Seite:Zur Entstehung und Entwicklung der Schulen in Fuerth seit der Erhebung zur Stadt Erster Klasse 1.pdf/88

Version vom 5. Juni 2024, 20:30 Uhr von Red Rooster (Diskussion | Beiträge) (→‎Nicht korrekturgelesen: Die Seite wurde neu angelegt: „und Mädchen neben dem Erwerb der Grundfertigkeiten des Lesens, Schreibens und Rechnens auch eine volkstümliche Bildung durch das Fach Heimatkunde angestrebt,…“)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Diese Seite wurde noch nicht korrekturgelesen.

und Mädchen neben dem Erwerb der Grundfertigkeiten des Lesens, Schreibens und Rechnens auch eine volkstümliche Bildung durch das Fach Heimatkunde angestrebt, das einen Überblick über die Lebenswelt und Geschichte der Heimat vermitteln sollte. Außerdem sollten Jungen Werkunterricht und Mädchen Unterricht in Näharbeit erhalten. Zugleich sollten Mädchen durch Lesetexte die aufopferungsvolle Rolle der Mutter als die eigentliche gesellschaftliche Bestimmung der Frau kennenlernen und damit auf ihre zukünftigen Mütterrollen vorbereitet werden.387 Durch Ministerialbekanntmachung vom 9. April 1937 wurde dann im Unterricht an höheren Schulen die 45-MinutenStunde statt der 50-Minuten-Stunde und im Unterricht an Volksschulen die 50-Minuten-Stunde eingeführt. Außerdem gab es neue Richtzahlen für die Klassenstärken an höheren Schulen, und zwar für die damaligen Klassen 1 und 2 nicht mehr als 40 Schüler/innen, für die Klassen 3 bis 5 nicht mehr als 35 Schüler/innen und für die Klassen 6 bis 8 nicht mehr als 25 Schüler/innen.388 Nachdem die nach der Revolution von 1918 am höheren Schulen eingeführten Elternbeiräte in Preußen bereits ab 1934 und in Bayern ab 1935 durch die Bildung von Schulgemeinden ersetzt worden waren,389 wurde im Schuljahr 1937/38 aufgrund kultusministerieller Verfügung auch am Mädchenlyzeum mit angeschlossener Handelsschule am Tannenplatz erstmals eine Schulgemeinde gebildet, die aus dem Schulleiter, einem Vertreter des NSLB, Vertreterinnen des BDM, der nationalsozialistischen Schuljugendwalterin und drei Eltern bestand.390 Die im März 1937 erlassenen Regelungen zur Neuordnung des höheren Bildungswesens wurden vom humanistischen Gymnasium in Fürth und von den in der Stadt an humanistischer Bildung interessierten Kreisen als schwerer Schlag empfunden, da das Gymnasium zum Schuljahr 1938/39 in die Deutsche Oberschule an der Königstraße umgewandelt und entsprechend den neuen Vorschriften in den Eingangsklassen 1938/39 und 1939/40 Englisch als erste Fremdsprache eingeführt wurde. Zu Beginn des Schuljahres 1940/41 wurde die Deutsche Oberschule an der Königstraße mit der Aufnahme von 27 Lateinschülern in die erste Klasse dann allerdings wieder ein humanistisches Gymnasium, 391 das entsprechend den neuen Vorschriften mit der Sprachfolge Latein, Altgriechisch und Englisch als Nebenform der Oberschulen zulässig war. Die ab der damals sechsten Klasse zu bildende Oberstufe des reaktivierten Gymnasiums wurde in einen sprachlich-geschichtlichen und einen mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig gegliedert.392 Entsprechend den neuen Vorschriften wurde das Mädchenlyzeum in Fürth zum Schuljahr 1938/39 zu einer Mädchenoberschule in der hauswirtschaftlichen Form umgewandelt. Wegen der insgesamt 560 Schülerinnen musste die Mädchenoberschule mit angeschlossener

387Vgl.: Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 4. Ers-

ter Teil: Geschichte der Schulen in Bayern. Epochenübergreifende Spezialuntersuchungen. Zweiter Teil: Geschichte der Universitäten, der Hochschulen, der vorschulischen Einrichtungen und der Erwachsenenbildung in Bayern, Bad Heilbrunn/Oberbayern 1997, S.41f. 388Vgl.: Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 3: Geschichte der Schulen in Bayern. Von 1918 bis 1990, Bad Heilbrunn/Oberbayern 1997, S.218. 389Vgl.: Ebd., S.214. 390Vgl.: Helene-Lange-Gymnasium (Hrsg.), 100 Jahre Helene-Lange-Gymnasium Fürth 1907-2007, Festschrift, Fürth 2007, S.30. Ergänzend anzumerken ist, dass die nationalsozialistische Schuljugendwalterin die an einer Schule für Rassenkunde, Erblehre und Erbpflege zuständige Lehrerin war. 391Vgl.: Heinrich-Schliemann-Gymnasium, (Hrsg.), 100 Jahre Heinrich-Schliemann-Gymnasium. Festjahresbericht, Fürth 1996, S.31. 392Vgl.: Manfred Mümmler, Fürth 1933-1945, Emskirchen 1995, S.119.

88