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Schmalfilmformat wurde durch Reichsjugendführer Baldur von Schirach (1907-1974) am 7. Juni 1934 der Samstag zum Staatsjugendtag erklärt, an dem alle über zehnjährigen Kinder und Jugendlichen schulfrei hatten, die Mitglieder der Hitlerjugend oder des Bundes Deutscher Mädel waren. Unter zehnjährige Kinder, die aufgrund des für die Aufnahme erforderlichen Mindestalters von zehn Lebensjahren nicht zur Hitlerjugend oder zum Bund deutscher Mädel konnten, und ältere Kinder und Jugendliche, die nicht Mitglieder dieser Organisationen waren, mussten an Samstagen in die Schule gehen und wurden dort über die nationalsozialistische Weltanschauung unterrichtet.361 Mit dem Gesetz über die Hitlerjugend vom Dezember 1936 wurden die Parteijugendorganisationen dann zu Pflichtorganisationen sowie alle Schüler/innen an bayerischen Schulen ab Januar 1937 an Samstagen wieder unterrichtet.362 Neben den Schülerinnen und Schülern wurden bis 1937 auch die Lehrerinnen und Lehrer in die für sie zuständige nationalsozialistische Organisation, den 1929 gegründeten NSLB eingebunden. Der Einbindungsprozess begann, als nach der mit dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 durchgeführten Säuberung der Beamten- und Lehrerschaft von Juden, Marxisten und politisch Unzuverlässigen im Juni 1933 insgesamt 44 Lehrerverbände der unter Führung des NSLB gegründeten Deutschen Erziehungsgemeinschaft (DEG) beitraten, und endete mit dem Beitritt aller Lehrer- und Lehrerinnenverbände in den NSLB, dem sich 1936 auch der Bayerische Lehrerverband (BLV) und 1937 der Philologen-Verband anschlossen.363 Gemessen am Erwerbstätigenanteil von 0,9 % war der Berufsgruppenanteil der Lehrer an den NSDAP-Mitgliedern mit 1,6 % zwar schon vor 1933 höher gewesen als der Anteil anderer Berufsgruppen, stieg aber nach 1933 trotz einer ab Mai 1933 verhängten Aufnahmesperre, von der allerdings Angehörige der Hitlerjugend mit Vollendung des 18. Lebensjahres, Angehörige der NSBO und Dienst bei der SA oder SS Leistende ausgenommen waren, weiter an.364 Im Jahr 1937 gehörten schließlich 97 % 361Vgl. Ebd., S.130 und S.128: „Neben dem neuformierten Erziehungssystem in den Schulen leistete

die HJ die Feinarbeit nationalsozialistischer Umerziehung, indem absoluter Gemeinschaftssinn, blinder Gehorsam und unumstößliche Gefolgschaftstreue oberste Priorität erlangten.“ Siehe auch. Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 3: Geschichte der Schulen in Bayern. Von 1918 bis 1990, Bad Heilbrunn/Oberbayern 1997, S.180: „Ein besonderes Kennzeichen nationalsozialistischem Totalitarismus war es, dass er die Schüler nicht nur unter dem nationalsozialistisch infiltrierten Schulunterricht und weltanschaulich entsprechend ausgerichteten Lehrern indoktrinieren wollte, sondern auch im direkten Zugriff über die Hitlerjugend … 1933 soll sie unter Reichsjugendführer Baldur von Schirach ca. 100.000 Jugendliche umfasst haben. Sie gliederte sich … auf in das Deutsche Jungvolk (DJ) der 10-14-Jährigen und die eigentliche ‚HJ‘ der 14-18-jährigen Jungen einerseits, in die ‚Deutschen Jungmädel‘ (JM) der 10-14Jährigen und in den ‚Bund Deutscher Mädel‘ der 14-21-Jährigen andererseits.“ 362Vgl.: Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 3: Geschichte der Schulen in Bayern. Von 1918 bis 1990, Bad Heilbrunn/Oberbayern 1997, S.180 und 181: „Nach dem Ende der Schulpflicht und der pflichtmäßigen Mitgliedschaft in der Hitlerjugend warteten nicht nur die Gliederungen der NSDAP, SA (…), SS (…), NSKK (…) und NSFK (…) auf die jungen Männer, sondern vor allem die halbjährige Arbeitsdienstpflicht und die zweijährige Wehrpflicht, beide 1935 eingeführt.“ 363Vgl.: Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 3: Geschichte der Schulen in Bayern. Von 1918 bis 1990, Bad Heilbrunn/Oberbayern 1997, S.406f. 364Vgl. Ebd., S.403: „Dabei lagen der Prozentsatz der Lehrer in der Zeit von 1925 bis zum 30. Januar 1933 mit 1,6 % NSDAP-Mitgliedern (bei einem Anteil von 0,9 % an der Erwerbsbevölkerung) noch knapp unter dem Anteil der übrigen Beamten und nur wenig über dem Anteil anderer Berufsgruppen. Nach dem 30. Januar 1933 dagegen schnellte der Anteil der Beamten und noch mehr derjenige der Lehrer durch regelrechte Masseneintritte in die Partei in die Höhe (1933 waren allein 4,5 % aller Neueintritte Lehrer). Die Parteieintritte nach dem 30.1.1933 waren bei den Beamten 4mal, bei den Lehrern sogar 6mal so groß wie vor der Machtergreifung, … so dass 1933 etwa ein Viertel der Lehrer

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