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Regierungspräsidenten des Rezatkreises (Mittelfranken) ins Leben gerufen und im Jahr 1878 in Nürnberg ebenfalls ein Geschichtsverein für das Stadtgebiet Nürnberg gegründet worden.351 Nach der Klärung der Machtverhältnisse in Parlamenten, kommunalen Gremien, Gewerkschaften und Vereinen wurde auch das Schul- und Erziehungswesen im Sinne des Nationalsozialismus strukturiert. In ihrem Parteiprogramm von 1920 hatte die NSDAP in Punkt 20 gefordert, jedem fähigen und fleißigen Deutschen das Erreichen höherer Bildung und damit das Einrücken in führende Positionen zu ermöglichen. Kinder armer Eltern sollten ohne Rücksicht auf den Stand oder den Beruf auf Staatskosten ausgebildet werden. Programmpunkt 21 betonte die körperliche Ertüchtigung und Programmpunkt 24 forderte die Freiheit aller religiösen Bekenntnisse im Staat, soweit sie nicht dessen Bestand gefährden oder gegen das Sittlichkeits- und Moralgefühl verstoßen.352 Bis zum Ende der nationalsozialistischen Alleinherrschaft im Jahr 1945 wurde aus Programmpunkt 20 allerdings nicht viel, da weiterführende Schulen nach wie vor schulgeldpflichtig blieben.353 Programmpunkt 21 wurde dagegen zielstrebig umgesetzt, da Hitler anders als im NSDAP-Programm von 1920 zu den nationalsozialistischen Bildungsschwerpunkten in seinem 1925 veröffentlichten Buch Mein Kampf eindeutig Stellung bezogen und die körperliche Ertüchtigung in den Mittelpunkt gestellt hatte.354 Und die in Programmpunkt 24 erwähnte Freiheit aller religiösen Bekenntnisse wurde trotz des am 20. Juli 1933 mit der katholischen Kirche geschlossenen Reichskonkordats ab 1934 punktuell unterlaufen und ab 1936/37 systematisch eingeschränkt. Die Umwandlung der allgemeinen Schulen zu Einrichtungen der körperlichen Ertüchtigung und zur Schaffung nationalsozialistischen Bewusstseins begann im September 1933 mit der Einführung des Deutschen Grußes („Hitler-Gruß“) zu Beginn und am

351Vgl.: Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 4. Ers-

ter Teil: Geschichte der Schulen in Bayern. Epochenübergreifende Spezialuntersuchungen. Zweiter Teil: Geschichte der Universitäten, der Hochschulen, der vorschulischen Einrichtungen und der Erwachsenenbildung in Bayern, Bad Heilbrunn/Oberbayern 1997, Beitrag Erwachsenenbildung, S.752 und S.793. „Die Historischen Vereine waren wissenschaftliche Vereine, in ihnen wurden also historische Quellen gesammelt, und es wurde über die neue geschichtliche Forschung berichtet. König und Staatsregierung sorgten für die Bezuschussung der Vereine, damit sie ihre Forschungen publizieren konnten“ (Ebd., S.752). 352Vgl.: Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 3: Geschichte der Schulen in Bayern. Von 1918 bis 1990, Bad Heilbrunn/Oberbayern 1997 S.173. 353In Fürth betrug das in zehn Raten zu zahlende Schulgeld an allen drei weiterführenden Schulen, das bei bedürftigen und würdigen Schüler/innen unter Umständen erlassen werden konnte, beispielsweise 200 RM im Jahr (vgl.: Manfred Mümmler, Fürth 1933-1945, Emskirchen 1995, S.119), womit bei einem durchschnittlichen Bruttoentgelt aller Rentenversicherten von 1.583 RM im Jahr 1933 und 1.947 RM im Jahr 1938 Kinder selbst von durchschnittlich verdienenden Eltern vom Besuch weiterführender Schulen weitgehend ausgeschlossen waren, sofern sie sich nicht durch andere nationalsozialistische Auswahlkriterien wie Charakter oder sportliche Leistungen als würdig erwiesen. 354Vgl. ebd., S.174: „Sehr viel konkreter äußerte sich Hitler während seiner Festungshaft in Landsberg am Lech 1924 in seinem Buch ‚Mein Kampf‘: ‘Der völkische Staat hat … seine gesamte Erziehung in erster Linie nicht auf das Einpumpen bloßen Wissens einzustellen, sondern auf die Heranbildung kerngesunder Körper. Erst in zweiter Linie kommt dann die Ausbildung der geistigen Fähigkeiten. Hier aber wieder an der Spitze die Entwicklung des Charakters, besonders die Förderung des Willens und der Entschlossenheit, verbunden mit der Erziehung von Verantwortungsbewusstsein und erst als letztes die wissenschaftliche Schulung‘.“ Dies bedeutete allerdings „nicht mehr und nicht weniger, als eine Umkehrung der bisherigen Wertordnung im öffentlichen Bildungswesen: die bislang eher vernachlässigte Leibesübung sollte demnach Vorrang erhalten, die bisher hochgeachtete Geistesbildung hingegen zurückgesetzt und eingeschränkt werden.“

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