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hinaus vermieden, zu dieser Frage eindeutig Stellung zu beziehen.“405 Den Anfang zu einer eindeutigen Stellungnahme hatten schon ein Jahr nach Abschluss des Reichskonkordats mit der katholischen Kirche die lokalen Gliederungen der NSDAP und des NSLB im protestantischen Nürnberg gemacht, als sie bei der Schuleinschreibung 1934 die Deutsche Gemeinschaftsschule propagierten und niedrigere Einschreibungsquoten bei den Bekenntnisschulen erreichten. Nach der Übernahme des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus durch den Gauleiter von München und Oberbayern sowie seit 1933 amtierenden Innenminister Adolf Wagner folgte Anfang 1937 ein propagandistischer Großangriff gegen die Bekenntnisschulen, in dessen Verlauf 96 % der Eltern im eher katholischen München und 91 % der Eltern in eher protestantischen Nürnberg ihre Kinder zur Einschulung bei Deutschen Gemeinschaftsschulen einschrieben. „Beides wurde als hinreichend angesehen, sämtliche Bekenntnisschulen zu beseitigen und durch Gemeinschaftsschulen zu ersetzen.“406 Gleichzeitig wurden in Bayern zwischen 1937 und 1939 auch sämtliche Klosterschulen geschlossen und ab 1936 der Religionsunterricht an allen Schulen zunehmend eingeschränkt.407 In der Reichsprogromnacht am 9./10. November 1938, in der in Deutschland alle Synagogen zerstört wurden, wurde auch in Fürth die Synagoge in Brand gesteckt. Außerdem wurden jüdische Geschäfte geplündert und zerstört, fast alle jüdischen Bewohner der Stadt aus den Häusern geholt und auf dem Schlageter-Platz, der 1938 durch den Abbruch des 1922 stillgelegten Bahnhofgebäudes der Ludwigseisenbahn geschaffen worden war, zusammengetrieben und erst am Morgen mit Ausnahme von 132 Männern jüdischer Konfession, die mit Autobussen in das KZ Dachau gebracht wurden, wieder nach Hause entlassen. Bei den Übergriffen wurde ein Jude zu Tode geprügelt, ein anderer beging Selbstmord. Gleichzeitig wurden die drei Vorstandsmitglieder der jüdischen Gemeinde in Fürth am Vormittag des 10. November 1938 gezwungen, die Grundstücke des alten und neuen jüdischen Friedhofs, der alten und neuen Synagoge, des Waisenhauses an der Julienstraße (ab 1982 Hallemannstraße) und der jüdischen Elementar- und Realschule an der Blumenstraße für 100 RM an die Stadt Fürth zu verkaufen.408 405Ebd., S.190. 406Ebd., S.191. „Die enormen Anstrengungen des Systems beim Kampf gegen die Bekenntnisschule

muss man vor dem Hintergrund betrachten, dass es in Schuljahr 1932/33 an den 6532 Schulorten Bayerns mit einer Volksschule insgesamt 7719 Schulen gab, von denen nur 226 bekenntnismäßig gemischt waren. Den 5459 katholischen Schulen standen 2014 evangelische gegenüber und 20 jüdische.“ (Ebd., S.194). 407Vgl.: Ebd., S.196-200 (Schließung der Klosterschulen) und S.200-203 (Einschränkung des Religionsunterrichts). 408Barbara Ohm, Fürth. Geschichte der Stadt, Fürth 2007, S. 308. Siehe auch: Peter Longerich, Die braunen Bataillone. Geschichte der SA, München 1989, S.220-239. Die Reichsprogromnacht vom 9./10. November 1938 stand im Zusammenhang mit einer seit dem Einmarsch in Österreich im März 1938 verschärften antisemitischen Hetze und Politik zur Vertreibung der jüdischen Bevölkerung durch staatliche Maßnahmen (Verordnungen über die Anmeldung der Vermögen der Juden vom 26. April 1938, über das Erlöschen der Approbation jüdischer Ärzte und Ärztinnen vom 25. Juli 1938, zur Führung des zweiten Vornamens „Israel“ für männliche und „Sarah“ für weibliche Juden vom 17. August 1938 und zur Aussonderung von Juden aus der Rechtsanwaltschaft vom 22. September 1938) sowie lokale Boykottaktionen, behördliche Schließungen jüdischer Geschäfte und die Abbrüche der Synagogen in München im Juni und in Nürnberg im August 1938. Den Anlass für die darüber hinausgehenden systematischen und flächendeckenden Aktionen in der Reichsprogromnacht am 9./10. November 1938 bot das am 7. November 1938 aus Protest gegen die Abschiebung seiner Eltern nach Polen verübte Attentat des 17-jährigen Herschel Grynszpan auf den Legationsrat der deutschen Botschaft in Paris, Emil von Rath, worauf es in einzelnen Städten und Regionen (Kassel, München und preußische Provinz Hannover) zu ersten antisemitischen Übergriffen kam. Als Emil von Rath am 9. November 1938 an den Folgen des Attentats verstarb, ordneten

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