Ende des Unterrichts.355 Außerdem war der Schulalltag in Fürth durch die aktive Teilnahme der Schüler/innen an den zahlreichen nationalen Gedenk-, Feier- und Aktionstagen, Aufmärschen, Sportveranstaltungen, Wandertagen sowie Haus- und Straßensammlungen geprägt.356 Daneben gab es in den örtlichen Volksschulen und Kindergärten für Kinder, die unter objektiven Armutsverhältnissen litten und denen ein Amtsarzt Unterernährung attestiert hatte, ab Mai 1933 eine Schülerspeisung, bei der die Kinder Milch und Semmeln erhielten und die Eltern einen Eigenbeitrag von 15 Pfennigen in der Woche leisten mussten. Die Schülerspeisung wurde in den Jahren 1933 und 1934 von 1.186 Schulkindern und 330 Kindergartenkindern, im Jahr 1935 von 906 Schulkindern und 286 Kindergartenkindern, im Jahr 1936 erneut von 906 Schulkindern und 284 Kindergartenkindern und in den Jahren 1937, 1938 und 1939 jeweils von 1.133 Schulkindern und 283 Kindergartenkindern wahrgenommen.357 Nach Einführung des Deutschen Grußes an Schulen im September 1933 wurden die nationalsozialistischen Erziehungs- und Bildungsaktivitäten mit der Errichtung des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung am 1. Mai 1934 unter dem seit 2. Februar 1933 kommissarisch amtierenden preußischen Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, Bernhard Rust (1883-1945 durch Selbstmord),358 reichseinheitlich und zentral organisiert. Die erste Maßnahme war der Erlass des Reichsministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung zur Errichtung von 23 Landesbildstellen mit nachgeordneten Kreis- und Stadtbildstellen und zur Gründung der Reichsstelle für den Unterrichtsfilm in Berlin vom 26. Juni 1934,359 mit der die zur Zeit der Weimarer Republik auf Länderebene in Bayern durch ministerielle Anerkennung der Bayerischen Lichtbildstelle 1921 und der Bayerischen Lichtbildbühne 1929 unternommenen Bemühungen zur Präsentation stehender oder laufender Bilder im Unterricht forciert und auf den Unterrichtsfilm im 16-mm-Schmalfilmformat konzentriert wurden, das technisch seit Ende der zwanziger Jahre zur Verfügung stand. Auch ohne die noch herzustellenden Unterrichtsfilme im 16-mmSchmalspurformat kam dem Film im Nationalsozialismus von Anfang an eine zentrale Rolle zu. Durch Schulbesuche in Lichtspieltheatern wurden beispielweise den Schüler/innen des humanistischen Gymnasiums in Fürth 1933/34 die Filme „Blutendes Deutschland“, „Aus dem Leben des Reichsheeres“, „Hitlerjunge Quex“, „Der Sieg des Glaubens“, “Taler, Taler, du musst wandern“ und 1937/38 die Filme „Verräter“, „Wolkenstürmer“, „Tag der Freiheit“, „Tannenberg“ und „Männer machen Geschichte“ gezeigt.360 Parallel zu den Aktivitäten des Reichsministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung zur Organisation eines umfassenden Unterrichtsfilmwesens im 16-mm355Vgl.: Ebd., S.187. 356Vgl.: Manfred Mümmler, Fürth 1933-1945, Emskirchen 1995, S.111-115. 357Vgl.: Ebd., S.58-60. 358Vgl.: Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 3: Ge-
schichte der Schulen in Bayern. Von 1918 bis 1990, Bad Heilbrunn/Oberbayern 1997, S. 175 und S.453. Bis dahin hatte das Bildungswesen Reichsinnenmister Frick unterstanden. Bernhard Rust hatte von 1904 bis 1908 Germanistik, Klassische Philologie, Kunstgeschichte, Philosophie und Musik studiert, war von 1911 bis 1930 Studienrat am Ratsgymnasium in Hannover gewesen und ab 1925 Mitglied der NSDAP, Gauleiter von Lüneburg- Stade und 1930 Reichstagsabgeordneter geworden. 359Vgl.: Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 4. Erster Teil: Geschichte der Schulen in Bayern. Epochenübergreifende Spezialuntersuchungen. Zweiter Teil: Geschichte der Universitäten, der Hochschulen, der vorschulischen Einrichtungen und der Erwachsenenbildung in Bayern, Bad Heilbrunn/Oberbayern 1997, S.363f. 360Vgl.: Manfred Mümmler, Fürth 1933-1945, Emskirchen 1995, S.118f.
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