 wiedergegründet worden war,334 die Nationalsozialisten bei der Reichstagswahl am 5. März 1933 mit 44,8 % der Stimmen das reichsweite Ergebnis um 0.9 Prozentpunkte übertroffen und die Kampffront Schwarz-Weiß-Rot nur 3,5 % statt reichsweit 8,0 % der Stimmen erhalten hatte,335 wurde Oberbürgermeister Dr. Wild am 16. März 1933 ebenfalls durch ein massives SA-Aufgebot zum Rücktritt gedrängt, einen Tag später offiziell beurlaubt und Franz Jakob (1891-1965), der seit 1925 Mitglied, seit 1929 Kreisleiter, seit 1930 Stadtrat und seit 1932 Landtagsabgeordneter der NSDAP war, zum kommissarischen Oberbürgermeister ernannt. Nach Angleichung der Sitzverteilung an die Reichstagswahlergebnisse erfolgte am 27. April 1933 die offizielle Wahl von Franz Jakob zum Oberbürgermeister durch den Stadtrat, wobei sich die SPD-Stadträte der Stimme enthielten.336 332Ludwig Siebert war nach einem 1900 mit der zweiten juristischen Staatsprüfung abgeschlossenen
Jurastudium 1905/06 als Staatsanwalt am Landgericht Fürth, 1907 als Magistratsrat in Lindau, 1908 als rechtskundiger Bürgermeister in Rothenburg ob der Tauber tätig gewesen, bevor er 1919 zum Ersten Bürgermeister und ab 1924 zum Oberbürgermeister in Lindau gewählt wurde und im Januar 1931 von der BVP zur NSDAP übertrat. Vgl. den Artikel Ludwig Siebert, in: wikipedia.de, hier: Ausdruck vom 17.10.2019. 333Vgl.: Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 3: Geschichte der Schulen in Bayern. Von 1918 bis 1990, Bad Heilbrunn/Oberbayern 1997, S.173, S.177 und S.187. Der Gau Oberfranken wurde 1933 auf Initiative von Hans Schemm mit dem Gau Niederbayern-Oberpfalz zum Gau Bayerische Ostmark zusammengeschlossen. 334Vgl.: Heinrich Strauß, Fürth in der Weltwirtschaftskrise und nationalsozialistischen Machtergreifung. Studien zur politischen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung einer deutschen Industriestadt 1928 bis 1933, Nürnberg 1980, S.382f.: Die am 18. September 1923 gegründet Ortsgruppe Fürth der NSDAP hatte im November 1923 rund 170 Mitglieder und wurde nach dem Hitler-Putsch zusammen mit der Gesamtpartei verboten. Nach Aufhebung des NSDAP-Verbots wurde die Ortsgruppe Fürth am 16. Februar 1925 wiedergegründet. Bis Anfang 1927 hatte sie etwa 200 Mitglieder. Ab der Reichstagswahl vom September 1930 stieg die Mitgliederzahl bis August 1932 auf mindestens 1.500 Personen, da die Partei über eine Ortsgruppe in Burgfarrnbach und drei Ortsgruppen in der Kernstadt mit jeweils höchstens 500 Mitgliedern nach dem neuen Parteistatut verfügte. Siehe zur NSDAP in Fürth auch: Dieter Schenk, Hitlers Mann in Danzig. Albert Forster und die NSVerbrechen in Danzig-Westpreußen, Bonn 2000, S.17-33: Vorsitzender der Mitte Februar 1925 wiedergegründeten Fürther Ortsgruppe der NSDAP war bis 1929 der in Fürth geborene spätere Gauleiter von Danzig-Westpreußen Albert Forster (1902-1952 durch Vollstreckung eines Todesurteils in Polen wegen der Verwicklung in rund 120.000 Morde während der NS-Herrschaft in Danzig-Westpreußen bis 1945), der das erste Parteibüro im Anwesen Pfisterstraße 23 eingerichtet hatte und Fürth 1929 verließ, um eine Stelle in der Zentrale des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes (DHV) in Hamburg anzunehmen. Im September 1930 zog er als jüngster Abgeordneter der NSDAP in den Reichstag ein und wurde kurz danach mit einer Vollmacht Hitlers von Hermann Göring nach Danzig geschickt, um dort die NSDAP auf Vordermann zu bringen. Nachfolger von Albert Forster als Vorsitzender der NSDAP in Fürth wurde 1929 Franz Jakob und das Parteibüro bis 1933 in das „Braune Haus“, Nürnberger Straße 9 verlegt. 335Vgl.: Heinrich Strauß, Fürth in der Weltwirtschaftskrise und nationalsozialistischen Machtergreifung. Studien zur politischen, sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung einer deutschen Industriestadt 1928 bis 1933, Nürnberg 1980. S.458. Gleichzeitig hatte die SPD bei der Reichstagswahl am 5. März 1933 in Fürth 33,5 % und die KPD 10.0 % der Stimmen erhalten. Während die SPD in Fürth damit das reichsweite Ergebnis von 18,3 % der Stimmen erheblich übertroffen hatte, war die KPD in Fürth dagegen unter dem reichsweiten Ergebnis von 12,3 % der Stimmen geblieben. 336Vgl.: Barbara Ohm, Fürth. Geschichte der Stadt, Fürth 2007, S.299-301.
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