1925 in eine städtische Frauenarbeitsschule mit angeschlossenen Tages- und Abendkursen umbenannt worden war sowie seither schwerpunktmäßig als Berufsfortbildungsschule bzw. ab 1930 durch die Umbenennung des Schultyps als Berufsschule für Handarbeit und Hauswirtschaft fungiert hatte - am 1. April 1940 in eine Haushaltungsschule als Berufsfachschule umgewandelt. Nach der Satzung sollte die weibliche Jugend dort sowohl für hauswirtschaftliche als auch für hausmütterliche Aufgaben im Sinne des nationalsozialistischen Staates sowie den Gegenwartsaufgaben der Volksgemeinschaft vorbereitet werden und zugleich eine berufliche Schulung als Gehilfin in der Familie bei den hauswirtschaftlichen Aufgaben der Hausfrau und Mutter erhalten.411 Zuvor war in Fürth bis Sommer 1939 auch der Landdienst an Volksschulen, bei dem ältere Volksschüler/innen während der Sommerferien Aufgaben als Erntehelfer bzw. bäuerliche Haushaltshelferinnen übernahmen, umgesetzt worden. Dabei hatte die Volksschule Schwabacher Straße 13 Jungen, die Volksschule Frauenstraße 15 Jungen und die Volksschule Unterfarrnbach sogar 121 Jungen und 56 Mädchen für den Landdienst gemeldet.412 Da seit Frühjahr 1939 nicht nur ökonomisch, sondern auch politisch Kriegsvorbereitungen gegen Polen durch Anweisungen und Provokationen angelaufen waren,413 spitzte sich die gesamtpolitische Lage mit Beginn der Sommerferien unüberhörbar zu. So verkündete der 1902 in Fürth geborene, 1925 der NSDAP beigetretene, bis 1929 in Fürth als Ortsgruppenleiter fungierende und 1930 im Auftrag Hitlers von Herman Göring als Gauleiter nach Danzig entsandte Albert Forster - der 1934 sowohl vom mehrheitlich mit Nationalsozialisten besetzten Volkstag in Danzig als auch vom ausschließlich mit Nationalsozialisten besetzten Stadtrat in Fürth zum Ehrenbürger ernannt worden war - nach einer zweitägigen Abstimmung mit Hitler auf dem Obersalzberg am 10. August 1939 bei einer Großveranstaltung in Danzig, dass man in den letzten Wochen alles getan habe, um jeden Überfall abzuwehren, und das Großdeutsche Reich und Adolf Hitler jederzeit bereit seien, Danzig im Falle eines Angriffs zur Seite zu stehen. Diese Aussagen wiederholte Albert Forster am 12. August 1939 auch in Fürth bei einer um 21 Uhr stattfindenden Großveranstaltung auf dem Schlageter-Platz (ab 1946 Fürther Freiheit).414 Neben den propagandistischen Kriegsvorbereitungen war Albert Forster zudem an den militärischen Kriegsvorbereitungen beteiligt gewesen und hatte von Juni bis Juli 1939 in Danzig eine bewaffnete Landespolizei aus SS-Männern aufstellen, über ein fingiertes SS-Sportfest weitere 2.000 militärisch ausgebildete SS-Männer und über die 411Vgl.: Renate Trautwein, Die Entwicklung der privaten Frauenarbeitsschule der Geschwister Edel-
mann zur Berufsfachschule (Fachrichtung Hauswirtschaft/Kinderpflege) in der Staatlichen Berufsschule I in Fürth/Bayern und zur Bildungsstätte für Frauenarbeit an der VHS Fürth. Studienarbeit an der Evangelischen Fachhochschule Nürnberg 2005, S.16. 412Vgl.: Manfred Mümmler, Fürth 1933-1945, Emskirchen 1995, S.119. 413Vgl. dazu: Dieter Schenk, Hitlers Mann in Danzig. Albert Forster und die NS-Verbrechen in DanzigWestpreußen, Bonn 2000, S.50 und S.105f.: Nach der Besetzung der nach dem Münchener Abkommen vom 30. September 1938 verbliebenen Rest-Tschechei im März 1939 und der Installierung eines nationalsozialistischen Marionettenstaates in der Slowakei war am 11. April 1939 als geheime Kommandosache eine Weisung an die Wehrmacht ergangen, einheitliche Kriegsvorbereitungen für 1939/40 zu treffen. In einer Reichstagsrede am 28. April 1939 hatte Hitler dann den mit Polen bestehenden Vertrag der Verständigung, der Friedensgarantie und der guten Nachbarschaft vom 26. Juni 1934 einseitig gekündigt und am 23. Mai 1939 gegenüber führenden Militärs in der Reichskanzlei erläutert, dass es nicht mehr nur um Danzig und den polnischen Korridor zwischen Pommern und Ostpreußen, sondern um die Eroberung von Lebensraum im Osten, die Sicherstellung der Ernährung und die Lösung der Baltikums-Frage gehe. 414Vgl.: Ebd., S.117f.
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