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Bis zur offiziellen Oberbürgermeisterwahl von Franz Jakob war neben der Verabschiedung gesetzlicher Maßnahmen durch die Reichsregierung der NS-Terror auf Straßen und in Lagern fortgesetzt worden. Zudem beteiligte sich die SA in Fürth am 1. April 1933 ebenfalls am reichsweiten Boykott jüdischer Geschäfte, Arztpraxen und Kanzleien.337 Danach wurde mit dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 die Beamten- und Lehrerschaft von Juden, Marxisten und politisch Unzuverlässigen gesäubert.338 Davon betroffen waren in Fürth auch die beiden hauptamtlichen jüdischen Lehrkräfte des städtischen Mädchenlyzeums mit angeschlossener Handelsschule am Tannenplatz, Studienrätin Hermine Baßfreund (18851941) und Oberlehrer Louis Kissinger (1887-1982), die beurlaubt und im Oktober 1933 in den dauernden Ruhestand versetzt wurden, während die beiden nebenamtlichen jüdischen Religionslehrer, Rabbiner Dr. Behrens und Kantor Adler, vorläufig bleiben und bis zum Ende des Schuljahres 1934/35 unterrichten durften.339 Außerdem wurden die bereits am 10. März 1933 in Fürth zusammen mit 15 bis 20 anderen Funktionären der KPD, des Reichsbanner und der SPD verhafteten und am 11. April 1933 in das erste offizielle Konzentrationslager in Dachau überstellten KPD-Mitglieder Dr. Rudolf Benario und Ernst Goldmann dort am 12. April 1933 schwer misshandelt und Stunden später durch Kopfschüsse ermordet.340 Schulpolitisch wurde zu Hitlers Geburtstag am 20. April 1933 in Preußen der Aufbau eines nationalsozialistischen Elitenschulsystems angekündigt,341 das zunächst in Form der nationalpolitischen Erziehungsanstalten (NPEA) und ab 1937 in Form der Adolf-Hitler-Schulen (AHS) entstand.342 Gleichzeitig beschränkte das Gesetz gegen 337Vgl.: Ebd., S.305. 338Vgl.: Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 3: Ge-

schichte der Schulen in Bayern. Von 1918 bis 1990, Bad Heilbrunn/Oberbayern 1997, S.175: Siehe auch: Ebd., S.405: „Im Falle der Entlassung oder der Pensionierung wurde den davon betroffenen Lehrern meist eine Pension in geringerer Höhe gezahlt, manchmal auch nur ein Übergangsgeld oder gar nichts.“ 339Vgl.: Manfred Mümmler, Fürth 1933-1945, Emskirchen 1995, S.122. Während Louis Kissinger auf Drängen seiner Frau 1938 mit seiner Familie in die USA emigrierte, wurde Hermine Baßfreund am 27. November 1941 nach Riga deportiert und dort ermordet. 340Vgl.: Barbara Ohm, Fürth. Geschichte der Stadt, Fürth 2007, S.303. Siehe dazu mit weiteren biografischen Angaben auch: Siegfried Imholz, Gebt ihnen einen Namen. Widerstand und politische Verfolgung in Fürth 1933-1945, Fürth 2017, S.20-28: Rudolf Benario war 1908 in Frankfurt/Main geboren worden, während seines Studiums ab 1927 Schriftführer in der Arbeitsgemeinschaft Republikanischer Studenten sowie ab 1929 Diplom-Volkswirt und Vorsitzender der Jungsozialisten in Fürth. Kurz vor dem reichsweiten Verbot der Jungsozialisten durch die SPD im Juni 1931 wechselte er zusammen mit vier anderen Jungsozialisten in Fürth zur KPD. Am 28. Januar 1933 wurde er von der Universität Erlangen zum Dr. rer. pol. promoviert. Ernst Goldmann war 1908 in Fürth geboren worden und gelernter Einzelhandelskaufmann, da seine Eltern im Anwesen Schwabacher Straße 41 ein Schuhgeschäft betrieben, sowie Mitglied der KPD und wie Rudolf Benario Mitglied des 1927 gegründeten Fürther Kanu-Klub. Außerdem hatte er als Mitarbeiter bei der kommunistischen Stadtzeitung „Rotes Signal“ 1932 unter der Überschrift „Faschistische Erziehungsmethoden“ über die schulischen PrügelExzesse von vier Fürther Volksschullehrern berichtet, die Mitglieder der NSDAP waren. 341Vgl.: Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 3: Geschichte der Schulen in Bayern. Von 1918 bis 1990, Bad Heilbrunn/Oberbayern 1997, S.175. 342Die ersten drei nationalpolitischen Erziehungsanstalten (NPEA), die an die Tradition der bis 1918 bestehenden Kadettenanstalten anknüpften und in acht Züge (Jahrgangsstufen) gegliedert waren, wurden bereits 1933 in Plön, Köslin und Potsdam gegründet und unterstanden Reichserziehungsminister Bernhard Rust (1883-1945 durch Selbstmord). Bis 1941 gab es dann im Deutschen Reich insgesamt 30 NPEA mit 6.000 Schülern. Bis Kriegsende erhöhte sich die Anzahl schließlich auf 43 NPEA, davon zwei für Mädchen. Vgl. den Artikel Nationalpolitische Erziehungsanstalten, in: www.wikipedia.de, hier: Ausdruck vom 05.06.2018. Von den dort in einer Auflistung vermerkten 38 NPEA

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