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Ostsee 20 Geschütze und Flugabwehrkanonen sowie einige Panzerspähwagen einschleusen lassen.415 Nachdem Außenminister Ribbentrop am 23. August 1939 in Moskau einen Nichtangriffspakt mit der Sowjetunion unterzeichnet hatte, empfing Albert Forster am 25. August 1939 das Kadettenschulschiff Schleswig-Holstein samt Besatzung und einem Marinestoßtrupp an Bord zu einem offiziellen Flottenbesuch in Danzig.416 Wie von Hitler für alle entlang der polnische Grenze stehenden Wehrmachtseinheiten angeordnet, eröffnete das Kadettenschulschiff Schleswig-Holstein am 1. September 1939 um 4.45 Uhr das Feuer auf die von Polen entsprechend dem Versailler Vertrag seit 1919 als Hafen genutzte Westerplatte. Gleichzeitig nahmen die von Albert Forster nach Danzig eingeschleusten SS-Männer zusammen mit der bewaffneten Landespolizei die meisten polnischen Einrichtungen in Danzig kampflos ein. Die einzigen Ausnahmen bildeten die polnische Post und die polnischen Munitionsdepots auf der Westerplatte, die noch bis zum Abend bzw. fünf Tage Widerstand leisteten.417 Während mit dem Einmarsch deutscher Truppen in Danzig und Polen sogleich der Massenmord an der jüdischen Bevölkerung und der polnischen Intelligenz (Priester, Ärzte, Beamte, Rechtsanwälte, Richter, Politiker und Intellektuelle) begann,418 erklärten Frankreich und Großbritannien, die seit Frühjahr 1939 wiederholt Beistandserklärungen für Polen abgegeben und wie Großbritannien am 25. August 1939 sogar einen Beistandspakt mit Polen geschlossen hatten, Hitler und dem Großdeutschen Reich am 3. September 1939 den Krieg. Da bis 6. September 1939 auch die Regierungen der britischen Dominions Kanada, Australien, Neuseeland und Südafrika sowie die britisch kontrollierte Regierung Indiens Kriegserklärungen gegen Deutschland abgaben, entwickelte sich Hitlers Überfall auf Polen wie ein Vierteljahrhundert zuvor der Erste Weltkrieg innerhalb weniger Tage zu einem Weltkrieg.419

415Vgl.: Ebd., S.111-114. 416Vgl.: Ebd., S.122f. Ergänzend anzumerken ist, dass die Sowjetunion zu diesem Zeitpunkt in Ostasien

in einen militärischen Grenzkonflikt mit Japan verwickelt war, der erst am 16. September 1939 mit einem Waffenstillstand endete. Da der zwischen dem Großdeutschen Reich und der Sowjetunion am 23. August 1939 unterzeichnete Nichtangriffspakt in einem geheimen Zusatzprotokoll neben einer wirtschaftlichen Zusammenarbeit (Öl, Mangan und Nahrungsmittel aus der Sowjetunion gegen Konstruktionspläne für moderne Schlachtschiffe und einen fertiggestellten Kreuzer aus Deutschland) auch eine Aufteilung des polnischen Staatsgebietes vorsah, die den seit der dritten polnischen Teilung im 18. Jahrhundert von 1793 bis 1914 zu Russland, Preußen/Deutschland und Österreich-Ungarn gehörenden Gebieten entsprach, rückte die Rote Armee am 17. September 1939 in Ostpolen ein. 417Vgl.: Ebd., S.125 und S.131-133. 418Vgl.: Ebd., S.145: Allein in Danzig-Westpreußen, wo Albert Forster von Hitler 1930 zum Gauleiter und am 26. Oktober 1939 sogar zum Reichsstatthalter ernannt worden war, kamen nach den Unterlagen der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen in Ludwigsburg in den Jahren 1939 bis 1945 „zwischen 52794 und 60750 Personen durch nationalsozialistische Gewaltverbrechen ums Leben (…). Bis auf einige hundert Personen sind fast alle Opfer in den ersten Monaten nach dem Einmarsch der deutschen Truppen umgekommen…“ Außerdem wurden im Konzentrationslager Stutthof bei Danzig bis 1945 noch etwa 65.000 Menschen ermordet. 419Vgl dazu und zum Verlauf des Zweiten Weltkrieges: Gerhard L. Weinberg, Eine Welt in Waffen. Die globale Geschichte des Zweiten Weltkriegs. Aus dem Amerikanischen übertragen von Helmut Dierlamm, Karlheinz Dürr und Klaus Fritz, Stuttgart 1995. Der Historiker Gerhard Ludwig Weinberg wurde 1928 in Hannover geboren, emigrierte aufgrund der nationalsozialistischen Judenverfolgung als Kind mit seinen Eltern 1938 nach Großbritannien und 1941 in die USA. Dort arbeitete er nach Abschluss seines Studiums von 1951 bis 1954 als wissenschaftlicher Mitarbeiter und danach als Professor an mehreren amerikanischen Universitäten (1954-1957 University of Chicago, 1957-1959 University of Kentucky, 1959-1974 University of Michigan und 1974-1996 University of North Carolina).

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